Sonne kitzelt den Stellenmarkt

- München/Nürnberg - Die Lage auf dem bayerischen Arbeitsmarkt hat sich im Juli trotz Sommerflaute unerwartet gut entwickelt. Die Zahl der bei den Arbeitsagenturen im Freistaat gemeldeten Menschen ging um 1500 auf 474 400 zurück, was wie im Juni einer Quote von 7,3 Prozent entspricht. Üblicherweise nimmt in dieser Jahreszeit die Erwerbslosigkeit zu, weil die Ausbildung vieler Jugendlicher zu Ende geht und Betriebe in den Sommermonaten weniger Arbeitskräfte einstellen. Franz Prast, Chef der Regionaldirektion Bayern, sagte: "Nach den turbulenten Monaten am Jahresanfang beginnen die Reformen zu greifen."

Damit spielte er vor allem auf die verbesserte Vermittlung und die verstärkte Vergabe so genannter Ein-Euro-Jobs (derzeit: ca. 14 000) an. Ein Sprecher der Regionaldirektion sprach gegenüber unserer Zeitung zudem von einer "leichten Aufhellung der Konjunktur", die Stellen geschaffen habe. Allerdings räumte er ein, dass auch ein statistischer Effekt bei dem leichten Rückgang nachgeholfen haben könnte: Seit Januar werden die Arbeitslosendaten einige Tage früher erhoben. Dadurch haben sich negative Auswirkungen der im Freistaat erst spät beginnenden Sommerferien möglicherweise in den August verschoben.

Davon nicht betroffen ist laut Bundesagentur für Arbeit (BA) in Nürnberg der gesamtdeutsche Arbeitsmarkt. Allerdings zeigten sich diesen Monat auch dort Signale der Entspannung. "Die Sommerpause hat in diesem Jahr deutlich geringere Spuren hinterlassen", sagte BA-Chef Frank-Jürgen Weise. Zwar nahm die registrierte Arbeitslosigkeit zu. Das Plus fiel mit 68 000 auf 4,772 Millionen Registrierte (11,5 Prozent), aber im Vorjahresvergleich moderat aus. Saisonbereinigt sank die Zahl sogar.

"Einen Herbstaufschwung daraus abzuleiten wäre zu viel, aber es geht zumindest in die richtige Richtung", sagte Weise. Bis Oktober rechnet die BA mit einem Rückgang der Arbeitslosenzahlen um rund 200 000 - in diesen Monaten erreicht die Quote jedoch traditionell ihren jährlichen Tiefpunkt.

Die Politik bewertete die Monatsstatistik gewohnt gegensätzlich. "Unsere Arbeitsmarktreformen entfalten immer mehr Wirkung", sagte Wolfgang Clement optimistisch. FDP-Generalsekretär Dirk Niebel entgegnete dem Wirtschaftsminister, er habe immer wieder versichert, die Talsohle sei erreicht, während die Arbeitslosigkeit weiter steige.

Auch Alexander Koch, Konjunktur-Analyst der HypoVereinsbank, äußerte sich auf Nachfrage skeptisch. Die Zahlen würden ein positives Bild zeichnen, seien aber verzerrt, da etwa die Ein-Euro-Jobber nicht in der Statistik geführt würden. Wichtiger sei ein Blick auf die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Die war nach den aktuellen Daten im Mai gegenüber dem Vorjahr um 356 000 auf 26,15 Millionen eingebrochen.

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