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Beitragsbemessungsgrenzen

Sozialbeiträge: Wer 2014 mehr zahlen muss

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München – Auf Arbeitnehmer kommen im nächsten Jahr höhere Sozialbeiträge zu. Der Grund ist der Anstieg der Beitragsbemessungsgrenzen. Die Mehrbelastung beträgt bis zu 250 Euro im Jahr.

Für die Bundesregierung ist es lediglich ein Automatismus, für Arbeitnehmer und Arbeitgeber meist allerdings eine unerfreuliche Nachricht: Jedes Jahr im Herbst werden die Beitragsbemessungsgrenzen in der Sozialversicherung angepasst. Bis zu diesem Limit müssen Beiträge zur Renten-, Arbeitslosen-, Kranken- und Pflegeversicherung gezahlt werden. Was die diesjährige Anhebung der Beitragsbemessungsgrenzen bedeutet – die wichtigsten Antworten im Überblick.

-Welche Grenzwerte gelten ab 2014?

Die Beitragsbemessungsgrenze zur Renten- und Arbeitslosenversicherung steigt im Westen um 150 Euro auf 5950 Euro. In Ostdeutschland werden nur bis zu einem Bruttoeinkommen von 5000 Euro (bisher 4900 Euro) Beiträge erhoben. Der Grund: Die Durchschnittslöhne im Osten sind immer noch niedriger als im Westen. Der Beitragssatz zur Rentenversicherung liegt derzeit bei 18,9 Prozent.

-Was ändert sich in der Kranken- und Pflegeversicherung?

In der Kranken- und Pflegeversicherung gilt bundesweit eine einheitliche Beitragsbemessungsgrenze. Sie liegt derzeit bei 3937,50 und steigt 2014 auf 4050 Euro. Der Beitragssatz beträgt derzeit bundesweit 15,5 Prozent. Davon zahlen die Arbeitnehmer 8,2 Prozentpunkte, die Arbeitgeber 7,3 Punkte.

-Wie hoch ist die Zusatzbelastung für Arbeitnehmer?

Betroffen sind alle Arbeitnehmer, die mehr als 3937,50 Euro brutto im Monat verdienen. Die Auswirkungen durch die Anhebung der Grenzwerte sind allerdings etwas komplizierter, als es auf den ersten Blick erscheint. Denn durch die höheren Beitragsbemessungsgrenzen werden zwar zunächst höhere Beiträge fällig. Allerdings lassen sich etwa die höheren Krankenkassenbeiträge auch von der Steuer absetzen. Die Gesamtbelastung fällt daher etwas geringer aus – abhängig von der Steuerklasse. Frank Hechtner, Professor für Steuerwirkungslehre an der Freien Universität Berlin, hat einige Beispiele berechnet. Danach muss ein kinderloser Single mit einem monatlichen Bruttoverdienst von 4000 Euro im Westen mit zusätzlichen Abgaben von 44,64 Euro im Jahr rechnen (Grafik). Bei einem Ehepaar mit zwei Kindern liegt die Mehrbelastung bei einem Monatseinkommen von 4000 Euro bei 51,12 Euro (Steuerklasse III).

-Was bedeutet die Anhebung für Privatversicherte?

Die Beiträge zur privaten Krankenversicherung richten sich nicht nach dem Einkommen, sondern unter anderen nach Alter, Risiko und Vorerkrankungen. Privatversicherte sind daher von der Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze in der Krankenversicherung nicht betroffen. Dies gilt aber nicht für die Renten- und Arbeitslosenversicherung. Ein Privatversicherter mit einem Brutto-Monatsverdienst von 6000 Euro muss also ab 2014 rund 170 Euro mehr Rentenbeitrag im Jahr zahlen.

-Wie funktioniert die Anpassung der Beitragsbemessungsgrenzen?

Die Regierung kann die Obergrenze nicht beliebig festsetzen. Die Anpassung erfolgt vielmehr nach einer festgelegten Formel. Sie orientiert sich an der Lohnentwicklung. Das heißt: Steigen die Einkommen, erhöhen sich auch die Beitragsbemessungsgrenzen. Die schwarz-gelbe Bundesregierung will die entsprechende Verordnung am kommenden Mittwoch beschließen. Der Bundesrat hat dem Entwurf bereits zugestimmt.

-Gibt es Spielraum für eine Senkung der Sozialbeiträge?

Zwar haben die Sozialkassen im ersten Halbjahr ein Defizit von insgesamt 3,1 Milliarden Euro erzielt. Aufgrund der starken Schwankungen im Jahresverlauf – etwa durch das Weihnachtsgeld – lassen die Zahlen aber noch keine Rückschlüsse auf das Ergebnis des Gesamtjahres zu. Sowohl die Krankenversicherung als auch die Rentenkasse sitzen derzeit noch auf großzügigen Reserven. Durch die Anhebung der Beitragsbemessungsgrenzen werden die Einnahmen der Sozialkassen im nächsten Jahr weiter steigen. In der Rentenversicherung könnte es daher Spielraum für eine Beitragssenkung geben. Dazu gibt es einen festen Mechanismus: Übersteigen die Reserven der Rentenkasse Ende des Jahres das Eineinhalbfache einer Monatsausgabe, muss der Beitragssatz gesenkt werden.

Steffen Habit

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