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Mallorca geht immer: Strandleben an der Playa de Palma in S'Arenal. Foto: Jens Kalaene

Spanien statt Türkei: Tui fürchtet Krise am Bosporus nicht

Terroranschläge in der Türkei, Nordafrika und Europa halten die Reisebranche in Atem. Kunden sind verunsichert, die Buchungen in deutschen Reisebüros brachen zuletzt kräftig ein. Doch Tui-Chef Fritz Joussen schwärmt von Chancen für spanische Hoteliers.

Hannover/Berlin (dpa) - Halbleere Hotels an der türkischen Riviera, dafür volle Häuser auf Mallorca: Was nach den Anschlägen in Istanbul für manchen Hotelier in der Türkei eine finanzielle Katastrophe bedeutet, bringt Tui-Chef Fritz Joussen nicht aus der Ruhe.

Die Kapazitäten in Spanien sind vollständig ausgelastet, jetzt zahlt sich unser integriertes Geschäftsmodell mit eigenen Hotels, Flugverbindungen und Vertriebskanälen voll aus", sagte der Vorstandschef des weltgrößten Reisekonzerns im Gespräch mit den Nachrichtenagenturen dpa und dpa-AFX. "Trotz der Herausforderungen wollen wir unseren operativen Gewinn in diesem Jahr um mindestens zehn Prozent steigern."

Tui ist mit eigenen Hotels auf dem spanischen Festland, den Kanaren und den Balearen stark vertreten. "Bei unseren Riu-Hotels war die Nachfrage im Winterhalbjahr so hoch, dass es keine Rabatte gab", sagte Joussen. "Die erzielten Preise lagen dadurch gegenüber dem Vorjahr um acht Prozent höher. Das wird sich im Sommer kaum ändern", zeigte er sich überzeugt.

Im Winter hatte Tui viele Gäste, die sonst in Ägypten oder in Tunesien Urlaub machen, etwa auf die Kanaren gebracht. "Wir haben auf den Flugzeugabsturz über dem Sinai direkt reagiert", sagte Joussen. Binnen 48 Stunden habe Tui die Flugpläne umgestellt und sich auf den Kanaren zusätzliche Hotelbetten gesichert. "Jeder Anschlag und jedes Schicksal macht traurig", sagte Joussen. Allerdings müsse Tui in solchen Situationen schnell entscheiden.

Inwieweit die Türkei den bisherigen Buchungseinbruch in diesem Jahr noch wettmachen kann, vermag Joussen nicht vorauszusagen. Die Kunden wüssten, dass sie auch noch kurzfristig ein Zimmer bekämen. "Die Türkei wird sehr wahrscheinlich das Last-Minute-Ziel in diesem Sommer." Bei Tui lägen die Türkei-Buchungen weiterhin rund 40 Prozent niedriger als vor einem Jahr. Nach zwei Millionen Türkei-Gästen im Vorjahr dürfte Tui dieses Mal nur rund eine Million in das Land bringen, schätzt Joussen.

Beim Trend zur Online-Reisebuchung hat Joussen wenig Hoffnung, dass die Deutschen bald zu den Skandinaviern und Briten aufschließen. "Die Deutschen sind bei Käufen im Internet noch zurückhaltender. Das betrifft nicht nur das Reisen." Unter den deutschen Tui-Pauschalurlaubern buchten nur 32 Prozent im Internet. Der Großteil recherchiere seine Reise online, gehe aber zum Abschluss ins Reisebüro.

Für die Briten könnten Urlaubsreisen ins Ausland nach der Brexit-Entscheidung zwar teurer werden, doch Joussen erwartet kaum, dass Tui dadurch nennenswert Kunden abhanden kommen: "Ob sich dadurch aber die Briten ihre sehr ausgeprägte Reiselust nehmen lassen, darf bezweifelt werden", sagte er.

In diesem und den kommenden beiden Geschäftsjahren (bis Ende September) will Joussen den um Sondereffekte bereinigten operativen Gewinn (Ebita) weiterhin um mindestens zehn Prozent steigern. Im Geschäftsjahr 2014/15 hatte Tui mit 1,1 Milliarden Euro erstmals die Milliardengrenze überschritten.

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