Mit Spannung, Spaß und Strategie

- Brettspiele sind eine der letzten florierenden Domänen der hiesigen Spielwarenbranche. Vor allem mit Gesellschaftsspielen zielen die Hersteller verstärkt auf erwachsene Kunden, weil die Zahl der Geburten hierzulande rückläufig ist. Bei im Schnitt gut 300 Neuheiten jährlich wird die Wahl leicht zur Qual. Wir stellen einige interessante Spiele vor.

Verlage und Marken wie Kosmos, Hans im Glück oder Alea genießen beim Publikum weltweit einen Ruf wie in der Autoindustrie Mercedes, BMW und Audi. Eine Auswahl ihrer Produkte:

Notre Dame

Viel Lob erntet dieses Jahr vor allem von versierten Zockern "Notre Dame". Aufgabe ist, im Paris des 14. Jahrhunderts zu Prestige und Ansehen zu kommen. Jeder mitspielende Bürger ist für ein Stadtviertel verantwortlich und punktet dort mittels Bank, Krankenhaus oder anderen Errungenschaften der Zivilisation. Durch Karten und Setzsteine kann man an vielen, aber nicht allen Fronten aktiv werden, was einen Zustand stetigen Mangels auslöst. Entweder fehlt Geld, um einen Bürger zu bestechen, eine Rattenplage nimmt überhand oder es herrscht Notstand anderswo im Viertel. Verständliche Regeln und Dauerspannung sorgen trotz Anspruch für ein relativ breites, wenn auch eher erwachsenes Zielpublikum. Eine gute Stunde Zeit sollte man pro Partie haben.

Pentago

In die Kategorie schnelles, abstraktes Zwei-Personen-Spiel fällt "Pentago". Spielprinzip und -ziel klingen vertraut. Fünf Kugeln gleicher Farbe sollen durch Setzen in Mulden in eine Reihe oder Diagonale gebracht werden. Die Innovation ist das Spielbrett, dessen Viertel einzeln gedreht werden können. Eine solche Drehung um 90 Grad ist nach jedem Setzen Pflicht. Wer die Folgen solcher Drehungen im Kopf vorhersehen kann, hat gute Chancen auf den Sieg. Das Material wirkt ästhetisch, obwohl es aus Plastik ist. Wenige Minuten Spieldauer und ganze 16 Zeilen Regeln machen Pentago erfrischend kurzweilig und dennoch zur idealen Spielwiese für Grübler.

Oregon

Der Wilde Westen in seiner gewaltfreien Variante lockt beim Familienspiel "Oregon". Pioniere besiedeln hier mit ihren Farmern das Spielbrett. Sie errichten Stationen für Post und Eisenbahn, Kirchen und andere Bauten oder schürfen in Goldminen und Kohlegruben. Glück spielt dabei wie anno 1846 in Oregon fraglos eine große Rolle. Voraussetzung ist aber, dass man das Glück vor seinen Augen, sprich eine punktträchtige Position auf dem Spielplan, auch erkennt. Sonst nutzen beste Karten in der Weite des Westens nichts. Gesiedelt wird etwa 45 Minuten.

Burg Appenzell

Die alte Kernzielgruppe der Branche steht im Zentrum von "Burg Appenzell". Es ist jene seltene Art von kindgerechtem Spiel, die auch Erwachsene nicht langweilt. Es mischt dezent taktische und Memory-Elemente zu etwas Neuem. Ziel ist es, mit Mäusefiguren je nach gewünschter Spieldauer vier bis sechs verschiedene Sorten Käse im Gemäuer aufzustöbern. Was wo liegt, wird oft nur kurz sichtbar, wenn man die Dachplatten der Burg anheben darf. Meistens werden Zimmer und Gänge sowie deren Inhalt wieder verdeckt. Ein gutes Gedächtnis allein reicht aber nicht, weil man Spielplanelemente und damit Käsestücke im Verborgenen verschieben kann. Dazu kommen Falltüren in die Verliese, was zusätzlich für Stimmung sorgt.

Jenseits von Theben

Noch mehr Atmosphäre birgt "Jenseits von Theben". Wohnzimmer-Archäologen weilen hier an antiken Grabungsstätten zwischen Griechenland und Mesopotamien. In Metropolen wie Berlin oder London sammeln sie Gerüchte, Wissen oder Gehilfen.

Das Spiel ist alles andere als eine staubtrockene Angelegenheit. Zu Höhepunkten kommt es, wenn Schliemanns Erben in Stoffsäckchen greifen, die Grabungsfelder repräsentieren, und dabei entweder leere, wertlose Chips ziehen oder solche mit antiken Fundstücken und Siegpunkten. Durch gute Vorbereitung lässt sich das Glück in Maßen zwingen. Die etwa eine Stunde Spieldauer vergeht im Flug.

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