Spediteure boykottieren Einbau der Mautsysteme

- Hamburg - Nach der Pannenserie bei der Einführung der Lkw-Maut wackelt der Chefstuhl beim Betreiberkonsortium Toll-Collect. Bereits Anfang der Woche solle in Spitzengremien der beteiligten Konzerne Daimler-Chrysler und Deutsche Telekom über eine Auflösung des Vertrags von Toll-Collect-Geschäftsführer Michael Rummel gesprochen werden, berichtet "Der Spiegel". Das Konsortium lehnte eine Stellungnahme ab. Nun wollen die Spediteure den Probebetrieb boykottieren.

<P>Der Streit um einen Schadenersatz für die schätzungsweise bis zu 900 Millionen Euro an Maut-Einnahmen, die dem Staat durch die Verzögerungen entgehen, verschärft sich. Verkehrsminister Manfred Stolpe bekräftigte seine Forderung nach einem möglichst hohen Ausgleich. Toll-Collect lehnt dies ab. Dem "Spiegel" zufolge wird Rummel unter anderem vorgeworfen, er habe den Einbau der Bordgeräte zur Maut-Abrechnung angeordnet, obwohl er internen Vermerken zufolge von der Telekom-Tochter T-Systems schriftlich darauf hingewiesen worden sei, dass sie nicht funktionierten. </P><P>Laut Klagen der Spediteure arbeiteten nahezu alle Bordgeräte nach dem Einbau fehlerhaft. Außerdem stehe Rummel wegen der Vergabe eines Millionen-Auftrags an die kleine Softwarefirma OMP in der Kritik, bei der er ein Aufsichtsratsmandat gehabt habe, schreibt das Magazin. Rummel weise sämtliche Vorwürfe zurück.</P><P>Laut "Spiegel" hat Rummel Anspruch auf eine Prämie in Höhe von einer Million Euro zusätzlich zu seinem Gehalt, wenn die Betriebszulassung für das Maut-System erteilt werde.</P><P>Das Konsortium müsse Vertragsstrafen bezahlen, wenn das Mautsystem auch am 1. Januar 2004 noch nicht funktionieren sollte _ 250 000 Euro Strafe pro Tag. Damit käme </P><P><BR>Wegen technischer Mängel an den Mautgeräten drohen Deutschlands Spediteure nun damit, den geplanten Probebetrieb zu kippen und den Maut-Start damit weiter zu verzögern. "Spediteure haben den Einbau der Mautsysteme gestoppt und defekte Geräte nicht durch neue ersetzt", sagte Karlheinz Schmidt, Geschäftsführer vom Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung mit 15 000 Mitgliedsunternehmen. Laut Schmidt funktionierte bei der letzten Befragung der Transportunternehmer nur jedes 15. Mautgerät.</P><P>Ein Spediteur sagte: "Warum sollen wir an einem Testbetrieb teilnehmen, wenn die Technik nach wie vor fehlerhaft ist? Erst wenn das System läuft, mache ich wieder mit." Karlheinz Schmidt vom Logistik-Verband kündigte an: "Die Einführung der Lkw-Maut bis Ostern ist nur zu schaffen, wenn die Beteiligten jetzt damit aufhören, die Schuldfrage hin- und herzuschieben. Die Muttergesellschaften von Toll-Collect, Daimler-Chrysler und Deutsche Telekom, müssen endlich Geld in die Hand nehmen und das System von Grund auf neu planen."<BR></P>

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