Soziale Hilfen: Nur 9,3 Prozent der Haushalte leben davon

- München - Die sozialen Folgen der Überalterung haben Deutschland weit weniger erfasst als vielfach vermutet. Die Zahl der Haushalte, die ihren Lebensunterhalt hauptsächlich durch Transferleistungen - also Zahlungen aus öffentlichen Kassen - bestreiten, ist in den letzten zehn Jahren kaum gestiegen: Der Mikrozensus ergab eine Quote von 41,5 Prozent der Haushalte.

1996 waren es 41,3 Prozent. Diese Zahlen bestätigte das Statistische Bundesamt. Den Schluss, dass immer mehr Deutsche am staatlichen Tropf hängen, wie die Daten in ersten Reaktionen interpretiert wurden, trifft damit wohl nicht zu. Ohnehin machen den Löwenanteil der Transferempfänger die Ruheständler aus: Bei 32,2 Prozent aller Haushalte gilt die Rente als wichtigste Einnahmequelle.

Die Rentner aber haben durch Beitragszahlungen für das heute überwiesene Geld vorgesorgt. Bleiben also 9,3 Prozent, die vor allem von staatlichen Hilfen leben, für die sie nicht vorgesorgt haben. Dennoch: Eine signifikante Zunahme ist bei den Arbeitslosen zu verzeichnen: 7,2 Prozent der Haushalte sind weitgehend auf Arbeitslosengeld 1 oder 2 angewiesen. 1996 waren es nur 4,6 Prozent.

Die gestiegenen Arbeitslosenzahlen machen sich damit in der Statistik deutlich bemerkbar. Dabei beschönigt die Statistik diese Zahlen sogar: Wenn der Hauptverdiener arbeitslos wird und seine Stütze geringer ist als das, was zum Beispiel die Ehefrau an Gehalt mitbringt, wird statistisch sie zur Ernährerin. Die Familie lebt -statistisch betrachtet -über- wiegend von Arbeitseinkommen. Denn erfasst wird jeweils der überwiegende Lebensunterhalt des Haupteinkommensbeziehers im Haushalt -eine Feinheit der amtlichen Statistik.

Ein Haushalt, in dem der Mann 1200 Euro Rente bezieht und 300 Euro dazuverdient und die Frau aus einer Teilzeitstelle 1100 Euro heimbringt, lebt statistisch überwiegend von Rente, obwohl das Arbeitseinkommen in der Summe höher ausfällt als die Überweisung der Rentenversicherung. Signifikant zurückgegangen ist die Zahl der Haushalte, die vorwiegend durch die Zuwendungen von Angehörigen finanziert werden -von 3 auf 2,3 Prozent.

Dagegen hat die Zahl der Haushalte, in denen Erwerbseinkünfte den größten Teil des Einkommens ausmachen, sogar leicht zugenommen: Von 55 auf 55,4 Prozent. Verschwindend gering ist nach wie vor der Anteil der Haushalte, für die Rente oder Gehalt nur ein Zubrot sind. Nur 0,7 Prozent leben hauptsächlich von ihrem Vermögen, also von Zins- oder Mieteinnahmen. Die Statistik über Einzelpersonen bestätigt, dass sich das Risiko, auf öffentliche Hilfen angewiesen zu sein, auf Familien verlagert.

Während die Zahl der Haushalte, die überwiegend von Renten oder staatlichen Hilfen leben, nahezu konstant geblieben ist, stieg der Anteil der davon betroffenen Menschen von 27 auf 29,5 Prozent. In Bayern liegt diese Zahl nur bei 25,5 Prozent. Die größte Gruppe -43,4 Prozent -lebt von Lohn und Gehalt, gefolgt von 30,6 Prozent, die Unterhalt von Angehörigen bekommen. Das sind überwiegend von ihren Eltern ernährte Kinder und Jugendliche.

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