BMW spart 500 000 Euro beim Personal

München - BMW schlüsselt die eigenen Sparpläne erstmals auf. Am Abbau Tausender Stellen hält der Automobilkonzern fest. Auch in der Entwicklung gibt es Bremsspuren.

Der Münchner Luxuswagenhersteller BMW bringt zunehmend Licht in seine Sparpläne, die auch Tausende Stellen fordern werden. Zwei Drittel und damit vier der sechs Milliarden Euro, die bis 2012 per anno eingespart werden sollen, entfallen auf Materialkosten, sagte Finanzchef Michael Ganal vor Analysten in London. Eine weitere halbe Milliarde Euro soll schon ab 2009 der Personalabbau bringen, zu dem sich BMW bislang nur vage geäußert hat. Es gehe um eine "Reduzierung der Personalkapazitäten in der Größenordnung von mehreren tausend Mitarbeitern", räumte der Vorstand ein.

Vor allem werde es Zeitarbeiter treffen. Kurz vor Weihnachten war durchgesickert, dass es in diesem Kreis der BMW-Beschäftigten zu einem Kahlschlag kommen wird, der bis zu 8000 Frauen und Männer treffen könnte. Diese Zahl will BMW auch heute nicht bestätigen. In jedem Fall soll es Stammpersonal in geringerem Umfang treffen, sagte Ganal. Diesem Kreis biete BMW Altersteilzeit und Abfindungen. Frei werdende Stellen würden zudem in der Regel nicht mehr besetzt. Gestrichen werde vor allem in der Produktion. Was der Stellenabbau einmalig kostet, stehe noch nicht fest, ergänzte ein BMW-Sprecher. Dazu liefen noch Gespräche mit dem Betriebsrat.

Den Rotstift setzen die Münchner ferner bei Forschung und Entwicklung (F & E) an. Gemessen am Umsatz von zuletzt 57 Milliarden Euro soll die F & E-Quote in den nächsten Jahren auf 5,0 bis 5,5 Prozent begrenzt werden, kündigten Ganal und BMW-Chef Norbert Reithofer an. Im Schnitt der letzten Jahre lag diese Quote bei 6,1 Prozent. Das bedeutet rechnerisch, dass auch dieses Sparelement rund eine halbe Milliarde Euro Kostenreduzierung bringen soll.

Kostensenkend sollen in der Entwicklung auch verstärkte Kooperationen wirken. Dazu führe BMW derzeit Gespräche mit mehreren anderen Automobilherstellern, sagte Ganal, ohne deren Namen zu nennen. Bekannt sind solche Kontakte zu Mercedes. Außer der VWTochter Audi wollte Reithofer vor kurzem keinen Konkurrenten als potenziellen Kandidaten ausschließen. Ziel sei vor allem ein Schulterschluss in der Motorenentwicklung, die allein ein Viertel aller Herstellkosten eines Autos verschlingt. "Die Gespräche kommen gut voran, sind aber noch nicht abgeschlossen", merkte er an.

Bekannt sind allerdings auch Widerstände im eigenen Haus gegen eine mögliche Zu- sammenarbeit mit einem Wettbewerber beim Schlüsselelement Motoren. Nicht nur BMW-intern sehen viele Experten den Motor speziell bei Luxuswagen als unverwechselbares Merkmal von Marke und Image an. Das Know-how dafür dürfe BMW nicht teilen, mahnen diese Kritiker.

Nicht gefährden will BMW durch die Sparpläne im Entwicklungsbereich die eigene Innovationsfährigkeit, insbesonders bei der Erforschung weniger klimaschädlicher Antriebssysteme, betonte Ganal. Auch am Ziel, bis 2012 rund 1,8 Millionen Autos zu verkaufen, halten die Münchner fest. 2007 liefen 1,5 Millionen Fahrzeuge vom Band.

Druck kommt ferner auf die europäischen BMW-Zulieferer zu. Die Münchner wollen ihren aus Kanada, Mexiko und den USA stammenden Einkaufsanteil von derzeit neun Prozent künftig in einem nicht genannten Umfang steigern.

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