Sony wird zum Filmriesen: MGM für 5 Milliarden übernommen

- New York - Mit der Übernahme des traditionsreichen Hollywood-Filmstudios Metro Goldwyn Mayer (MGM) setzt der japanische Elektronik- und Unterhaltungsriese Sony seinen rasanten Vormarsch im Musik- und Filmsektor fort. Das japanische Unternehmen erhöht dabei vor allem den Druck auf den weltweiten Unterhaltungs-Branchenführer Time Warner, der im Bieterkampf um MGM unterlag und somit erneut eine Niederlage einstecken musste.

<P>Erst kürzlich war Time Warner mit dem Versuch gescheitert, den Zusammenschluss der Musiksparten von Sony und Bertelsmann zu verhindern. Sony kauft MGM gemeinsam mit drei US-Investmentfirmen für knapp drei Milliarden Dollar. Unter Einschluss von MGM-Schulden beträgt der Transaktionswert sogar nahezu fünf Milliarden Dollar. Damit hat Sony den Rivalen Time Warner aus dem Rennen geworfen - die US-Firma wollte nur maximal 4,6 Milliarden Dollar einsetzen. Der Kapitaleinsatz ist für Sony und die anderen Beteiligten jeweils relativ gering, da ein erheblicher Teil des MGM-Kaufs über Kredite finanziert wird.<BR><BR>Sony war erst kürzlich im heiß umkämpften und stagnierenden Musikmarkt eine Vernunftehe mit Bertelsmann eingegangen. Die Musiksparte von Sony und die Bertelsmann-Musiktochter BMG legten ihr Geschäft zusammen. Das Gemeinschaftsunternehmen Sony BMG ist mit 25 Prozent Marktanteil die zweitgrößte Musikfirma der Welt. Die Konkurrenten Time Warner, EMI und Universal Music hatten vergeblich versucht, die Verschmelzung von Sony und BMG in Brüssel zu torpedieren.<BR><BR>Sony macht Time Warner außerdem mit neuen Filmvertriebs- und Kabelfernsehvereinbarungen mit dem größten amerikanischen Kabel-TV-Systembetreiber Comcast zu schaffen. Comcast liegt mit 21 Millionen angeschlossenen Haushalten weit vor Time Warner, doch fehlten der Gesellschaft bislang Filme und andere Programme. Comcast sichert sich mit den neuen Sony-MGM-Vereinbarungen Zugang zu den riesigen Filmbibliotheken von Sony und MGM und rückt damit inhaltsmäßig zu Time Warner auf. Comcast hatte in diesem Jahr vergeblich versucht, die Walt Disney Company für rund 54 Milliarden Dollar zu schlucken, um sich auf diesem Weg Filme und TV-Programme zu beschaffen. </P><P>Die General-Electric-Tochter NBC hatte die US-Unterhaltungssparte der französischen Vivendi Universal für 14 Milliarden Dollar übernommen. Rupert Murdoch hatte mit dem Kauf der größten amerikanischen Satelliten-TV-Firma DirecTV durch seine News Corp. für 6,6 Milliarden Dollar zugeschlagen. Damit ist in den amerikanischen Unterhaltungs- und Fernsehmarkt enorme Bewegung gekommen.<BR><BR>Sony verleibt sich die riesige MGM-Filmbibliothek mit mehr als 4000 Filmen und über 10 000 Fernsehprogramm-Titeln sowie die Filmstudios MGM Pictures und United Artists ein, die zu den Sony-Studios Columbia und Tristar hinzukommen. Sony verfügt zukünftig über etwa 8000 Filmtitel und kontrolliert damit die weltgrößte Filmbibliothek. MGM hatte in den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres 870 Millionen Dollar umgesetzt und einen Verlust von 40,9 Millionen Dollar ausgewiesen, der überwiegend auf Sonderfaktoren zurückzuführen war.<BR></P><P> </P>

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