Spanien sucht Mittel gegen E.ON-Offerte

- Madrid - Die spanische Regierung sucht nach Mitteln, um eine Übernahme des Stromversorgers Endesa durch den deutschen Energieriesen E.ON zu verhindern. Wie am Donnerstag aus dem Industrieministerium verlautete, erwägt Madrid, die Befugnisse der Nationalen Energiekommission (CNE) zu erweitern. Dieses staatliche Aufsichtsgremium wacht über die Energieversorgung des Bevölkerung.

Es könnte nach Angaben des Rundfunks bei einem Ausbau seiner Befugnisse einer Übernahme von Endesa durch E.ON Steine in den Weg legen. Die Düsseldorfer hatten für Spanien größten Stromversorger Endesa 29,1 Milliarden Euro geboten. Bei einer Übernahme des Unternehmens stiege E.ON zum weltgrößten Energieversorger auf. Der spanische Ministerpräsident Jos Luis Rodr¢guez Zapatero hatte eine Übernahme abgelehnt. Er tritt dafür ein, dass Endesa in spanischer Hand bleibt. Von ihrem Veto-Recht will die Regierung aber keinen Gebrauch machen.

Der spanische Gasversorger Gas Natural gibt unterdessen den Kampf um Endesa nicht auf. Wie die Madrider Wirtschaftszeitung "Expansión" berichtete, sucht das in Barcelona ansässige Unternehmen nach Verbündeten, um seine erste Offerte für eine Übernahme von Endesa aufzustocken.

Die Katalanen wollten erreichen, dass die Hauptaktionäre von Gas Natural - die Sparkasse La Caixa und der Mineralölkonzern Repsol YPF - mehr Bargeld für den Kampf um Endesa aufbrächten. Gas Natural hatte 22,5 Milliarden Euro für Endesa geboten. Davon sollten nur 35 Prozent in Form von Bargeld entrichtet werden.

Der italienische Versorger ENEL bot an, Gas Natural bei einem möglichen Gegenangebot zu unterstützen. Der Hintergrund ist, dass Endesa in Italien stark vertreten ist und Enel bei einem Zusammengehen von Endesa und E.ON einen starken Konkurrenten auf heimischem Terrain bekäme. Gas Natural lehnte das Angebot jedoch ab und schloss eine Allianz mit den Italienern aus.

Endesa-Präsident Manuel Pizarro bestritt spanische Presseberichte, wonach er die E.ON-Offerte mit den Düsseldorfern abgesprochen haben soll. "Das E.ON-Angebot ist nicht feindlich, aber es ist auch nicht ausgehandelt", sagte er dem Radiosender Cadena SER. E.ON-Chef Wulf Bernotat habe ihn am selben Tag unterrichtet, an dem die Deutschen ihr Angebot vorgelegt hatten.

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