1. Startseite
  2. Wirtschaft

Sonnenblumenöl immer teurer: Deutsche Landwirte reagieren

Erstellt:

Von: Lisa Mayerhofer

Kommentare

Ein Sonnenblumenfeld im Sommer: In Brandenburg bauen Landwirte verstärkt Sonnenblumen an.
Ein Sonnenblumenfeld im Sommer: In Brandenburg bauen Landwirte verstärkt Sonnenblumen an. © McPHOTO/BilderBox/Imago

Sonnenblumenöl ist seit Monaten Mangelware - und heiß begehrt. In Brandenburg haben Landwirte jetzt reagiert.

Teltow/München – In deutschen Supermärkten spielten sich in den vergangenen Monaten teilweise erstaunliche Szenen ab, weil sich viele Deutsche auf das knapper und teurer werdende Sonnenblumenöl stürzten. Aber auch Gastronomen und Hersteller hadern mit dem Mangel an Sonnenblumenöl und den gestiegenen Preisen für Speiseöle. Die Fast-Food-Kette McDonald‘s hat zum Beispiel schon den Anteil von Sonnenblumenöl in seiner Pflanzenölmischung zum Frittieren der Pommes gesenkt.

Sonnenblumenöl: Landwirte bauen verstärkt Sonnenblumen an

„Bei Sonnenblumenöl ist die Ukraine der wichtigste Lieferant weltweit“, sagt ein Sprecher des Verbands der ölsaatenverarbeitenden Industrien in Berlin. Über die Hälfte der weltweiten Exporte von Sonnenblumenöl komme aus dem osteuropäischen Land. In der Ukraine wurde bislang demnach aus den Sonnenblumenkernen sogenanntes Rohöl hergestellt und über das Schwarze Meer verschifft, die Exporte sind wegen des Kriegs zum Erliegen gekommen. „Das wird sich auf absehbare Zeit nicht verbessern.“

Deutschland bezieht 94 Prozent des Bedarfs an Sonnenblumenöl aus Importen, nur sechs Prozent wird aus heimischer Erzeugung gewonnen. Der Anbau von Sonnenblumen fristet in Deutschland eher ein Nischendasein. Das könnte sich nun ändern: Nach einer Umfrage des Landesbauernverbandes Brandenburg unter seinen Verbandsmitgliedern reagieren einige Landwirte auf den aktuellen Bedarf an Sonnenblumenkernen und widmen ursprünglich anderweitig verplante Flächen - etwa für Mais - für den Sonnenblumenanbau um.

„Die kriegsbedingten Versorgungslücken mit Sonnenblumensaat aus der Ukraine können wir nicht im Entferntesten kompensieren. Auch wenn wir mit etwa 13.000 Hektar Anbaufläche deutschlandweit der größte Produzent von Sonnenblumenkernen sind. Dennoch reagieren unsere Landwirte auf die steigende Nachfrage und bauen verstärkt Sonnenblumen an“, sagte Henrik Wendorff, Präsident des Landesbauernverbandes Brandenburg, Merkur.de.

Sonnenblumen in Brandenburg, Raps in Bayern

Den Sonnenblumenanbau auszuweiten, ist dabei gar nicht so einfach: Es fehlt in Deutschland an Ackerfläche. Außerdem erfordert der Anbau eine bestimmte Maschinentechnik bei Saat und Ernte. Zudem sind Sonnenblumen bei zu viel Feuchtigkeit in der Erntephase anfällig für Fäulnis und Pilzbefall.

Im südlicheren Bundesland Bayern wäre dagegen das Anbaupotential für eine andere gelb blühende Pflanze hoch, aus der ebenfalls Speiseöl hergestellt werden kann: Raps. „Der Sonnenblumenanbau stellt hohe Ansprüche an die klimatischen Verhältnisse des Standorts“, sagte Dorothea Hofmann, Expertin bei der bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft.

Bei Raps sieht das etwas anders aus: „Die Anbaufläche könnte ausgedehnt werden. Fruchtfolgegrenzen oder ähnliche Restriktionen sind hier noch nicht erreicht“, sagte ein Sprecher des Landwirtschaftsministeriums. Aber auch in diesem Fall bietet der heimische Anbau kurzfristig keine ernstzunehmende Alternative.

Immerhin: Landwirte, die es dieses Jahr geschafft haben, Raps oder Sonnenblumen anzubauen, können sich über gute Preisaussichten freuen. Dies könnte einen verstärkten Anbau der Pflanzen nach sich ziehen. Im Landwirtschaftsministerium erklärt man das ganz einfach: „Kann der Landwirt mit dem Sonnenblumenanbau mehr Geld verdienen als mit anderen Feldfrüchten, wird sich die Anbaufläche entsprechend erhöhen.“ (lma/dpa)

Auch interessant

Kommentare