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„Wir haben ein hartes Quartal hinter uns“: Das Geschäft von Infineon ist dramatisch eingebrochen.

Infineon

Der Sparzwang wird noch größer

München – Unter dem Druck der Wirtschaftskrise muss der Münchner Chipkonzern Infineon noch härter sparen. Ein weiterer Stellenabbau soll vermieden werden. Ausgeschlossen ist er nicht.

Wenn ein Firmenchef ausdrücklich betonen muss, dass sein Unternehmen nicht existenzgefährdet sei, kann es nicht gut um den Betrieb stehen. Beim Münchner Chiphersteller Infineon ist es so weit. „Ob der Konzern überlebt oder nicht, ist kein Drahtseilakt“, ließ Infineon-Chef Peter Bauer gestern verlauten. Man habe das Geschäft im Griff. Nur zerrinnt das zurzeit wie Sandkörner zwischen den Fingern.

Im ersten Quartal des Geschäftsjahres (Oktober bis Dezember) brach der Umsatz von Infineon um rund 30 Prozent auf 830 Millionen Euro ein, wie das Unternehmen gestern mitteilte. Der Verlust war mit 404 Millionen Euro fast halb so groß wie der Umsatz. „Wir haben ein hartes Quartal hinter uns“, bilanzierte Infineon-Chef Peter Bauer. „Die Wirtschaftskrise hat die Halbleiterindustrie mit voller Wucht erfasst.“ Weltweit sei die Nachfrage dramatisch zurückgegangen. Alle fünf Sektoren des Konzerns hätten gelitten. Besonders schwer habe es das Geschäft mit Elektrochips für Autos und Handys getroffen. Doch es wird noch schlimmer für den Konzern kommen.

Für das laufende Quartal erwartet Infineon einen Umsatzeinbruch um weitere zehn Prozent. Und pro Euro Umsatz dürften 15 bis 20 Cent Verlust auf das operative Ergebnis drücken, das der Konzern für das abgelaufene Quartal mit minus 102 Millionen Euro beziffert hat. Also steht erneut ein dreistelliger Millionenverlust bevor. Wie es im Verlauf des Jahres weitergeht, wagt Bauer nicht abzuschätzen. Infineon erhalte selbst von seinen Kunden keine längerfristigen Prognosen und sei angesichts der Konjunktur-Turbulenzen nicht zu einer Vorausschau in der Lage. Daneben bleibt der Unsicherheitsfaktor Qimonda.

Die Pleite der Speicherchiptochter könnte für den Konzern noch teuer werden, weil dieser zum Beispiel für Ansprüche von Beschäftigten in die Verantwortung genommen werden könnte. 195 Millionen Euro hat Infineon dafür zurückgestellt. Dies sei nach heutigem Kenntnisstand die zu erwartende Größenordnung. Aber: „Es gibt keine Sicherheit, dass diese Summe ausreicht, um allen Verpflichtungen nachzukommen, die in diesem Zusammenhang entstehen könnten“, warnt der Konzern.

Wegen der dramatischen Lage sieht sich Infineon zu weiteren Einsparungen gezwungen. Die Kosten sollen nicht wie bislang geplant um 250 Millionen Euro jährlich gedrückt werden, sondern um 600 Millionen Euro. Die Branche leide angesichts der einbrechenden Nachfrage besonders unter ihren hohen Fixkosten, also jenen Kosten, die unabhängig von der produzierten Menge anfallen, beklagte Bauer. Um das neue Sparziel zu erreichen, geht es für das Unternehmen ans Eingemachte. Die Investitionen unter anderem in die Entwicklung neuer Produkte werden heuer von 250 auf 200 Millionen Euro reduziert. Auch beim Personal könnte es weitere Einschnitte geben.

Bislang baut Infineon 3000 Arbeitsplätze weltweit ab. 85 Prozent davon seien bereits bewältigt, erklärte Bauer und fügte hinzu: „Es ist leider so, dass wir nicht ausschließen können, hier nachzulegen.“ Man versuche, so weit möglich Personalabbau zu vermeiden. Im aktuellen, turbulenten Umfeld könne man das aber nicht garantieren.

An der Börse ist man Kummer von Infineon gewöhnt und vernahm offenbar die Sparpläne mit Wohlwollen. Die Aktie des Unternehmens stieg gestern zeitweise um rund zehn Prozent auf gut 80 Cent.

von Dominik Müller

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