Wie Späth in die Krise rutschte

- München - Keine Bankschulden, die Löhne für alle 64 Mitarbeiter immer gezahlt, der Generationswechsel in der Geschäftsführung geschafft. Späth-Liebergesell ist ein Musterunternehmen. Leider in der falschen Branche: Bau. Am 7. Januar musste die Firma des ehemaligen Handwerks-Präsidenten Heribert Späth Insolvenz anmelden (wir berichteten).

<P>Nicht wegen Überschuldung oder Zahlungsunfähigkeit, wie die Insolvenzverwalterin Barbara Beutler betont. Zahlungsunfähigkeit droht lediglich, deshalb wurde das Verfahren in Gang gesetzt. Der Betrieb läuft weiter, die meisten Aufträge sind gesichert. Dennoch ist auch die erfahrene Insolvenzverwalterin nicht sicher, ob das Unternehmen zu retten ist. Für sie ein exemplarischer Fall, "wie es heutzutage am Bau aussieht".<BR><BR>Heribert Späth nimmt sich seit drei Jahren kein Gehalt. Im Gegenteil: 2001 hat er 500 000 Mark ins Unternehmen gesteckt, 2002 sogar 600 000 Euro und 2003 noch einmal 550 000 Euro. Doch das stoppte den Abwärtstrend nicht: 1998 hat Späth-Liebergesell 28 Millionen Euro umgesetzt, 2002 waren es 12 Millionen, 2003 noch 7,5.<BR><BR>Von 221 Mitarbeitern sind noch 64 im Unternehmen (die Filiale in Gera wurde 2001 dicht gemacht). Doch weiter fallen 280 000 Euro Fixkosten im Monat an. Mehr Personalabbau war auch aus Kostengründen nicht möglich. Und dann hat Späth etwas mitunter Teures: ein soziales Gewissen. 16 Beschäftigte an den Baustellen sind über 55 und zwei der Büro-Beschäftigten, zählt Späth auf. "Man kann nur hoffen dass man diese Leute unterbringt", sagt er. Am liebsten würde er sie selbst weiter beschäftigen.<BR><BR>"Ich habe noch nie so viel gearbeitet wie in den letzten drei Jahren", sagt Späth, der die Geschäfte schon an seinen Schwiegersohn übergeben hatte. Vor allem musste er zahlungsunwilligen Kunden hinterherlaufen. Auch der Freistaat Bayern hat sich ein schlechtes Zeugnis ausgestellt: Dieser wollte noch nach einem Jahr einen Frühzahler-Nachlass auf offene Rechnungen durchsetzen.<BR><BR>Insgesamt stehen 750 000 Euro an Zahlungen aus. Auch das "Bürgschaftsunwesen" macht Späth für die Krise verantwortlich. Kurz bevor Bürgschaften auslaufen, werden angebliche Schäden geltend gemacht. Statt des wohlverdienten Geldes folgen langwierige Verhandlungen.<BR><BR>Und dann ist da noch die Auftrags-Krise: Von 43 Angeboten über mehr als 20 Millionen Euro blieb im vierten Quartal 2003 ein Auftrag über 50 548 Euro hängen. Das führt zu Dumping-Bedingungen. "Ein Subunternehmen bot die Stunde für 15 Euro an. Ich weiß nicht, wie das geht", sagt Späth. Er kalkuliert die Stunde mit 35 Euro je Bauarbeiter, mit 45 Euro je Polier. Selbst der Mindestlohn beträgt 12,47 Euro. Der muss auch an polnische Helfer gezahlt werden.<BR><BR>Mehrfach wurde Heribert Späth angesprochen, ob er Hilfe braucht. Hilfe will er nicht, nur etwas, was jedes Unternehmen zum Überleben braucht: "gewinnbringende Aufträge".</P>

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