Spekulationen um Zusammenschluss von Karstadt und Kaufhof

Hamburg - Arcandor-Chef Thomas Middelhoff hat abermals die Spekulationen über einen Zusammenschluss der Warenhaus-Tochter Karstadt mit dem Konkurrenten Kaufhof befeuert.

"Richtig ist, dass es im europäischen Ausland in der Regel nur noch einen großen Warenhausanbieter gibt", sagte er dem Magazin "stern" laut Vorabmeldung vom Mittwoch. Konkret auf eine mögliche Fusion angesprochen, sagte er: "Dazu kann, will und darf ich nichts sagen."

Anfang November hatte das "Handelsblatt" unter Berufung auf Finanzkreise und das Umfeld der Unternehmen berichtet, Arcandor könnte die Kaufhof-Warenhäuser vom Mutterkonzern METRO übernehmen. Arcandor hatte damals von "reinen Marktspekulationen" gesprochen. Die "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" schrieb, es gebe nicht einmal Gespräche und erst recht keine Verhandlungen. Nur wenige Tage später sagte Middelhoff in einem Interview: "Der Warenhaus-Markt in Deutschland wie in Europa ist sehr interessant und wartet dringend auf eine Konsolidierung. Und wir wollen bei diesem Prozess ganz vorn dabei sein." Karstadt betreibt derzeit 89 Waren- und 28 Sporthäuser in Deutschland, Kaufhof 113 Warenhäuser und 13 "Sportarena"-Fachmärkte.

Zu der Befürchtung, die Angestellten von Karstadt und Kaufhof müssten bei einem Zusammenschluss um ihre Jobs bangen, sagte Middelhoff nun dem "stern": "Sie würden in einem solchen Szenario keine Hauptopfer, sondern im Gegenteil Hauptgewinner sein." Middelhoff kündigte an, das deutsche Warenhaus zu "revitalisieren". Er sehe die Zukunft von Karstadt nicht in einem "billigen SB-Laden", sondern als "Ort mit vielen Markenprodukten, Artikeln in Top-Qualität und gutem Service". Middelhoff wiederholte frühere Aussagen: "Wir sind auf dem Weg nach oben, zum Premiumanbieter."

Der ehemalige Bertelsmann-Chef hat den ehedem schwer angeschlagenen KarstadtQuelle-Konzern komplett umgebaut und in Arcandor umgetauft. Er verkaufte zur Schuldentilgung die Immobilien, gab 74 kleinere Warenhäuser an Finanzinvestoren ab, lagerte große Teile des Einkaufs an ein chinesisches Handelsunternehmen aus, stärkte das Tourismusgeschäft (Thomas Cook), stellte die Versandhandelstochter Neckermann.de zum Verkauf und formte erste Premium-Warenhäuser.

Einem drohenden Streik im Einzelhandel wegen der Kürzung von Wochenend- und Nachtarbeitszulagen für die Verkäuferinnen und Verkäufer sieht Middelhoff gelassen entgegen, wie er dem "stern" sagte: "Wir haben vor zwei Wochen 3.000 zusätzliche Aushilfen eingestellt, die wir im Weihnachtsgeschäft einsetzen - ganz egal ob gestreikt wird oder nicht." Unabhängig von den laufenden Tarifverhandlungen will Middelhoff im nächsten Jahr für seine Mitarbeiter Wertkonten einrichten. Das sollen Arbeitszeitkonten sein, "die gute Zinsen und Steuervorteile bringen. Zum Start zahlen wir eine Prämie darauf ein, als Dankeschön für die Einbußen während der Sanierung."(dpa)

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