Sparen und Wetten zur WM: Rendite-Volltreffer sind extrem rar

- Geld sparen gepaart mit ein wenig Nervenkitzel beim Glücksspiel sowie vielleicht noch eine kleine Spende für die Armen der Welt - solche Anlage-Kombinationen kommen bei den Sparern offenbar gut an. Die unterschiedlichsten Mixturen aus Sparen, Zocken und/oder Gutes tun liegen nach Beobachtungen von Verbraucherschützern im Trend. "Ich fürchte, vielen Leute kommen solche Kombi-Produkte entgegen", meint Sylvia Beckerle, Finanzfachfrau der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz.

Zur Fußball-Weltmeisterschaft im Frühsommer dürften die Geldinstitute den Markt mit neuen Modellen aus Sparen und Wetten noch weiter anheizen, ist Andrea Hoffmann, Finanzexpertin der Verbraucherzentrale Sachsen, überzeugt. Nur: Rendite-Volltreffer sind damit kaum zu erzielen. Die Verzinsung ist meist recht mager, die Aussicht auf den großen Lotteriegewinn gering. Deshalb raten die Experten: Vermögensaufbau von Spenden und Glücksspiel immer trennen. Sonst ist eher die Bank im Vorteil, nicht der Kunde.

Bei aller Werbung um die "Rendite für den guten Zweck" oder mögliche Traumgewinne geht häufig das unter, was jeden Sparer in erster Linie interessieren sollte: Sein eigener Vorteil bei der Geldanlage. "Was für den Sparer an Zinsen rausspringt, davon ist nur selten klar die Rede", kritisiert Beckerle. Den Zinssatz erfährt man oft nur dann, wenn man im Kleingedruckten nachforscht. Oder gezielt am Schalter nachfragt. "Die wenigsten Leute machen sich aber die Mühe", weiß die Mainzer Finanzexpertin. Genau damit rechneten die Marketingstrategen der Geldinstitute.

Es gibt aber auch Ausnahmen am Markt: Beim Spenden-Sparen einer Bank zugunsten der Deutschen Kinderkrebshilfe beispielsweise wird der Zinssatz für eine Festanlage sofort offen gelegt. Grundsätzlich warnt Beckerle jedoch: "Nicht blenden lassen, umsonst gibt es keine Gewinne."

Nach Ansicht der Verbraucherschützerin werden bei den Glücksspiel-Modellen "Dinge vermischt, die nicht zusammenpassen". Viele Angebote seien undurchsichtig. Noch kritischer fällt das Urteil des Hamburger Uni-Professors Michael Adams aus. Der Leiter des Instituts für Wirtschaftsrecht kam vor Jahren bereits zu dem Schluss, dass Gewinn- und Lotteriesparsysteme der "Verkauf von Hoffnung" seien, eine Art "Jagd auf die Sparpfennige der Armen". Viele Kunden würden "zu Verträgen veranlasst, die sie bei Kenntnis der Sachlage nicht abgeschlossen hätten". Den Spielern werde "nicht nur wenig für ihr Geld gegeben, sondern sogar noch etwas von diesem genommen".

"Die Leute sollten sich entscheiden zwischen Sparen, Spenden oder Spielen", rät Hoffmann. Die Finger lassen solle man auch von Spar-Wett-Modellen nach dem Motto: Je mehr Tore die Fußballer schießen, desto höher fällt der Zins aus. "So was gab's schon letztes Jahr zum Confederations Cup, so was wird in den nächsten Monaten zur WM wieder kommen", meint die Verbraucherschützerin. Ihr Fazit: Rote Karte für diese Bankangebote. Nur mit Riesenglück sind dabei attraktive Zinsen drin. Wer zielgerichtet Vermögen bilden will, dem stehen lukrativere Anlagemöglichkeiten offen, ist Beckerle überzeugt. Spenden könne man jeweils extra. Und für den Glücksspiel-Kick gibt es auch genügend Lotterien.

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