Sorgen in Frankfurt: Machtvakuum bei der Deutschen Börse

- Frankfurt - Die Deutsche Börse sucht nach Halt. Nach dem Aus für die Führungsspitze mehren sich in Frankfurt Befürchtungen, das Dax-Unternehmen könnte zerschlagen werden. Manche Anleger bangen um ihr Geld, die Börse selbst "sondiert" und hofft auf Ruhe bis zur Hauptversammlung in zwei Wochen. Derzeit gibt es nur eines: Spekulationen.

<P>Die tonangebenden Hedge-Fonds, deren Hartnäckigkeit das beispiellose Desaster vom Montag erst erzwungen hatte, äußern sich eher vage zu ihrer Strategie. "Es ist völlig unklar, was diese Investoren vorhaben", kritisiert Reinhild Keitel von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). Vor allem Kleinaktionäre seien verunsichert. "Es darf nicht sein, dass die Börse jetzt aller liquiden Mittel beraubt wird."</P><P>Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) mahnt die spekulativen Hedge-Fonds, die sich in großem Stil bei der Börse eingekauft haben: "Die Privatanleger haben kein Interesse, das Unternehmen zu zerschlagen und Kapital abzuziehen." Vor allem dürfe die Deutsche Börse in Europa nicht unter die Räder geraten. Frankfurt drohe sonst zu einer Regionalbörse zu verkommen.</P><P>Weitgehend einig sind sich die Akteure, dass die europäische Börsenlandschaft mit ihren großen Playern in Frankfurt, London und Paris schlanker werden muss. "Wir sind weiterhin für eine Konsolidierung in der Branche", sagte der Europa-Direktor des US-Hedge-Fonds Atticus Capital, David Slager, der neben TCI zu den schärfsten Kritikern der bisherigen Deutsche-Börse-Führung zählte. "Es sollte aber eine Fusion unter Gleichen sein", so Slager.</P><P>Seit dem Aus für Börsenchef Werner Seifert scheint ein Zusammenschluss der Deutschen Börse mit der Vierländerbörse Euronext wieder denkbar. Als eines der großen Hindernisse für eine solche Konstellation galten bislang Unstimmigkeiten zwischen Seifert und seinem französischen Managerkollegen Jean-Francois Théodore.</P><P>TCI-Partner Patrick Degorce entlockt der Gedanke an eine Fusion von Euronext und Deutscher Börse im Interview mit der "Wirtschaftswoche" schlicht ein "fantastisch": "Vom Geschäftsmodell her würden beide zusammenpassen."</P><P>TCI würde eine solche Fusion laut Degorce eher tolerieren als die geplante Übernahme der Londoner Börse (London Stock Exchange), die die Fonds Anfang März als zu teuer gekippt hatten.</P><P>Beim personellen Umbau der Börse treiben die Großaktionäre den noch amtierenden Aufsichtsratschef Rolf Breuer zur Eile. Breuer zufolge soll der Übergang sechs Monate dauern. "Wir hoffen, dass es schneller geht", sagte TCI-Partner Degorce dem "Handelsblatt". Breuer, der sich wochenlang weitgehend erfolglos mit den Fonds herumstritt, antwortete indirekt im Wirtschaftsmagazin "Capital": "Am liebsten träte ich sofort zurück."</P>

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