Der Hurrikan „Sandy“ hat Ende Oktober an der Ostküste der USA Milliarden-Schäden verursacht. Obwohl die Allianz rund 450 Millionen Euro zahlen musste, blieben die Ausgaben für Naturkatastrophen im vergangenen Jahr unter dem Durchschnitt. Foto: ap

Sorge um Zukunft der Lebensversicherung

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München - Niedrige Schäden aus Naturkatastrophen und keine neuen Abschreibungen in der Euro-Krise – die Allianz hat 2012 ihren Gewinn auf 5,2 Milliarden Euro verdoppelt. Sorgen bereitet Allianz-Chef Diekmann jedoch die neue Debatte um die Lebensversicherung.

Nicht die Euro-Krise, nicht die anstehende Wahl in Italien oder die Angst vor einem Währungskrieg bringt Allianz-Chef Michael Diekmann in Rage. Nein, es ist der Streit um die Bewertungsreserven bei Lebensversicherungen. Dies sei eine Negativ-Diskussion, die der gesamten Branche schade, zürnt Diekmann bei der Vorstellung der Jahresbilanz. Immer schwieriger werde es, gerade Jüngere für eine private Altersvorsorge zu gewinnen.

In dem Streit geht es um die Bewertungsreserven für festverzinsliche Wertpapiere. Seit 2008 müssen Versicherer ihre Kunden an den Bewertungsreserven mit bis zu 50 Prozent beteiligen, wenn der Vertrag ausläuft. Die Bundesregierung will den Konzernen nun erlauben, einen Teil der Reserven einzubehalten. Damit soll verhindert werden, dass Versicherer durch eine längere Niedrigzinsphase in Schieflage geraten. Verbraucherschützer warnen vor massiven Einschnitten. Derzeit verhandelt der Bundesrat über eine Neuregelung.

Diekmann weist entschieden den Vorwurf zurück, die Versicherungen würden sich durch die Neuregelung bereichern. „Die Maßnahme geht nicht zu Lasten der Kunden, sondern sie soll im Gegenteil für eine faire Zuordnung der Bewertungsreserven aus festverzinslichen Wertpapieren unter allen Kunden sorgen“, betont Diekmann. Würden die Versicherungen gezwungen, einen Teil der Bewertungsreserven jetzt auszuzahlen, drohten den Bestandskunden niedrigere Renditen.

Doch nicht nur der Streit um die Bewertungsreserven schadet der Lebensversicherung. Auch die künstliche Niedrigzinsphase belaste die private Altersvorsorge, warnt Diekmann. So müssten Sparer deutlich höhere Beiträge zahlen, um die Versorgungslücke im Alter zu schließen. Nach Allianz-Berechnungen liegt der Beitragsaufschlag bei etwa einem Drittel. „Mancher wird sich dies nicht leisten können.“

Der Allianz-Chef lehnt daher auch die geplante Finanztransaktionssteuer ab. „Die Sparer zahlen jetzt schon die Zeche der Krise.“ Mit der neuen Abgabe würden die Sparer erneut belastet. Diekmann fordert daher, Lebensversicherungen und Riester-Renten von der Steuer auszunehmen. In der Politik gebe es eine Reihe von Schnellschüssen, die hoffentlich auch dem Wahlkampf geschuldet seien, sagt Diekmann.

Trotz der Sorgen um die Lebensversicherung – für die Allianz kann der Vorstandschef positive Zahlen verkünden. Mit einem Überschuss von 5,2 Milliarden Euro hat Europas größter Versicherer die Erwartungen deutlich übertroffen. Naturkatastrophen und Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen hatten den Überschuss 2011 auf 2,5 Milliarden gedrückt. Die Dividende soll allerdings trotz höherer Gewinne bei 4,50 Euro bleiben. Wachstumstreiber war erneut die Vermögensverwaltung. Das operative Ergebnis legte um knapp 34 Prozent auf drei Milliarden Euro zu – und übertraf damit erstmals die Lebensversicherung.

Mit rund 508 Milliarden Euro gehört die Allianz zu den größten Kapitalanlegern der Welt. Drei Viertel davon sind Gelder aus der Lebensversicherung. Nur knapp 30 Milliarden Euro sind in Aktien investiert. Auf Immobilien entfallen rund zehn Milliarden Euro. Den größten Anteil machen mit rund 461 Milliarden Euro Staatsanleihen, Pfandbriefe und Unternehmensanleihen aus. Gut 31 Milliarden Euro hat die Allianz in italienische Staatsanleihen investiert, deutsche Anleihen kommen auf rund 27 Milliarden Euro. Spanische, portugiesische und irische Papiere hat die Allianz auf drei Milliarden Euro reduziert. Insgesamt erzielte der Konzern in der Lebensversicherung bei Neuanlagen 2012 eine Rendite von 3,6 Prozent.

Steffen Habit

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