Sparzwang im Westen, Aufbau im Osten

München - Der Hypovereinsbank droht nochmals der Abbau von rund 2000 Stellen. Das geht aus Sparplänen der Konzernmutter Unicredit hervor. Sie will in Osteuropa wachsen und im Westen sparen.

Die italienische Großbank Unicredit, zu der auch die Hypovereinsbank (HVB) in München gehört, baut bis 2010 rund 9000 Stellen ab. Zugleich werde in Osteuropa in noch stärkerem Umfang aufgebaut, um die Geschäfte anzukurbeln und in den reifen Märkten Westeuropas die Kosten zu senken, kündigte Unicredit-Chef Alessandro Profumo in Wien an. Der Großteil der Stellen wird als Folge der Übernahme der ebenfalls italienischen Bank Capitalia durch Unicredit im vorigen Jahr in Italien gestrichen werden. Etwa 800 Arbeitsplätze sehen österreichische Arbeitnehmer in Gefahr. In Deutschland droht der HVB nach Gewerkschaftsangaben der Abbau von 2000 Stellen.

Das deckt sich mit den Befürchtungen der heimischen Belegschaft. Genau wollen weder Unicredit noch HVB sagen, was auf das deutsche Personal zukommt, das zuletzt knapp 25 000 Frauen und Männer zählte. Das sind rund 2500 Stellen weniger als bei der Übernahme der HVB durch Unicredit im Jahr 2005.

Offiziell bestätigt ist bislang nur der Verlust von rund 550 Stellen in Deutschland durch Verlagerung von Verwaltungsjobs nach Polen und Outsourcing interner Dienstleistungsbereiche, was per annum 25 Millionen Euro sparen soll. Über 1000 Arbeitsplätze in der Verwaltung sollen zudem in neu zu gründende Gesellschaften mit schlechteren Konditionen ausgegliedert werden, wie in Gewerkschaftskreisen zu hören ist. Das ist aber erst ein Anfang, fürchtet die Arbeitnehmerseite. Betriebsräte haben sich wegen des bevorstehenden Kahlschlags am Donnerstag zu einer Krisensitzung getroffen. Für kommenden Montag ruft die Personalvertretung zu einer Protestaktion vor der HVB-Zentrale in der Münchner Kardinal-Faulhaber-Straße auf. "Die Personaldecke ist jetzt schon so dünn, der Druck so hoch", sagte ein Mitglied des HVB-Aufsichtsrates aus der Belegschaft gegenüber unserer Zeitung. "Wo soll das noch hinführen?" Die HVB ist unter Unicredit schon radikal umgebaut worden, weswegen Kleinaktionäre mit den Italienern vor Gericht im Dauerstreit liegen.

In den wachsenden osteuropäischen Märkten will die viertgrößte Bank Europas bis Ende 2010 dagegen 1300 Filialen neu eröffnen und 11 500 Stellen aufbauen. Weil die Löhne dort deutlich niedriger sind als im Westen, sollen ganze Verwaltungseinheiten, etwa in der Datenverabeitung vor allem nach Polen verlagert werden. Signifikante Expansion in Osteuropa bei zeitgleichem Umbau und Kostensenkung in Westeuropa lautete die Doppelstrategie Profumos. Stellen werden da geschaffen, wo es Wachstum gibt und dort gestrichen, wo die Geschäfte wie in Deutschland mau sind. Ziel des Unicredit-Chefs ist es, die Rentabilität des Gesamtkonzerns binnen drei Jahren dadurch um bis zu ein Viertel zu steigern.

Auf Rückendeckung durch erfahrene deutsche HVB-Manager kann die heimische Belegschaft kaum noch zählen. Viele Spitzenbanker haben bei der Übernahme durch Unicredit oder in den drei Jahren danach das Haus verlassen. Mit Michael Kemmer leitet einer von ihnen mittlerweile die Bayerische Landesbank. Der derzeitige HVB-Chef Wolfgang Sprißler geht Anfang 2009 als einer der letzten Topbanker aus den Zeiten der Eigenständigkeit. Ein 2005 vereinbartes Kündigungsverbot läuft Ende 2008 aus.

Im Gesamtkonzern beschäftigt Unicredit derzeit 180 000 Menschen. Davon arbeiten 100 000 in Westeuropa, was für Unicredit Italien, Deutschland und Österreich bedeutet. Am Ende der jetzt beschlossenen Operation soll das Personal auf Ost- und Westeuropa etwa gleich verteilt sein. Neue größere Zukäufe in Deutschland schloss Profumo in der nun laufenden Phase der Konsolidierung des Bankenmarktes aus.

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