Sparkassen setzen sich im Bieterstreit durch

Verkauf der Landesbank Berlin: - Die deutschen Sparkassen übernehmen die Landesbank Berlin. Damit haben sie den Zugriff eines privaten Investors auf ein öffentlich-rechtliches Geldinstitut abgewehrt. Wo außen Sparkasse draufsteht, wird auch in der Hauptstadt künftig eine Sparkasse drin sein.

München/Berlin - Der Sparkassenverband DSGV hat nach monatelangem Bieterkampf den Zuschlag für den 81-prozentigen Anteil der Stadt Berlin an der Landesbank (LBB) erhalten. Das teilte der Berliner Senat am Freitag mit. Für die Übernahme müssen die Sparkassen tief in die Tasche greifen: Zusätzlich zum Kaufpreis von 4,62 Milliarden Euro haben sie zugestimmt, eine stille Einlage von 723 Millionen Euro abzulösen. Dem Geschäft müssen allerdings noch das Berliner Abgeordnetenhaus und die Kartellbehörden zustimmen.

Zur LBB gehören neben der Landesbank auch die Pfandbrief-Tochter Berlin Hyp und die Berliner Sparkassen, die mit 1,9 Millionen Kunden und 150 Standorten den Endkundenmarkt in der Hauptstadt dominieren. Berlin musste sich wegen EU-Auflagen von der früheren Berliner Bankgesellschaft trennen, die nach Milliarden-Einbußen bei Immobiliengeschäften im Jahr 2001 und 2002 wieder Gewinne schreibt (siehe Kasten unten). Ein erster Anlauf zur Privatisierung der Bankgesellschaft war 2003 an einem geringen Preisangebot gescheitert.

Das im Januar diesen Jahres gestartete Bieterverfahren hatte für einige Aufregung gesorgt. Denn erstmals wäre es einem privaten Investor möglich gewesen, bei einer Sparkasse einzusteigen. Dies hatte die Europäische Union im Vorfeld durchgesetzt, um einen "diskriminierungsfreien" Verkauf zu ermöglichen. Die Sparkassen sind öffentlich-rechtlich organisiert; das heißt, die Gewinnmaximierung steht nicht im Vordergrund.

Zum Start des Verfahrens hatten sich dann auch 19 Interessenten aus dem In- und Ausland gemeldet. Darunter waren mit der HypoVereinsbank und der BayernLB zunächst auch zwei Münchner Institute. Der DSGV hatte aber schon früh durchblicken lassen, dass er auch dazu bereit ist, einen "strategischen Aufschlag" zu zahlen. Außerdem hatte sich der Verband bereits im vergangenen Jahr den 10-prozentigen LBB-Anteil der NordLB gesichert. Damit verlor der Einstieg für andere Investoren an Attraktivität.

Am Schluss des Verkaufsprozesses stand den Sparkassen nur noch die Commerzbank im Weg. Man habe "ernsthaftes Interesse" gehabt, erklärte ein Sprecher nach dem Ende des Verfahrens. Das Geldhaus überbot den DSGV aber nicht, weil es bei seinen Aktionären in der Verantwortung stehe.

DSGV-Präsident Heinrich Haasis nannte den Kaufpreis angemessen. Die Übernahme sei "ein wichtiges Signal", dass die Sparkassen willens und in der Lage seien, eine aktive Rolle im deutschen Bankenmarkt einzunehmen. Auch künftige internationale Engagements schloss Haasis nicht aus. Der DSGV kündigte an, den verbliebenen freien Aktionären der LBB ein Übernahmeangebot zu unterbreiten. Ein konkreter Preis wurde vorerst nicht beziffert.

"Berlin bekommt einen sehr guten Kaufpreis - und Berlin weiß die Bank in guten Händen", sagte Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). Der Verkaufserlös soll nicht in den Landeshaushalt fließen, sondern in einem Sondervermögen angelegt werden, um noch bestehende Risiken aus Aktivitäten der früheren Bankgesellschaft abzudecken. 

Geschichte der LBB

Die heutige Landesbank Berlin (LBB) wurde 1994 als Bankgesellschaft Berlin gegründet. Unter ihrem Dach wurden in einem bundesweit einmaligen Konstrukt die privaten Institute Berliner Bank und Berlin Hyp mit der öffentlich-rechtlichen Landesbank Berlin zusammengeführt, zu der auch die Berliner Sparkasse gehört. Das Ziel, einen international agierenden Finanzkonzern zu formen, scheiterte spektakulär: Nach riskanten Immobilien- und Kreditgeschäften geriet das Institut an den Rand des Zusammenbruchs und konnte 2001 nur mit staatlichen Milliardenhilfen gerettet werden. Nach einer harten Sanierung hat sich der Konzern 2006 in Landesbank Berlin umbenannt und schreibt wieder schwarze Zahlen. Von einst 16 000 Beschäftigten stehen noch 5918 auf der Gehaltsliste.

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