Sparkassen weiter im Umbruch

- Frankfurt/Main - Die deutschen Sparkassen haben im vergangenen Jahr ihre Gewinne gesteigert und wollen ihre Finanzgruppe gegen Angriffe aus der Politik und von privaten Banken verteidigen. "Unser Umbauprozess ist noch nicht zu Ende, es ist zu früh für eine Bilanz", sagte der scheidende Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV), Dietrich Hoppenstedt am Mittwoch in Frankfurt. Er erwarte aber, dass sich das Tempo der Fusionen unter den derzeit 463 Sparkassen etwas abschwächen werde. Seit dem Jahr 2000 verloren rund 100 Institute ihre Unabhängigkeit. Künftig sei mit 15 bis 20 Zusammenschlüssen pro Jahr zu rechnen, meinte Hoppenstedt. Auch die Zahl der Landesbanken werde sich weiter verringern.

Den Wegfall der Staatsgarantien Anstaltslast und Gewährträgerhaftung Mitte 2005 hätten die öffentlich-rechtlichen Kreditinstitute allen Unkenrufen zum Trotz problemlos bewältigt, sagte Hoppenstedt, der seit 1998 an der Spitze des Verbands steht und das Amt zum 1. Mai an den ersten DSGV-Vizepräsidenten Heinrich Haasis abgibt. Während seiner Amtszeit hätten sich die Sparkassen stärker gewandelt als in den 200 Jahren zuvor. Die Finanzgruppe aus Sparkassen, Landesbanken, Landesbausparkassen und SparkassenVersicherungen sei enger zusammengerückt und werde inzwischen als größter Bankkonzern der Welt wahrgenommen.

Expansion im Ausland sei derzeit kein vorrangiges Thema, meinte Hoppenstedt: "Die Wachstumsmärkte einer Sparkasse liegen zu Hause." Er wandte sich erneut gegen die geplante Reform des Sparkassengesetzes in Hessen, die die Veräußerung von Sparkassen oder Anteilen an ihnen an andere öffentliche Träger ermöglichen würde. Angesichts von Vorwürfen, die Hamburger Sparkasse (Haspa) "wildere" im Revier von benachbarten kommunalen Kreditinstituten mahnte Hoppenstedt die Einhaltung von getroffenen Vereinbarungen an. "Es ist aber nichts Neues, dass es hier und da Problemfälle gibt."

Dank einer gesunkenen Risikovorsorge konnten die Sparkassen zusammen genommen ihren Jahresüberschuss um fast 24 Prozent auf 2,3 Milliarden Euro steigern. Es sei das beste Ergebnis seit dem Jahr 2000 gewesen. Die Institute müssten als Marktführer den Wettbewerb mit privaten Banken nicht scheuen, hätten aber zum Beispiel im Geschäft mit Konsumentenkrediten weiterhin Nachholbedarf. Die Mitarbeiterzahl der Sparkassen sank wegen der stärkeren Zentralisierung von Verwaltungsaufgaben und Technik innerhalb eines Jahres um mehr als 4500 auf knapp 261 000. Dabei würde die natürliche Fluktuation genutzt und mehr Teilzeitarbeit angeboten.

Den möglichen Zusammenschluss zwischen der Deutschen Börse und der Vierländerbörse Euronext hält Hoppenstedt für eine "sinnvolle Lösung". Allerdings müsse der Hauptsitz eines fusionierten Börsenkonzerns in Frankfurt angesiedelt sein. Außerdem dürfe eine solche Superbörse keine Nachteile für deutsche Marktteilnehmer mit sich bringen. Es sei ein Fehler gewesen, dass die heimischen Banken sämtliche Anteile an der Deutschen Börse abgegeben hätten. Die Sparkassen seien gegebenenfalls bereit, sich selbst wieder als Aktionäre der Börse zu engagieren.

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