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Bei dieser Sparkasse wird es auch für Bestandskunden richtig teuer

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Zwölf der 25 größten Sparkassen verlangen inzwischen Verwahrentgelte - in Leipzig ab September auch von Bestandskunden.
Zwölf der 25 größten Sparkassen verlangen inzwischen Verwahrentgelte - in Leipzig ab September auch von Bestandskunden. © Soeren Stache/dpa

Wie das Beispiel einer Sparkasse zeigt, wird es inzwischen richtig teuer, wenn Kunden Geld auf dem Konto parken. Ein Gericht erklärte die Praxis erst kürzlich für zulässig.

Leipzig - Immer mehr Banken verlangen Gebühren, wenn der Kunde sein Geld auf dem Konto parkt. Auch Sparkassen* folgen dem Trend. Seit April sind insbesondere Kunden der Sparkasse Leipzig betroffen. Wer als Neukunde mehr als 50.000 Euro auf dem Konto liegen hat, zahlt Negativzinsen. Ab September dieses Jahres droht das auch der Bestandskundschaft.

Wie der MDR die Sparkasse Leipzig-Sprecherin Barbara Bauer zitiert, gebe es "Gesprächsbedarf". Wer dort Kunde ist und mehr als 50.000 Euro sein Eigen nennt, wird bald Post bekommen. Darin werden die Einleger aufgefordert, einer Vereinbarung zum Verwahrentgelt zuzustimmen - also den Strafzinsen.

Sparkasse Leipzig: 0,5 Prozent Negativzinsen auf Guthaben

Aktuell berechnet die Sparkasse jährlich -0,5 Prozent Zinsen. Bei einem Gesamtguthaben von 100.000 Euro werden jährlich also 250 Euro fällig. Dazu soll es laut Sprecherin Bauer aber gar nicht erst kommen. Insgesamt betroffen sind nach Angaben des Geldinstitutes zwei Prozent der Privatkundschaft.

Um Verwahrentgelte nicht zahlen zu müssen, "werden wir Möglichkeiten aufzeigen, wie sie ihr Geld anlegen können." so Bauer. "Ziel ist es natürlich, die Abbuchung von Verwahrentgelten für die betroffene Kundengruppe zu vermeiden." Es sei weder im Sinne der Bank noch in dem des Kunden, wenn Geld auf dem Girokonto geparkt werde und keinen Ertrag bringe.

Sparkasse: Bargeldeinlagen der Kunden ein Problem

Welche Gefahr dieses Vorgehen für Kunden birgt, erklärt Ralph Wefer, Finanzexperte beim Vergleichsportal Verivox. Er empfiehlt, bei den Gesprächen wachsam zu sein. Zwar sei es grundsätzlich eine gute Idee, nach alternativen Anlagemöglichkeiten zu suchen, die Banken würden allerdings häufig ihre eigenen Produkte empfehlen. „Da nutzt man die Negativzinsen unter Umständen als Vehikel, um weiter Geschäfte zu machen“, so Wefer.

Die Sparkasse in Leipzig ist dabei nicht alleine. Laut MDR verlangen von den 25 größten Sparkassen inzwischen zwölf ein Verwahrentgelt. Problematisch für die Banken ist dabei die Anhäufung von Bargeld ihrer Kunden. Das führe zu "einer Einlagenflut und verursacht für unser Haus immer höhere Kosten bei der Europäischen Zentralbank (EZB)", so Sprecherin Bauer. Diese Kosten gelte es zu begrenzen, wenn man wirtschaftlich handeln wolle.

Verbraucherzentrale: Negativzinsen sind unzulässig

Die Verbraucherzentrale Sachsen hält dieses Argument allerdings für vorgeschoben. Eine Sprecherin verweist auf die großen Freibeträge bei der EZB und unterstellt den Banken, nicht öffentlich zu machen, ob sie überhaubt Negativzinsen an die Zentralbank zahlen müssen. Negativzinsen hält sie laut MDR für unzulässig. Schließlich zahle der Kunde in der Regel bereits Kontoführungsgebühren und wäre somit einer Doppel-Bepreisung unterworfen.

Die Verbraucherzentrale rät den Bankkunden daher, ihr Geld zu verteilen oder mit der Bank zu verhandeln, ob die Freigrenze individuell angepasst werden könne. Von den Gerichten dürfen Betroffene wenig Unterstützung erwarten. Erst diesen Sommer stellte das Landgericht Leipzig fest, dass es für Banken durchaus zulässig sei, Negativzinsen zu erheben. Derweil wird sich für Sparkasse-Kunden in Bälde das Online-Banking ändern. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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