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Kleine Teile bringen großen Umsatz: Gesellschaftsspiele sind mit einem Anteil von fast 20 Prozent das Zugpferd der Spielwarenindustrie.

Interessante neue Spiele: Spaß für clevere Strategen

In wenigen Tagen rollen wieder die Würfel. In München startet am 6. November die Messe „Spielwiesn“. Wir stellen einige der interessantesten Neuheiten vor.

Die Veranstalter der „Spielwiesn“ rechnen mit einem Ansturm der Besucher. Nach 40 000 Gästen im vergangenen Jahr erwarten sie, dass heuer 50 000 Spielwütige die Hallen des Veranstaltungszentrums MOC füllen werden.

Vorgestellt: Spiel-Spaß für clevere Strategen

Neue Spiele: Spaß für clevere Strategen

Das Geschäft mit Spielen läuft gut. „Wir erwarten eine Fortsetzung des Aufwärtstrends“, sagt Ulrich Brobeil, Justiziar beim Deutschen Verband der Spielwaren-Industrie. Spiele sind mit einem Umsatzanteil von knapp einem Fünftel die stärkste Warengruppe der deutschlandweit pro Jahr 2,2 Milliarden Euro umsetzenden Branche und genießen hierzulande einen Sonderstatus. „Spiele sind nicht wie anderswo ein Wegwerfartikel, sondern ein Kulturgut“, betont Brobeil.

Auf der „Spielwiesn“ kann dieser Kultur ausgiebig gehuldigt werden, denn neben 60 Ausstellern und Verlagsständen wird eine zentrale Spielothek mit 2500 Brett- und Kartenspielen zum Ausleihen geboten. Das größte Interesse gilt dort naturgemäß den Neuheiten. Wir haben eine Auswahl der interessantesten Spiele getestet.

Dominion

Der unangefochtene Spitzenreiter der Gesellschaftsspiele ist in diesem Jahr Dominion. Es ist ein neuartiges Kartenspiel mit Brettspielcharakter, bei dem nicht getrumpft und gestochen wird. Vielmehr stellen die Kontrahenten dabei ein möglichst punkteträchtiges Karten-Königreich zusammen. Punktekarten sind aber vor allem anfangs hinderlich, weil sie außer ihrem Wert keine Funktion haben. Über weite Strecken gespielt wird deshalb mit Geld- und Aktionskarten, die als Mittel zum Zweck fungieren.

Mehrere alternative Sätze von Aktionskarten machen das Spiel des Jahres 2009 mit dem Zeug zum Dauerbrenner enorm abwechslungsreich und spannend. Die eigentliche Herausforderung ist, die Aktionskarten gewinnbringend zu kombinieren und den finalen Run auf die Punktekarten nicht zu verpassen.

Small World

Kultverdächtiges Hauen und Stechen in einer bunten Fantasy-Welt bietet Small World. Zwei bis fünf Spieler ab acht Jahren können sich hier auf vier verschiedenen Spielplänen austoben und in maximal eineinhalb Stunden mit ihren Völkern spielerisch Land erobern. Schon allein die Völker haben es in sich. Ihnen wird aber zudem zufällig eine Eigenschaft zugelost. Der eine gebietet dann zum Beispiel über „plündernde Amazonen“, der andere über „wohlhabende Ghule“, ein dritter über „seefahrende Rattenmenschen“, was bisweilen die Lachmuskeln strapaziert. Fans des Klassikers Risiko kommen hier voll auf ihre Kosten, bei deutlich gemäßigterer Spieldauer. Die Stärken einer Kombination „Eigenschaft“ und „Volk“ abzuschätzen, ist eine Kunst für sich. Niederlagen verschmerzt man bei Small World irgendwie leichter als bei anderen Spielen, was auch ein Qualitätsmerkmal ist.

Pandemie

Ein herausragender Vertreter der dieses Jahr für Furore sorgenden Spezies der kooperativen Spiele ist Pandemie. Angesichts der Schweinegrippe ein brandaktuelles Thema. Der Spielplan ist eine Weltkarte mit 48 Metropolen, die nach und nach von vier gefährlichen Seuchen befallen werden – symbolisiert durch farbige Holzwürfel. Die Spieler rasen über den Globus, um die Ausbrüche einzudämmen, Forschungslabore zu bauen und Gegenmittel zu finden. Die Seuchendynamik wird nervenaufreibend wiedergegeben.

Kommt Panik bei den Spielern im Krisenstab auf oder arbeiten sie nicht zusammen, ist ein bitteres Ende vorprogrammiert. Die Weltenretter in spe schlüpfen in Rollen wie die eines Arztes oder eines Forschers, die entscheidende Sonderfähigkeiten mit sich bringen. Über Epidemiekarten lässt sich der Schwierigkeitsgrad steuern. Wer die ersten Partien verliert – nicht entmutigen lassen!

Diamonds Club

An spielerfahrene Einzelkämpfer wendet sich Diamonds Club. Aufgabe für zwei bis vier Strategen ist es, ein eigenes Tableau, das den Garten eines britischen Lords darstellt, mit Beiwerk wie Orangerien und Brunnen oder Volieren und Bäumen zu belegen. Die bringen am Ende nach etwa eineinhalb Stunden Siegpunkte. Dazu ist einiges an Planung nötig. Denn bezahlt wird alles clubgerecht mit Edelsteinen. Die wiederum fördern die Spieler aus Minen, die sie sich zuvor auf einem Markt gekauft haben.

Allein die Preisfindung für Minen ist pfiffig geregelt. Erstanden werden müssen zudem Schürfrechte und Transportschiffe. Vorteilhaft ist, dass das Spielgeld aus Plastikmünzen geprägt ist, weil die Hände bei Diamonds Club leicht feucht werden. In acht Seiten Regeln verbergen sich viele Details, die hervorragend harmonieren und ein sehr stimmiges Ganzes ergeben. Wer sich beim Spielen gern anstrengt, hat hier ein reiches Betätigungsfeld.

Tobago

Brandneu ist soeben Tobago erschienen. Schon allein der aus drei Teilen bestehende und beliebig kombinierbare Spielplan sowie das Spielmaterial mit Hütten, Palmen und Statuen sind eine Augenweide. Das Thema Schatzsuche tut ein Übriges. Gesucht werden parallel immer vier auf einem Spielplanfeld verborgene Schätze mit Goldmünzen und üblen Überraschungen in Form zweier Flüche. Gewonnen hat, wer die Flüche vermeidet und am meisten Gold rafft. Zwei bis vier Schatzsucher ab zehn Jahren sind dazu auf dem Spielplan mit kleinen Jeeps unterwegs. Gleichzeitig legen sie Hinweiskarten unter die vier Schatzhaufen, um deren Koordinaten auf dem Spielplan immer weiter einzuschränken. Bleibt für einen Schatz nur noch ein Feld übrig, beschleunigen die Jeeps. Spannend, schön fürs Auge und nach etwa einer Stunde zu Ende.

Fits

Wer den Computer-Klassiker Tetris kennt, hat bei Fits ein Aha-Erlebnis. Diese familientaugliche Variante aus Plastik und Pappe kann aber nicht nur allein, sondern vorzugsweise im Wettstreit von bis zu vier Personen ab acht Jahren gespielt werden. Flott, unkompliziert in etwa einer halben Stunde. Bei einer Partie bleibt es selten, weil der Suchtfaktor hoch ist und auch notorische Nicht-Spieler in seinen Bann zwingt.

Die flachen, verwinkelt geformten und jeweils einzigartigen Tetris-Steine schiebt jeder Spieler auf einer eigenen Rampe von oben nach unten auf seine Ablage. Lücken bringen meist Minuspunkte. An manchen Stellen sind aber auch Pluspunkte aufgedruckt, die man dann möglichst freilassen will. Vier verschiedene Vorgaben zum Legen der Steine gibt es, was Abwechslung bringt. Fits ist kein strategischer Knüller, läuft aber in fast jeder Runde.

Die „Spielwiesn“

findet zusammen mit der „Creativmesse“ und der „Modellbahn“ als „Freizeitspaß hoch drei“ vom 6. bis 8. November im MOC (Lilienthalallee 40, Schwabing-Freimann) statt („Modellbahn“ bereits ab 5. November). Ein Ticket für alle drei Freizeitmessen kostet neun Euro pro Tag. Ermäßigung gibt es für Kinder, Familien, Gruppen, zudem lässt sich mit Zweitages- oder Nachmittagskarten Geld sparen. Die vier Messehallen öffnen täglich um zehn Uhr. Ein Höhepunkt ist der Samstag mit der langen Nacht der Spiele bis 23 Uhr.

Th. Magenheim-Hörmann

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