Spenden -­ aber an die Richtigen: Wie man seriöse Sammler erkennt

- Die Spendensaison ist wieder eröffnet. Vor Weihnachten wird verstärkt für wohltätige Zwecke gesammelt. Und die Deutschen geben gerne. Drei Milliarden Euro haben sie laut dem Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) im vergangenen Jahr für soziale Zwecke gespendet. Unter den Sammlern gibt es aber schwarze Schafe, die in erster Linie in die eigene Tasche wirtschaften.

Behindertenware

Gerne werben Drücker an der Haustür damit, dass die von ihnen feilgebotenen Waren aus Behindertenwerkstätten stammen. Ein ausweisähnliches Kärtchen, das schnell hingehalten wird, aber kaum lesbar ist, soll Seriosität vermitteln. Doch: Behindertenware wird grundsätzlich nicht mehr an der Haustür verkauft, teilt der Verbraucher Service Bayern mit. Waren des Arbeitsförderungswerkes für Blinde in Bayern werden an Endverbraucher so gut wie gar nicht verkauft, teilt der Bayerische Blindenbund mit. Sie würden heute überwiegend an kommunale Einrichtungen vertrieben.

Haussammlungen

Vorsicht ist meist bei Haussammlungen geboten. Heuer haben in Bayern 26 Organisationen eine Sammelerlaubnis für Straßen- und Haussammlungen erhalten. Neben bekannten Organisationen wie Caritas, Rotes Kreuz oder Bund Naturschutz bitten auch weniger  bekannte Einrichtungen um Unterstützung.

Unter diese ehrenwerten Spendenaufrufer mischen sich auch unseriöse Organisationen, deren Drücker zum Teil sehr aufdringlich werden.

Kein Rücktritt

Unseriöse Gruppen werben auch für Fördermitgliedschaften in Tierschutzorganisationen oder Rettungsdiensten. "Da heißt es aufpassen, denn ist der Vertrag unterschrieben, greift die Zahlungspflicht", sagte Eva Traupe, Juristin beim Verbraucher Service Bayern. Da Spenden freiwillige Gaben sind, gilt in so einem Fall das Haustürwiderrufsgesetz nicht, die Kündigung des Vertrages innerhalb von 14 Tagen ist deshalb nicht möglich. Die Laufzeit einer  Fördermitgliedschaft kann zwölf bis 24 Monate dauern. Ob eine frühere Kündigung möglich ist, müsse einzeln geprüft werden, meint Traupe.

Verdachtsmomente

Werden provokante Bilder von Menschen oder Tieren oder sogar Tote gezeigt, ist größte Skepsis geboten. Seriöse Organisationen werben mit Material, das in Wort und Bild wahr ist, in der Sprache eindeutig und sachlich. Aufdringliche Sammler, die etwa mit der Frage kommen: "Haben Sie denn kein Herz für notleidende Kinder?", sind suspekt. Das Geschäft mit dem schnellen Geld verlagert sich zunehmend von der Straße und der Haustür zum Telefon, weiß Hans-Jürgen Beck von der Lebenshilfe.

Sinnvoll spenden

Lieber wenigen mehr als vielen wenig spenden: Denn jede Zahlung verursacht Verwaltungsaufwand. Daher können gezielte Einzelspenden oft sinnvoller sein. Nicht Mitleid, Angst und Abscheu, sondern Mitverantwortung, Solidarität und Nächstenliebe sollten eine Spende auslösen, rät das DZI. Geldspenden sind meist effektiver und flexibler als Sachspenden.

Spendensiegel

Das Zentralinstitut für soziale Fragen in Berlin vergibt an karitative Organisationen das dzi-Spendensiegel (siehe Abbildung oben). Darüber hinaus gibt es aber zahlreiche seriöse Sammlungen, die nicht dieses Siegel tragen, etwa die Weihnachtsaktion unserer Zeitung, die ab 1. Advent wieder startet.

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