Spannendes Finale im Streit um Sportwetten

- München - Die Herren Richter widmen sich dem Zocken. Um Sportwetten, Quoten, Lizenzen und Millionen geht es diese Woche vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) - und um ein kleines Erdbeben für die Branche. Das Urteil am Donnerstag könnte die Strukturen bei den Sportwetten aufbrechen.

<P>Der Fall begann in Italien, wo Piergiorgio Gambelli gegen ein Wett-Gesetz verstieß. Tippen lassen dürfen nur der Staat und Unternehmen mit Konzession. Gambelli sammelte trotzdem Wetten und leitete sie an einen englischen Buchmacher weiter - ein Fall fürs Gericht. Das Tribunal Ascoli Piceno jedoch war ratlos - Gambelli argumentiert, das Gesetz verstoße gegen das EU-Recht der Niederlassungsfreiheit und des freien Dienstleistungsverkehrs.</P><P>Seither brütet der EuGH über dem Zocken. Die Branche ist alarmiert. Der staatliche Anbieter Oddset nämlich kämpft gegen sinkende Umsätze und die private, zum Teil illegale Konkurrenz. Müsste der Markt weiter international geöffnet werden, droht finanziell ein Rückschlag. "Sehr viele in- und ausländische Firmen würden sich hier niederlassen", prophezeit ein Kenner. Wer in einem EU-Land eine Konzession hält, dürfte womöglich ohne Einschränkungen EU-weit Wetten anbieten.</P><P>Jene Buchmacher, die bisher halblegal auftreten, sehnen solche Urteile herbei: Es könne ja nicht sein, "dass die Sportwetten kriminalisiert werden", sagt einer der Großen der Branche. Auch der unparteiliche Generalanwalt schlägt dem hohen Gericht vor, gegen die italienische Regelung zu urteilen. "Eine solche Entscheidung hätte Bindewirkung für alle Mitgliedsstaaten", heißt es beim EuGH.</P><P>Die staatliche Lotterieverwaltung in Bayern rechnet mit einem solchen Urteil nicht. "Bisher urteilt der EuGH, dass Sportwetten eine Sache der Mitgliedsstaaten sind", sagt Präsident Erwin Horak: "Wir sind zuversichtlich, dass das so bleibt." Der Fall Gambelli sei mit der deutschen Gesetzeslage nicht direkt vergleichbar.</P>

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