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Die Refinanzierung der Banken (im Bild das Frankfurter Finanzviertel) soll neu geregelt werden. Für Genossenschaftsbanken und Sparkassen drohen Verschlechterungen.

Genossenschaftsverband

Sorge um die deutsche Kreditkultur

München - Durch stärkere Regulierung der Banken sollen Krisen künftig vermieden werden. Doch was europaweit geplant ist, verschärft die Lage in Europa und gefährdet auch die deutsche Kreditkultur.

Schulden gelten nicht gerade als Zeichen für wirtschaftliche Stärke. Doch Kredite – das sind nichts anders als Schulden – sind in Wahrheit der Motor einer erfolgreichen Wirtschaft. Sie ermöglichen es Unternehmen zu forschen, Produkte zu entwickeln und in Maschinen und Anlagen zu investieren. Doch eine spezielle deutsche Form des Kredits sieht Stephan Götzl, Präsident des Genossenschaftsverbands Bayern in Gefahr. Die langfristige Unternehmensfinanzierung.

Das ist eine Finanzierungsform, wie sie auch Immobilienkäufer in Deutschland bevorzugen: Laufzeiten und feste Zinsen für fünf, zehn oder noch mehr Jahre. Das schafft langfristige Planungssicherheit. „Wir managen für andere das Zinsänderungsrisiko“, sagt Götzl. Doch diese, wie er sagt, „Langfristkultur“ sieht der Genossenschaftsverband durch die höheren Eigenkapitalanforderungen im Zuge der Bankenregulierung (Basel III) gefährdet.

Ein zentraler Punkt dabei ist die Refinanzierung der Banken, also die Beschaffung des Geldes, das als Kredit an Kunden ausgereicht wird. Langfristige Kredite sollen auch langfristig refinanziert werden, ist ein Ziel des Regulierungswerks. Das hat durchaus einen Grund. Die Hypo-Real Estate ist unter anderem daran zugrunde gegangen, dass sie langfristig ausgereichte Kredite kurzfristig refinanziert hat. Das ist ihr im Zug der Weltfinanzkrise und der mit ihr verbundenen Kreditklemme um die Ohren geflogen. Doch die Lage bei Volks- und Raiffeisenbanken – und ähnlich bei den Sparkassen – ist fundamental anders: Sie refinanzieren langfristige Unternehmenskredite durch die Spareinlagen ihrer Anleger, diese übertreffen das ausgereichte Kreditvolumen bei weitem und liegen oft jahrzehntelang bei einer Bank.

Doch der Form nach sind Spareinlagen kurzfristig, wie Verbandsdirektor Erhard Gschrey einräumt. Denn sie können teilweise sogar täglich abgehoben werden. Deshalb sollen nur noch kurzfristige Kredite damit refinanziert werden. Doch damit ist Mittelständlern bei Investitionen nicht geholfen. So droht ein erfolgreiches und stabiles Unternehmensfinanzierungsmodell unter die Räder der europäischen Bürokratie zu geraten.

Auf einen weiteren Unterschied zu den Risikobanken macht Konrad Irtel aufmerksam, der Vorstandssprecher der VR-Bank Rosenheim-Chiemsee: „Wir kennen unsere Kunden – oft seit Jahrzehnten.“ „Die langfristige Unternehmensfinanzierung durch Banken ist die Basis des deutschen Erfolgs“, sagt Götzl, und er lässt kaum ein gutes Haar an dem, was aus Europa als Alternative vorgeschlagen wird: Anleihen. Diese seien keine geeignete Finanzierungsform für den Mittelstand. Hohe Kosten für Rating, Börsennotierung und die Werbung um Investoren machen sie erst „bei einem Kreditbedarf in zweistelliger Millionenhöhe attraktiv“, sagt Götzl. Doch die Kunden der Genossenschaftsbanken hatten Ende 2012 durchschnittlich 130 000 Euro in Anspruch genommen. Und statt mit drei Prozent – wie ein Bankkredit – schlägt eine Anleihe an der Frankfurter Börse mit mehr als dem doppelten zu Buche.

Keine Lösung für Deutschland also. Aber hilft Basel III den anderen Europäern aus der Krise? Schieflagen der Banken, zweifelhafte Bonität und Unklarheiten in deren Bilanzen erschweren den Banken die Refinanzierung zusätzlich. Götzl fordert jetzt „vehementen politischen Einsatz aus Deutschland, um die Vorzüge unseres Bankensystems zu erhalten“ und sie auch den anderen Europäern näherzubringen. Regulierung, sagt er, „muss stets eine stabile Refinanzierung gewährleisten und eine verlässliche Kreditversorgung ermöglichen“.

Martin Prem

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