Sparzinsen weiter im Tief

Gute Zinsen für gutes Geld sind rar. Der Durchschnittszins für Tagesgeld sinkt auf 1,4 Prozent. Experten raten derzeit von Langfrist-Anlagen ab.

Für Sparer wird die Suche nach attraktiven Zinsen immer schwieriger. Seit die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins im Sommer auf 1,0 Prozent reduziert hat, ist die Verzinsung bei Tages- und Festgeld kontinuierlich gesunken, und ein Ende des Zinstiefs ist nicht in Sicht. Doch wer die Offerten genau vergleiche, finde „trotzdem noch immer attraktive Angebote“, sagt Heike Nicodemus vom Magazin „Finanztest“ der Stiftung Warentest. Und Sparer, die größere Summen anlegen, haben die Chance auf einen Zinsbonus.

Nach Berechnungen der Frankfurter Finanzagentur FMH liegt der durchschnittliche Zinssatz für Tagesgeld bei einer Anlage von 5000 Euro aktuell nur noch bei 1,4 Prozent, bei Festgeld mit 12-monatiger Laufzeit ist es mit 1,5 Prozent nur unwesentlich mehr. Die besten Tagesgeld-Angebote bringen laut FMH allerdings noch immer rund 2,5 Prozent, bei einjährigem Festgeld sind es bis zu 3,0 Prozent. „Gut verzinstes Tagesgeld ist für Sparer weiterhin eine gute Wahl“, betonte Nicodemus.

Allerdings sollten sie genau auf die Konditionen achten. Denn noch immer seien Koppelangebote am Markt, bei denen der Topzins mit der Eröffnung eines Kontos, Depots oder dem Kauf von Fonds verbunden sei, und das habe meist keinen Sinn. Außerdem sollten Anleger auf die Mindest- und Höchstsummen für das jeweilige Zinsangebot achten. Bei attraktiven Angeboten kann die Eröffnung eines Tagesgeldkontos jedoch dauern, drei bis vier Wochen Wartezeit sind keine Seltenheit.

Bei der Anlage größerer Summen haben Sparer nach Angaben der Experten durchaus die Chance auf einen Zinsbonus. Ab einem Betrag von rund 50 000 Euro sind viele Institute bereit, den Kunden bessere Konditionen zu bieten. „Das gilt insbesondere für Stammkunden, denn die will keine Bank verlieren“, erklärte Nicodemus. Empfehlenswert sei auch, bei mehreren Banken Angebote einzuholen.

Wer sein Geld längerfristig anlegen will, der sollte sich allerdings nach Ansicht der Fachleute derzeit nicht länger als ein Jahr binden. „Die Zinsen werden demnächst voraussichtlich wieder steigen, daher machen Festgeldanlagen über mehrere Jahre aktuell keinen Sinn“, sagte Nicodemus. Wer sein Geld dennoch langfristig anlegen wolle, für den seien beispielsweise Bundesschatzbriefe eine empfehlenswerte Alternative. Schatzbriefe vom Typ B mit siebenjähriger Laufzeit bringen derzeit eine Rendite von 2,7 Prozent. Nach Einschätzung von Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, ist die Lage für die Anleger trotz gesunkener Zinsen nicht schlecht. „Anders als noch vor einem Jahr gibt es derzeit keine Inflation, und ein realer Wertzuwachs von beispielsweise 2,5 Prozent ist daher durchaus attraktiv.“ Allerdings lasse sich die weitere Zinsentwicklung kaum abschätzen. „Deshalb sollte man sich auch langfristige Anlagen gut überlegen“, betont der Experte.

Manfred Rolfsmeier

Gestiegene Sicherheit

Hinsichtlich der Sicherheit der Spareinlagen profitieren Anleger von einer neuen Regelung. Seit dem 1. Juli ist die gesetzliche Mindestabdeckung von 20 000 auf 50 000 Euro gestiegen. Diese Absicherung gilt EU-weit und umfasst Kontoguthaben wie beispielsweise Giroeinlagen und Sparguthaben. Zudem entfällt die Verlustbeteiligung der Anleger in Höhe von zehn Prozent. Darüber hinaus verkürzt sich die Auszahlungsfrist der Gelder jetzt auf maximal 30 Arbeitstage. Ab 2011 verdoppelt sich die gesetzliche Einlagensicherung auf 100 000 Euro. In einigen Ländern ist die Einlagensicherung schon jetzt höher als in Deutschland. So beträgt sie in Luxemburg 100 000 Euro, in den Niederlanden ist dieser Betrag bis zum Jahresende festgeschrieben. In Österreich sind Einlagen bis zum Jahresende in unbegrenzter Höhe und ab 2010 bis zu 100 000 Euro abgesichert. In Großbritannien sind es pro Person und Bank 50 000 britische Pfund und in Frankreich 70 000 Euro.

Rubriklistenbild: © ap

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