Spaten baut sich neu auf

- München - Im Turm der Spatenbrauerei fühlt man sich mit der Frauenkirche auf Augenhöhe. Hinter der Glasfassade der Gaststube 40 Meter über München öffnet sich der Blick vom Stadion an der Grünwalder Straße über die Theresienwiese und das Klinikum Großhadern bis in die Berge, auf denen Schneefelder unter weiß-blauem Himmel in der Sonne blitzen. "So ein herrlicher Frühlingstag lässt das Herz eines Brauers höher schlagen", sagt Jobst Kayser-Eichberg. "Weil das immer Hektoliter bedeutet." Zigtausend Hektoliter in seinem Fall.

<P>Er ist der Chef der Spaten-Löwenbräu-Gruppe. Die hat ihren Bier-Ausstoß im vergangenen Geschäftsjahr um 165 000 Hektoliter gesteigert auf fast 3,5 Millionen Hektoliter. Auch heuer wird das Unternehmen wohl viele tausend Hektoliter mehr Bier produzieren. Doch das ist Kayser-Eichberg nicht genug. Mit dem Verkauf von Spaten-Löwenbräu an die belgische Interbrew-Gruppe, den größten Braukonzern der Welt, soll auch für Spaten, Franziskaner und Löwenbräu der Weg in ferne Länder frei sein. </P><P>"Wir wollen anders wachsen, als es in diesem Markt allein möglich wäre", sagt Kayser-Eichberg über das deutsche Bier-Geschäft. Richtig groß wird man nur noch im Ausland, versichert er. Und das ist sein Ziel. Dafür hat er sich von Interbrew schriftlich geben lassen, dass in den kommenden zehn Jahren in München eine neue Braustätte gebaut wird, die die bisherigen Spaten-Dimensionen weit übertrifft.<BR><BR>200 bis 300 Millionen Euro ist die Größenordnung, in der Interbrew für seine bayerische Tochter investieren soll. Statt an der Marsstraße im Münchner Zentrum sollen künftig auf 15 Hektar am Stadtrand Spaten, Löwenbräu und Franziskaner Weißbier produziert werden - und noch mehr. Die Kapazität der Brauerei liegt derzeit bei 3,5 Millionen Hektolitern pro Jahr, sie soll auf 5 Millionen wachsen. "Es ist denkbar, dass dann Beck's Bier für Italien hier gebraut wird", erklärt Kayser-Eichberg. </P><P>Das aus Bremen stammende Pils gehört ebenfalls zu Interbrew. Und der Transport nach Italien kann für den Konzern billiger werden, wenn Beck's schon in München gebraut wird. "Es galt, nicht nur durch organisches Wachstum, sondern auch mittels Übernahmen zu expandieren und Mengenvorteile zu erreichen", sagt der Spaten-Chef über seine Beweggründe für die Fusion von Spaten und Löwenbräu Mitte der 90er-Jahre. Dieselben Motive haben nun wohl für Interbrew Geltung. </P><P>Es wäre also auch logisch, Löwenbräu und Franziskaner für den norddeutschen Markt in Bremen herzustellen, anstatt es durch halb Deutschland zu transportieren. Aber das sei nicht denkbar, sagt Kayser-Eichberg. "Unsere Identität ist sehr wichtig." Das gilt auch für die neue Braustätte. Sie soll im Norden oder Osten liegen, in jedem Fall auf Stadtgebiet. Sonst dürfte man nämlich nicht mehr auf dem Oktoberfest ausschenken. Und das sei selbst für den Bier-Giganten Interbrew "ein wichtiger Faktor".<BR></P>

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