"Sony-Krieger" Stringer schließt elf Werke und streicht 10 000 Stellen

- Tokio - Sony-Chef Howard Stringer hat den Ernst der Lage erkannt. Der vor sechs Monaten an die Spitze des schwächelnden japanischen Elektronik-Riesen berufene Amerikaner will den einst legendären Vorreiter der Unterhaltungselektronik mit einem zweiten Rettungsplan aus der Krise führen. Unter anderem sollen bis März 2008 weitere 10 000 Stellen wegfallen und elf der derzeit 65 Fabriken geschlossen werden. Der gebürtige Brite, der sich gerne als "Sony-Krieger" bezeichnet, verglich die Lage des Konzernriesen mit dem einstigen Kampf der Russen, die Moskau gegen Napoleon verteidigten.

Wie stark der Abbau in Deutschland sein wird, steht noch nicht fest. Sony hat 650 Beschäftigte in Köln.

Stringer steht unter Druck der Investoren, nachdem der zwei Jahre zuvor verkündete Sanierungsplan seines Vorgängers Nobuyuki Idei trotz hohen Kostenaufwands wenig Erfolg hatte. Während die Kostensenkungen nicht mit dem Preisverfall bei Digitalprodukten mithalten konnten, richtete Sony viel zu spät den Fokus auf die LCD-Fernsehtechnologie und brachte nur langsam populäre Flachbild-Fernseher heraus. Das Gleiche gilt für MP3-Spieler. Das in Ideis Reformplan noch formulierte Ziel einer operativen Gewinnmarge von über zehn Prozent im Geschäftsjahr zum März 2007, Sonys 60. Jubiläum, ist nun praktisch aufgegeben. Zum März 2005 lag die Marge gerade einmal bei 1,6 Prozent.

Der neue, von Stringer verkündete Rettungsplan peilt nun eine Gewinnmarge von fünf Prozent zu März 2008 an. Der Schwerpunkt des neuen Reformanlaufs liegt jetzt in der Umgestaltung des seit einigen Jahren schwächelnden Elektronik-Kernbereichs, einst das Aushängeschild des Konzerns. Statt der bisherigen stark dezentralen Konzernstruktur soll es künftig neue, eng verzahnte Geschäftssparten geben. Sony will sich auf Chips, hoch auflösendes Fernsehen und mobile Geräte konzentrieren, Bereiche, in denen das Unternehmen Marktanteile an Samsung, Matsushita (Panasonic) und Apple verliert. "Wir müssen uns auf ausgewählte Produkte konzentrieren, um ein führendes Unternehmen in der Unterhaltungselektronik-Industrie zu bleiben", sagte Stringer.

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