Spekulationen um Umbau von Siemens-Führung

Nach Kleinfeld-Rücktritt: - München - Nach der Rücktrittsankündigung von Vorstandschef Klaus Kleinfeld gibt es Spekulationen um einen Umbau der Siemens-Führungsstruktur. Der Siemens-Aufsichtsrat erwäge eine Verkleinerung der vielfach belasteten Siemens-Führung, berichtete das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel".

Der neue Chef des Kontrollgremiums, Gerhard Cromme, habe gegenüber Vertrauten entsprechende Überlegungen geäußert. Ein Siemens-Sprecher wollte den Bericht nicht kommentieren. Kleinfeld hatte am Mittwoch nach Widerstand im Aufsichtsrat gegen seine Vertragsverlängerung seinen Rückzug bekannt gegeben. Nur wenige Tage zuvor hatte Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer mit seinem Rücktritt die Konsequenzen aus der Schmiergeld-Affäre gezogen. Die Suche nach einem Nachfolger für Kleinfeld dauert an.

In der Korruptions-Affäre geht es um dubiose Zahlungen von 420 Millionen Euro zur Bildung schwarzer Kassen sowie um Millionen-Zahlungen an den Gründer der Arbeitnehmervereinigung AUB, Wilhelm Schelsky. Dem "Spiegel" zufolge gibt es auch Hinweise darauf, dass Siemens mit Schmiergeldzahlungen einen Boykott auf dem arabischen Markt verhindern wollte. Dafür habe der General Manager des Elektrokonzerns in Damaskus von 1999 bis 2006 insgesamt 72 Millionen Euro zur Weiterleitung erhalten, berichtete das Magazin. Auch dazu wollte sich der Siemens-Sprecher mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen nicht äußern.

Einen Bericht des "Kölner Stadtanzeigers", wonach Pierer wegen der Affäre nun auch persönlich ins Visier der US-Börsenaufsicht geraten sei, ließ der frühere Siemens-Aufsichtsratschef durch einen Sprecher zurückweisen. Das sei "frei erfunden", sagte der Sprecher.

SPD-Chef Kurt Beck forderte eine schonungslose Aufklärung der Siemens-Affäre um schwarze Kassen und dubiose Zahlungen an den Gründer der Arbeitnehmervereinigung AUB, Wilhelm Schelsky. "Es darf nicht der Eindruck entstehen, in diesem Weltunternehmen werde nur aufgeklärt, was ohnehin bekannt ist", sagte Beck der "Bild am Sonntag". "Hier muss jetzt die ganze Wahrheit auf den Tisch, wenn sie da noch nicht liegen sollte." Notwendig seien Offenheit, Klarheit und absolute Transparenz.

Bei der Suche nach einem Nachfolger für Kleinfeld hat Siemens- Aufsichtsratschef Cromme nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Focus" derzeit fünf Kandidaten im Auge. Neben Linde-Chef Wolfgang Reitzle stünden noch vier weitere Top-Manager auf Crommes Liste, die derzeit alle fest im Job seien, berichtete das Magazin unter Berufung auf Cromme-Vertraute. "Ein Champion, den wir bei Siemens brauchen, steht nicht auf der Straße", zitierte das Magazin Cromme. Reitzle sei nach wie vor der Favorit des neuen Siemens-Chefkontrolleurs. Dessen hohes Gehalt von 7,4 Millionen Euro sehe Cromme nicht als Hindernis. "Das kriegt man schon hin, über Boni und Optionsscheine", wurde aus dem Umfeld des Aufsichtsratschefs zitiert.

Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" (Samstag) müssen derweil weitere Vorstände des Elektrokonzerns ihren Hut nehmen. Die Verträge mit den Zentralvorständen Johannes Feldmayer und Jürgen Radomski würden nicht verlängert, berichtete die Zeitung. Darüber sei sich der Aufsichtsrat einig. Beide Verträge laufen in diesem Jahr aus. Die Siemens-US-Anwälte Debevoise & Plimpton hätten den Aufsichtsrat über belastende Erkenntnisse aus Radomskis Aufgabenbereich informiert, hieß es. In Branchenkreisen wurden dagegen Altersgründe für das Ausscheiden Radomskis verantwortlich gemacht. Gegen Feldmayer wird wegen der möglichen Schmiergeldzahlungen an die Arbeitnehmervertretung AUB ermittelt. Zeitweise saß er sogar in Untersuchungshaft. (Die Magazin-Beiträge lagen dpa in redaktioneller Fassung vor)

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