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Strom aus der Wüste: Anlagen wie diese könnten in der Sahara Strom für Europa produzieren.

Sonnen-Strom aus der Sahara für Europa

München - Sonnenenergie aus der Wüste – was bisher als kühner, fast utopischer Wurf galt, könnte unter der Regie der Münchener Rück schon in wenigen Jahren Gestalt annehmen.

Sengende Sonne, ausgedörrter Boden – keine andere geografische Lage eignet sich so sehr für die energetische Nutzung der Sonneneinstrahlung wie die Wüstengürtel der Erde. Nur finden sich dort zu wenig Abnehmer für die reichlich vorhandene Energie. Man müsste diese also weit transportieren. Nun schicken sich deutsche Konzerne (darunter Siemens) unter Führung der Münchener Rück an, das Sonnenenergie-Projekt Desertec, das lange als kaum realisierbar galt, Wirklichkeit werden zu lassen.

Die technischen Möglichkeiten sind längst vorhanden. In Spanien und den USA arbeiten bereits große solarthermische Kraftwerke. Diese sind den in Deutschland verbreiteten Photovoltaik-Anlagen in sonnenreichen Gegenden überlegen. Sie sammeln die Wärme, die dann über Dampfturbinen in Strom umgewandelt wird. Das ist beim Einsatz großer Wärmespeicher auch nachts möglich, wenn die Sonne nicht scheint, und die Energieausbeute wegen der kühleren Umgebungstemperaturen sogar noch höher sein kann.

Damit sind solarthermische Kraftwerke nicht so eng an die Zeiten der Sonneneinstrahlung gebunden und werden „grundlastfähig“. Das bedeutet, sie können auch Kernkraftwerke oder große Kohlekraftwerke ersetzen. Der zweite Baustein ist der Transport des Stroms nach Europa. Bislang gingen viele Experten davon aus, dass es sinnvoller wäre, den in der Wüste gewonnenen Strom zur Produktion von Wasserstoff zu nutzen, der komprimiert nach Europa gebracht wird, um als Brennstoff zu dienen.

Desertec setzt auf die direkte Übertragung von Strom. Weil die Verluste bei der Durchleitung durchs Meer oder bei großen Entfernungen bei der herkömmlichen Wechselstromtechnik, wie sie in unseren Stromnetzen zum Einsatz kommt, zu hoch sind, setzt man dabei auf eine ganze Reihe von Gleichstrom-Hochspannungsleitungen von Afrika nach Europa.

Die Energie ist reichlich vorhanden. Eine vergleichsweise bescheidene Fläche von 130 mal 130 Kilometern würde ausreichen, um ganz Europa mit Strom zu versorgen. Doch die Investitionen, die dazu notwendig wären, sind gigantisch: Damit Europa nur 15 Prozent seines Stroms aus der Wüste beziehen kann, müssten 350 Milliarden Euro in die Kraftwerke und 50 Milliarden Euro in die Leitungen investiert werden.

Dazu sind eine Reihe von Voraussetzungen nötig: Zum einen müsste politische Stabilität in den betroffenen Regionen gewährleistet sein. Zum anderen muss wie bei anderen Formen erneuerbarer Energien über die technische Weiterentwicklung und Massenproduktion die Konkurrenzfähigkeit erst erreicht werden. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt geht davon aus, dass die Kosten in zehn bis 15 Jahren bei 6 bis zehn Cent pro Kilowattstunde liegen könnten. Das entspricht dem Niveau heutiger mittlerer Kohlekraftwerke.

Bereits in zehn Jahren könnte nach ersten Schätzungen Strom von Afrika nach Europa fließen. Was aber macht die Münchener Rück zur treibenden Kraft bei einem derart ehrgeizigen Technologieprojekt? Pures Eigeninteresse: Der Konzern warnt seit vielen Jahren vor den Folgen der Erderwärmung, die er über die versicherten Kosten immer unkalkulierbarer auftretender Naturkatastrophen finanziell zu spüren bekommt. „Desertec setzt langfristig eindeutig die richtigen Anreize, nämlich für Klimaschutz und eine CO2-arme Energiewirtschaft“, sagt Torsten Jeworrek , Vorstandsmitglied des Münchner Konzerns. Doch gleichzeitig sieht die Münchener Rück in den Erneuerbaren Energien auch ein Potenzial für neue Geschäfte.

Weil auch die neuen Energien Risiken (etwa bei Haftungsfragen oder durch klimatische Veränderungen) mit sich bringen, will der Versicherungskonzern ganz vorne mit dabei sein, für die Risiken dieser Branche maßgeschneiderte Versicherungsprodukte zu entwickeln, um die einzelnen Unternehmen vor den Launen des Wetters zu schützen.

Von Martin Prem

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