Streit um Unabhängigkeit

Spanier boykottieren katalanische Marken - doch damit schaden sie sich auch selbst

Im Streit um eine Unabhängigkeit Kataloniens ergreifen viele spanische Verbraucher Partei: Sie boykottieren seit Wochen katalanische Produkte. Doch der Schuss könnte nach hinten losgehen.

Im Streit um eine Unabhängigkeit Kataloniens ergreifen auch viele Verbraucher Partei: Spanische Konsumenten boykottieren seit Wochen schon katalanische Produkte, und katalanische Gruppen haben dazu aufgerufen, Unternehmen abzustrafen, die ihren Sitz aus Katalonien abgezogen haben. Appelle zur ökonomischen Vernunft verhallen weitgehend.

Betroffen sind etwa die Sektmarken Freixenet oder Rosell i Formosa. Einige Kunden hätten "sehr deutlich gemacht", dass sie ihren Sekt aus politischen Gründen nicht mehr bei Rosell i Formosa kaufen, wie Managerin Rosa Rebula der Nachrichtenagentur AFP sagte. Wie stark sich solche Boykott-Aktionen tatsächlich auswirken, kann die Sektkellerei aber erst im November angeben, dem umsatzstärksten Monat vor dem Weihnachtsfest.

Schon 2004 hatten viele Spanier zum Boykott katalanischer Produkte aufgerufen, weil ein katalanischer Politiker sich damals gegen die Ausrichtung der Olympischen Spiele 2012 in Madrid ausgesprochen hatte. Diese Kampagne sei "sehr hart" gewesen, erzählte Rebula - die Firma habe viele Kunden, die sie damals verlor, niemals zurückgewinnen können. "Auch diesmal können die Folgen erheblich sein."

Zu den Produkten auf den Boykottlisten spanischer Verbraucher stehen auch die Trinkwassermarke Font Vella, die Biermarke Estrella Damm oder die Volkswagentochter Seat mit Sitz in der Nähe Barcelonas. Auch multinationale Konzerne wie Nestlé oder Unilever mit Werken in Katalonien stehen auf den Listen, die den Verbrauchern per Smartphone-App zur Verfügung stehen.

Schon warnten erste Unternehmensvertreter vor den Folgen: "Jedes Mal, wenn wir ein katalanisches Produkt boykottieren, dann schießen wir uns selbst ins Knie", sagte vor wenigen Tagen Francisco Javier Peinado vom Unternehmerverband Extremadura, einer Region an der Grenze zu Portugal. Das Glas für die Sektflaschen aus Katalonien komme aus der nordspanischen Provinz León und die Korken aus Extremadura.

Auch die spanische Gewerkschaft CCOO nannte den Boykott "lächerlich und kontraproduktiv". Er könne Arbeitsplätze vernichten. Und der ehemalige Europa-Abgeordnete Josep Borrell erklärte vor einigen Tagen: "Die Leute, die ruiniert sein werden, werden noch stärker gegen Spanien sein."

Eine ungewöhnliche Form des Protests wählten kürzlich die Katalanen: Sie hoben alle gleichzeitig Geld ab, und zwar jeweils denselben Betrag. 

afp

Rubriklistenbild: © dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Ehemaliger HRE-Chef Funke ist tot
Georg Funke stand zuletzt 2017 im Fokus von Justiz und Medien. Dem Bankmanager wurde der Prozess wegen des spektakulären Zusammenbruchs der HRE-Gruppe gemacht. Nun wurde …
Ehemaliger HRE-Chef Funke ist tot
Deutscher Aktienmarkt schüttelt schwachen Wochenauftakt ab
Frankfurt/Main (dpa) - Der deutsche Aktienmarkt hat sich von seinem schwachen Wochenauftakt erholt. Ein Schlussspurt brachte den Dax gegen Handelsende mit 11.495,69 …
Deutscher Aktienmarkt schüttelt schwachen Wochenauftakt ab
Verdi: Weg frei für ersten Tarifvertrag mit Ryanair
Nach mehreren Streiks könnte der erste Tarifvertrag für die Flugbegleiter von Ryanair in Deutschland bald Realität sein. Dagegen ist eine Lösung bei den Piloten noch …
Verdi: Weg frei für ersten Tarifvertrag mit Ryanair
Aldi-Rückruf: Glassplitter in Aktionsartikel gefunden
Aldi Nord ruft ein bestimmtes Produkt zurück, das möglicherweise Glassplitter enthalten könnte. Der Aktionsartikel wurde nur in bestimmten Filialen verkauft.
Aldi-Rückruf: Glassplitter in Aktionsartikel gefunden

Kommentare