So sparen Sie richtig für den Nachwuchs

München - Die Zinsen auf dem Sparbuch sind niedrig, die Börsen fahren Achterbahn: Wie also legt man Geld für den Nachwuchs sicher und lukrativ an? Was es zu beachten gilt, zeigt unser Überblick.

Wer Geld für seine Kinder anlegt, hat einen großen Vorteil: die lange Zeitspanne. Denn bis zum Führerschein oder Studiumbeginn bleiben meist viele Jahre, in denen das Geld arbeiten kann. Ein Beispiel: Wer für seinen dreijährigen Sohn jeden Monat 50 Euro zurücklegt (Rendite 3,5 Prozent), kann ihm zum 18. Geburtstag 11 814 Euro überreichen – also fast 3000 Euro mehr als eingezahlt.

Familien-Absicherung

Bevor Eltern allerdings fleißig für den Nachwuchs sparen, sollten sie zunächst die eigene Altersvorsorge prüfen. „Zunächst muss der Hauptverdiener vernünftig abgesichert werden“, betont Honorarberaterin Stefanie Kühn aus Grafing bei München. Dazu gehört für die Expertin eine Berufsunfähigkeitsversicherung und eine Risikolebensversicherung. Beim Extra-Sparen sollten die Eltern auch die Haushaltskasse nicht überstrapazieren, warnt Susanne Götz, Finanzexpertin bei der Verbraucherzentrale Bayern. Es mache keinen Sinn, Geld zu sparen, das gleich beim nächsten Schuhkauf benötigt werde.

Eltern außen vor

Um Kapitalertragssteuer zu sparen, überlegen viele, ob sie das Konto nicht auf den Namen des Kindes eröffnen. Experten raten allerdings ab: „Wenn das Konto auf den Namen des Kindes läuft, dann kann es mit 18 Jahren damit machen, was es will. Also vielleicht auch das größere Auto kaufen, statt die Ausbildung zu finanzieren“, warnt Kühn. Finanzexpertin Götz verweist auf ein weiteres Problem: Geld, das auf den Namen des Kindes angelegt sei, dürften die Eltern nicht einfach abheben. „Schließlich ist es Eigentum des Kindes.“

Ausbildungspolice

Ein Rundum-Sorglos-Paket – sie haben meist blumige Namen wie „Biene-Maja-Sparen“ – bieten viele Banken an. Oft handelt es sich dabei um eine sogenannte Ausbildungsversicherung. Der Nachteil: „Die Kosten sind zu hoch und die Produkte unflexibel“, sagt Honorarberaterin Kühn. Ihre klare Empfehlung: „Finger weg!“

Fondssparen

Statt Geld in ein teures Versicherungspaket zu stecken, sollten Eltern, Großeltern oder Tanten besser in einen Fondssparplan investieren, so das einhellige Expertenurteil. Hier wird in regelmäßigen Abständen – meist monatlich – eine kleinere Summe eingezahlt. Dies hat für den Sparer den Vorteil, dass er bei niedrigen Kursen mehr Fondsanteile bekommt. Schlechte Börsenphasen wirken sich dadurch weit weniger negativ aus, als wenn einmalig eine größere Summe in einen Fonds investiert wird.

„Bei einer Anlage über zehn oder 15 Jahre ist ein Fondssparplan trotz derzeitiger Krise durchaus zu empfehlen“, sagt Kühn. „Man muss allerdings mit den Schwankungen an der Börse leben können.“ Ähnlich argumentiert Finanztest-Expertin Susanne Meunier. Wem Aktien zu risikoreich seien, der könne die Anlagesumme splitten: „Die eine Hälfte auf ein Tagesgeldkonto, die andere Hälfte in Fonds“, empfiehlt Meunier.

Bei der Fondsauswahl würde Kühn einen weltweiten Aktienfonds oder einen Mischfonds wählen. „Wichtig ist, dass man regelmäßig prüft, gehört mein Fonds noch zu den Top-Produkten. Ist dies nicht mehr der Fall, sollte man unbedingt wechseln.“ Um Kosten zu sparen, sei es ratsam, den Sparplan bei einer Direktbank abzuschließen. „Die verlangen bei vielen Fonds keine Ausgabeaufschläge.“

Entscheidend beim Fondssparen ist der richtige Ausstiegszeitpunkt. Brechen beispielsweise kurz vor dem 18. Geburtstag die Börsen ein, ist der Führerschein womöglich gefährdet. Kühn rät daher, Gewinne zwischendurch mitzunehmen. „Zwei bis drei Jahre, bevor man das Geld benötigt, sollte man mit dem Umschichten in sichere Anlagen starten“, sagt Meunier.

Sparbuch

Sparbücher sind gerade bei Großeltern und Tanten immer noch beliebt. Aufgrund der niedrigen Zinsen gelten sie als wenig lukrative Geldanlage. Für Kühn haben Sparbücher dennoch einen positiven Effekt: „Damit können Kinder den Umgang mit Geld lernen und Taschengeld sparen.“

Festgeld

Etwas mehr Zinsen bietet Festgeld. Allerdings muss sich der Sparer meist für Jahre festlegen. „Aufgrund des derzeit niedrigen Zinsniveaus würde ich mich nicht zu lange binden“, betont Kühn. Sie empfiehlt daher unterschiedliche Festgeldkonten mit verschiedenen Laufzeiten.

Gold

Auch Goldmünzen hält Kühn für eine gute Investition. „Sie ersetzen natürlich keinen Fondssparplan. Aber als Geschenk – warum nicht? Dann haben die Kinder etwas in der Hand und bekommen eine Vorstellung vom Wert der Anlage“, sagt Kühn. Auf jeden Fall sollten nur Standardmünzen und keine Sammlerstücke gekauft werden.

Bundeswertpapiere

Die vom Bund herausgegebenen Wertpapiere sind wohl die sicherste Geldanlage. Allerdings bieten Bundesschatzbriefe derzeit keine attraktive Verzinsung. „Als Anlage für den Nachwuchs sind Bundeswertpapiere daher nicht zu empfehlen“, urteilt Finanzexpertin Götz.

Fazit

Für welche Anlage sich Eltern oder Großeltern auch entscheiden – jede Sparvariante sollte regelmäßig geprüft werden. „Die Anlage, die man heute abschließt und dann über zehn oder 15 Jahre unverändert läuft, gibt es nicht mehr“, sagt Kühn.

Steffen Habit

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