Sorge um die Gasversorgung

- Moskau ­- Es erscheint wie ein Déjà-vu: Nach der Ukraine im vergangenen Winter streitet der russische Gasmonopolist Gazprom nun mit Weißrussland um kräftige Preiserhöhungen. Gaskriege zum Neujahrsfest seien bereits eine gute russische Tradition, kommentierte das Moskauer Boulevardblatt "Moskowski Komsomolez" ironisch.

Derweil gibt sich der weißrussische Präsident Alexander Lukaschenko unnachgiebig ­ zu sehr profitiert die Wirtschaft seines Landes bislang von dem im internationalen Vergleich niedrigen Preis für russisches Gas.

Die kräftige Preiserhöhung passt in die Konzernpolitik des vom Kreml kontrollierten Gasriesen. Nebenbei will Gazprom-Chef Alexej Miller auch die Kontrolle über Weißrusslands staatlichen Transitpipeline-Betreiber Beltransgas. Sollte es am 1. Januar wirklich zum Gaskrieg kommen, könnten auch Gaslieferungen nach Westeuropa betroffen sein.

Doch trotz der Muskelspiele des Minsker Autokraten geht es wohl letztlich nur ums Kleingedruckte. Die Weißrussen sind nicht die Einzigen, die vom kommenden Jahr an lernen müssen, mit zum Teil empfindlich höheren Preisen für russisches Gas zu leben. Gleiches gilt auch für die baltischen Staaten, Moldawien, die Ukraine und die Kaukasusrepubliken Aserbaidschan und Georgien.

Die neue Gazprom-Strategie heißt "Übergang zu Marktpreisen" und bedeutet im Endeffekt eine Anhebung der Gaspreise auf westeuropäisches Niveau. Damit endet eine Ära, in der Russland die ehemaligen Sowjetrepubliken als sogenanntes "nahes Ausland" mit Vorzugspreisen bedachte.

Während westliche Beobachter den Gasstreit mit der Ukraine Anfang 2006 meist als Strafe für den Kiewer Westkurs interpretierten, scheint es diesmal vor allem ums Geld zu gehen. Der in Europa geächtete Lukaschenko ist auch so notgedrungen ein Verbündeter des Kreml. Von der Union der beiden slawischen Bruderstaaten ist allerdings kaum mehr als eine Zollunion übrig geblieben.

Gazprom machen vor allem die niedrigen innerrussischen Gaspreise zu schaffen. Zwar hat Präsident Wladimir Putin einer schrittweisen Anhebung schon zugestimmt. Doch bis diese europäisches Niveau erreichen, sollen noch Jahre vergehen. Bis dahin muss Gazprom-Chef Miller das Minus auf dem Heimatmarkt durch den Gasexport wieder wettmachen.

Zumal Gazprom dringend Geld für Investitionen braucht. Allein der Einstieg beim bislang von Shell geführten Gas- und Ölprojekt Sachalin-2 kostet den Konzern 7,5\x0fMilliarden Dollar.

Die Krise um das russische Gas beunruhigt indes auch Politiker in Deutschland. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos appellierte "an die Konfliktparteien, schnellstmöglich eine tragfähige Vereinbarung zu erreichen und damit ihre Verlässlichkeit als Liefer- als auch als Transitland unter Beweis zu stellen". Zugleich betonte Glos: "Aufgrund der bestehenden Speicherkapazitäten und der geringen Liefermengen über die Gaspipeline durch Weißrussland ist in Deutschland eine Gefährdung der Versorgungssicherheit nicht zu befürchten."

Über Weißrussland kommen nur etwa 7,5 Prozent der Gasimporte nach Deutschland. Außerdem sind die Erdgasspeicher in Deutschland "gut gefüllt", wie der Bundesverband der deutschen Gas- und Wasserwirtschaft versichert. Dank der 44 Gasspeicher könne Deutschland einen Lieferausfall aus der weißrussischen Pipeline bis zu einem Jahr verkraften, betonte auch das Bundeswirtschaftsministerium. Russland ist mit 34 Prozent Anteil der wichtigste Erdgas-Lieferant für Deutschland.

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