Serie zum Jahreswechsel: So sparen Sie noch vor Silvester Steuern

München - Es sind nur noch wenige Wochen bis Jahresultimo. Zeit also, Geldangelegenheiten anzugehen, die noch 2011 erledigt werden sollten. Wer jetzt handelt, der kann Hunderte Euro sparen.

Außergewöhnliches

Steuerzahler, die 2011 außergewöhnliche Aufwendungen hatten, etwa für einen Arzt oder ein Krankenhaus, eine Scheidung oder eine Beerdigung, können einen Teil davon als außergewöhnliche Belastung vom steuerpflichtigen Einkommen herunterrechnen (siehe Tabelle). Da vom Gesamtaufwand zuvor eine „zumutbare Belastung“ abgezogen wird, lohnt es sich, solche Ausgaben zu bündeln: Je mehr „Außergewöhnliches“ in einem Kalenderjahr angefallen ist, desto eher wird die Zumutbarkeitsgrenze überschritten. Beispiel: Im Frühjahr 2012 ist eine größere Summe für einen neuen Zahnersatz zu bezahlen. Wird noch in 2011 eine Vorauszahlung darauf geleistet, so könnten die Grenzen der Zumutbarkeit überwunden – und Steuern gespart werden, wenn in diesem Jahr noch andere außergewöhnliche Belastungen angefallen sind, zum Beispiel der Kauf einer Brille. Bei Bezahlung der Zahnersatzrechnung allein in 2012 kann es sein, dass in beiden Jahren der steuerrelevante Aufwand sich in Grenzen hält – mit der Folge, dass weder in 2011 noch in 2012 Geld dafür vom Fiskus zurückfließt.

Autounfall

Wer 2011 einen selbst verschuldeten Unfall mit geringem Schaden (bis 500 Euro) von seiner Kfz-Haftpflichtversicherung hat regulieren lassen, der kann das Geld zurückzahlen. Das rettet den Schadenfreiheitsrabatt (falls er sich verschlechtert haben sollte, was nicht bei allen Gesellschaften der Fall ist – Stichwort Rabattretter). Umgekehrt kann ein der Versicherung nicht gemeldeter Unfall noch bis Ende Dezember 2011 nachgemeldet werden. Das kann zwar eine Rückstufung beim Schadenfreiheitsrabatt zur Folge haben – aber unterm Strich von Vorteil sein. Kundenorientierte Versicherer teilen ihren Kunden mit, ob es sich lohnt, den Schaden selbst zu regulieren oder von der Assekuranz bezahlen zu lassen.

Bausparen

Wer ein Bausparkonto und Anspruch auf die Wohnungsbauprämie hat, der sollte für 2011 den höchstmöglichen Betrag darauf einzahlen: 512/1024 Euro (alleinstehend/verheiratet). Dann gibt’s die maximale Prämie von rund 45/90 Euro. Die maßgebende Einkommensgrenze beträgt 25 600/51 200 Euro pro Jahr. Höhere Beträge – sowohl das Einkommen als auch die staatliche Arbeitnehmer-Sparzulage betreffend – gelten für vermögenswirksame Leistungen in Investmentfonds, etwa Aktienfonds oder Rentenfonds. Für vermögenswirksame Leistungen steuert der Staat bis zu 43 Euro pro Jahr an Arbeitnehmer-Sparzulage zu, wenn 2011 bis zu 470 Euro zum Beispiel auf einen Bausparvertrag eingezahlt oder in einen Investmentfonds investiert worden sind. Es spielt keine Rolle, ob die 470 Euro allein vom Arbeitgeber oder auch vom Arbeitnehmer eingezahlt wurden.

Betriebsausgaben

Betriebsinhaber drücken ihre steuerwirksamen Einnahmen 2011 nur mit betrieblichen Ausgaben im selben Jahr. Ausnahmen gelten für regelmäßige Leistungen wie Mieten und Zinsen, die zum Jahresanfang fällig werden. Betrieblich genutzte „geringwertige Wirtschaftsgüter“ können wieder bis zu 410 Euro netto sofort abgeschrieben werden – allerdings nur, wenn sie selbstständig nutzbar sind, etwa ein Drucker.

Betriebskosten

Vermieter haben die Betriebskosten für ihre Wohnungen spätestens zwölf Monate nach dem letzten Abrechnungszeitraum mit den Mietern abzurechnen. Geschieht das später, so dürfen Nachzahlungen im Regelfall nicht mehr verlangt werden. Ist der Abrechnungszeitraum das Kalenderjahr, so muss die Abrechnung für 2010 bis Silvester 2011 bei den Mietern eingehen, sollen noch Nachberechnungen möglich sein. Bei späterem Eingang muss aber ein errechnetes Guthaben noch an den Mieter überwiesen werden.

Handwerker

Aufwand für den Handwerker in den eigenen vier Wänden kann im Jahr 2011 bis zu 1200 Euro zu einer Steuerrückzahlung führen. Und zwar wird die maßgebende Summe unmittelbar von der Steuerschuld abgezogen – also nicht nur vom steuerpflichtigen Einkommen, was nur entsprechend dem persönlichen Steuersatz zu einer Steuerermäßigung führen würde. Maßgebend sind die Lohn- und Anfahrt-, nicht die Materialkosten. Voraussetzung für den Ansatz des höchstmöglichen Betrages sind Kosten von mindestens 6000 Euro (20 % davon ergeben 1200 Euro). Handwerker modernisieren zum Beispiel Bäder oder tauschen Fenster aus. Wer in diesem Jahr ein größeres Werk in Auftrag gegeben hat oder noch gibt, wodurch die 6000-Euro-Grenze für Lohn und Fahrkosten überschritten wird, der könnte mit dem Handwerker vereinbaren, dass bis Ende Dezember nur 6000 Euro überwiesen werden (womit ja der Höchstbetrag erreicht ist) und der Rest Anfang 2012, wenn der 1200-Euro-Abzugsbetrag neu voll zur Verfügung steht. In jedem Fall gilt: Nur unbare Zahlung spart Steuern!

Wolfgang Büser

Rubriklistenbild: © dpa

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