Studie

Sparkassen, Volksbanken, Commerzbank & Co.: Zehntausende Bankfilialen vor dem Aus

  • Markus Hofstetter
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Ein Studie sagt ein allmähliches Aussterben der Bankfiliale voraus. Allein bis 2023 könnten 40 Prozent aller Geschäftsstellen in Europa schließen.

München - Mitarbeitern und Kunden europäischer Banken stehen vor drastischen Einschnitten. Laut einer Studie der Unternehmensberatung PwC Strategy& könnten Privatbanken bis 2023 bis zu 40 Prozent ihrer Filialen schließen. Konkret würde dies das Aus für 36.000 der knapp 60 000 Geschäftsstellen in Europa bedeuten.

Die am Dienstag, dem 8. Juni, erschienene PwC-Analyse des Bankensektors sieht die Banken in einer schwierigen Lage. Die Corona-Pandemie hat das Problem der seit Jahren sinkenden Gewinne weiter verschärft. Demnach ist der Durchschnittsgewinn pro Kunde 2020 um acht Prozent auf 193 Euro gesunken.

Bankfiliale vom allmählichen Aussterben bedroht: deutschen Banken stehen schlechter als der Durchschnitt da

Vor allem in Deutschland steht es schlecht. Hierzulande brachte ein Kunde den Banken im Schnitt einen Gewinn von nur 172 Euro ein. In Österreich waren es 208 Euro, in der Schweiz sogar 444 Euro. Laut Studienautor Andreas Pratz werden in diesen Ländern höhere Bankgebühren erhoben oder Gehaltskonten besser mit anderen Angeboten wie Baufinanzierungen verknüpft. Doch auch innerhalb Deutschlands gibt es starke Unterschiede. So schaffen es Volksbanken und Sparkassen, höhere Erträge als die Filialen von privaten Geschäftsbanken zu erzielen. 

Der Bankensektor leidet auch unter einem Umsatzschwund. Ursachen sind laut Studie die gesunkene Zahl internationaler Transaktionen und Kreditkartenzahlungen sowie weniger Nachfrage bei Verbraucherkrediten. Doch dies scheint kein generelles Problem zu sein, denn immerhin rund ein Viertel der Banken hat es geschafft, die Erlöse zu steigern.

Bankfiliale vom allmählichen Aussterben bedroht: Vertriebswege werden angepasst

Die daraus resultierenden sinkenden Margen verstärken nach Einschätzung der Unternehmensberater den Kostendruck auf die Banken ganz erheblich. Sie verweisen auf die bereits angekündigten umfangreichen Stellenstreichungsprogramme vieler Großbanken von der Deutschen Bank, über die Commerzbank bis zur französischen Societé Generale. Damit einher geht die Schließung vieler Filialen.

Mit dem schrumpfenden Filialnetz ändern sich auch die Vertriebswege der Banken. „Anstatt durch die besten Standorte möglichst viele Kunden in die Filialen zu locken, werden zukünftig durch gezieltes Onlinemarketing Kundenkontakte gewonnen“, sagte Pratz laut Mitteilung.

In der Analyse wurden rund 50 Privatkundenbanken und Bankengruppen mit insgesamt 690 Millionen Kunden sowie geschätzten Privatkundeneinlagen und Kreditvolumina in Höhe von 18 Billionen Euro betrachtet. Einbezogen wurden Banken aus 15 Ländern in Europa sowie zu Vergleichszwecken auch in Nordamerika und Australien.

   

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