Sparkassen: Gnadenlose Auslese

- München - Bayerns Sparkassen sehen sich einem heftigen Wettbewerb ausgesetzt. "Wir stehen vor einem gnadenlosen Ausleseprozess", sagte Siegfried Naser, Präsident des Sparkassenverbandes Bayern. In Deutschland drücke alles rein, von der Hongkong Shanghai Bank bis zur Citibank. Dabei könne er sich weitere Übernahmen à` la HypoVereinsbank vorstellen. Ein Aufweichen des Sparkassensektors fürchtet Naser aber nicht: "Der Freistaat Bayern und unsere kommunalen Träger bekennen sich unverändert und eindeutig zur öffentlichen Kreditwirtschaft."

Die Sparkassen würden ihre Ertragskraft weiter stärken und Einsparpotenziale in allen Bereichen prüfen. Die Eigenkapitalrendite lag im vergangenen Jahr bei 9,4 Prozent. Langfristiges Ziel seien 15 Prozent. Wichtiger jedoch als dieses Ziel sei, die Eigenkapitalbasis für schlechte Zeiten zu verbreitern.

Durch Fusionen verringerte sich 2005 die Zahl selbstständiger Sparkassen in Bayern um fünf auf 77. Dadurch stieg die durchschnittliche Bilanzsumme auf 1,986 Milliarden Euro. Insbesondere in Unterfranken werden Gespräche über weitere Zusammenschlüsse geführt, sagte Vizepräsident Rudolf Faltermeier. Der Verband berate dabei, ergreife aber nicht die Initiative. 48 522 Menschen beschäftigten die bayerischen Sparkassen per 31. Dezember 2005; das sind 818 weniger als ein Jahr zuvor. Die Zahl der Geschäftsstellen sank von 2672 auf 2621. Im Gegenzug stieg die Zahl der Selbstbedienungsstellen und der Online-Kunden. Das flächendeckende Filialnetz bleibe aber bestehen. "Wir sehen ganz klar: Dort wo Geschäftsstellen geschlossen werden, verlassen Kunden die Sparkassen", sagte Naser.

Nachteile ergäben sich besonders im Vergleich zu Wettbewerbern im nahen Österreich. Auch die Sparkassen erlebten einen "dramatischen Kapitalabfluss von legalem Geld nach Österreich". Die deutsche Politik schädige mit ihren "Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen für österreichische und schweizerische Banken" die heimische Finanzwirtschaft.

Der Sparkassenverband ist sich mit dem Genossenschaftsverband Bayern und dem Bayerischen Bankenverband einig, dass die Deregulierung in Deutschland vorangetrieben werden müsse. Beispiele der Überreglementierung seien die "sehr umfangreiche" Anti-Geldwäsche-Verlautbarung sowie die weit mehr als 100 ergänzenden Einzelschreiben zur Auslegung des Geldwäschegesetzes. Faltermeier forderte, die Routine-Sonderprüfungen abzuschaffen: "Dabei kommt es regelmäßig zu Doppelprüfungen, das heißt, von der Bafin wird die Prüfung von Kreditengagements angeordnet, die bereits bei der Jahresabschlussprüfung geprüft wurden."

Bayerns Sparkassen verdienten vor Steuern 2005 etwa so viel wie im Vorjahr. Aufgrund der reduzierten Risikovorsorge stieg der Jahresüberschuss um 35,7 Prozent auf 347,4 Millionen Euro. Für heuer ist der Verband trotz des intensiven Wettbewerbsdrucks "verhalten optimistisch".

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