Spenden mit gesunder Skepsis

Die emotional aufgeladene Adventszeit wissen Spendensammler gut zu nutzen – ob mit scheppernden Büchsen in der Fußgängerzone, eindringlichen Werbebotschaften oder Hausbesuchen. Wir erklären, wie Sie sicher spenden.

Schöner die Münzen nie klingen als in der Weihnachtszeit. Der Geldbeutel sitzt lockerer, die festliche Stimmung bewirkt ihr Übriges, um zum Ende des Jahres noch mal was Gutes zu tun. Doch wer dem netten jungen Mann mit dem treuherzigen Blick voller Mitgefühl ein paar Euro „für die armen, hungernden Kinder“ in die Blechdose wirft, tut nicht unbedingt Gutes. Zumindest nicht für die Kinder. Skepsis ist angebracht.

Eigenverantwortung der Bürger gefordert

Seit drei Jahren kann sich jeder auf die Straße stellen oder von Haustür zu Haustür wandern, um Spenden einzutreiben. Das Bayerische Sammlungsgesetz gibt es nicht mehr und damit auch keine staatliche Überprüfung der sammelnden Organisationen. Man habe für dieses Gesetz keine Notwendigkeit mehr gesehen, hieß es aus dem Innenministerium. Darüber hinaus habe man auch nicht genügend Personal, um die Seriosität jedes einzelnen Sammlers zu überprüfen. „Für die Bürgerinnen und Bürger bedeutet das, dass sie sich (...) eigenverantwortlich (...) informieren sollten“, teilte das Ministerium mit. Keine leichte Aufgabe.

Jedes Jahr landen in Deutschland über fünfeinhalb Milliarden Euro in den Blechdosen und auf den Bankkonten gemeinnütziger Organisationen. „Der Kampf um ein Stückchen vom Kuchen wird immer härter ausgefochten“, beobachtet Stefan Loipfinger. Der Journalist hat 2008 das Internetportal „Charity Watch“ ins Leben gerufen. Dort nennt er Vereine mit fragwürdigen Methoden beim Namen, beschreibt Positiv-Beispiele und gibt Tipps für Spender.

Ein Erkennungsmerkmal professioneller Organisationen ist das Spendensiegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen, DZI (siehe Kasten). Um diese Kennzeichnung zu bekommen, müssen Vereine bestimmte Kriterien erfüllen, aber auch regelmäßig zahlen. „Besonders kostenbewusste oder kleinere Vereine scheuen diese Ausgaben“, sagt Loipfinger. Daher können auch andere Hilfswerke ohne Siegel empfehlenswert sein – vor allem Vereine und Institutionen in der Region, „die man persönlich kennt und denen man vertraut“, sagt auch Burkhard Wilke, Geschäftsführer des DZI.

Sieben Regeln zum Spenden

Mit diesen Ratschlägen vom DZI und von Charity Watch schützen Sie sich vor Spenden-Fallen:

-Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen. Spenden und Förderungen sind freiwillige Leistungen, zu denen man weder überredet werden sollte, geschweige denn gezwungen werden kann. Stark Mitleid erweckende Werbung ist ein Kennzeichen unseriöser Organisationen. Wenn auf die berechtigte Frage nach mehr Informationen eine pampige oder ausweichende Antwort kommt, behalten Sie Ihr Geld lieber.

-Spenden Sie gezielt. Nach dem Gießkannen-Prinzip vielen Vereinen ein bisschen zu geben, ist nicht ratsam. Zum einen werden regelmäßig aktive Spender in der Branche registriert und deren Adressen oft gut gehandelt. Dann folgen Massen an Bettelbriefen im Briefkasten. Zum anderen ist der Aufwand bei vielen kleinen Spenden zu groß, schließlich gehen immer Verwaltungs- und Werbegebühren ab. Erst ab 100 Euro kann es sich lohnen, eventuell zu splitten.

-Misstrauen Sie dringlichen Aufrufen. „Spenden Sie jetzt sofort, sonst stirbt morgen dieser Hund!“ Derartige Erpressungsversuche sind absolut unseriös.

-Spenden Sie überlegt, nicht impulsiv. Wer wirklich helfen möchte, sollte sich die Zeit nehmen, um sich über die Organisation, deren Ziele und Arbeit zu informieren. Wichtige Informationen stehen in den Jahresberichten und Projektbeschreibungen. Geben Vereine mehr als 20 Prozent ihrer Einnahmen für Werbung oder Verwaltung aus, ist das zu hoch. Alles unter zehn Prozent ist löblich, sagt aber allein auch noch nichts über die tatsächliche Verwendung aus.

-Unterschreiben Sie Förderverträge nicht übereilt. Wer seine Unterschrift an der Haustür unter einen Vertrag über eine Fördermitgliedschaft bei einer gemeinnützigen Organisation setzt, muss wissen, dass er davon nicht so schnell zurücktreten kann. Das Haustürwiderrufsgesetz, durch das man innerhalb einer Woche vom Vertrag zurücktreten kann, gilt hier in aller Regel nicht.

Immer mehr Vereine arbeiten dabei mit Profis zusammen, die auf Provisionsbasis neue Mitglieder für sie akquirieren. „Bis zu 80 Prozent des ersten Jahresmitgliedsbeitrags gehen direkt an die Werbefirma“, sagt DZI-Chef Wilke. Das relativiere sich erst über eine mehrjährige Mitgliedschaft. Für unseriös hält er dieses Modell nur, wenn man den Angesprochenen nicht von sich aus auf die Provisionen hinweist. Nach Loipfingers Erfahrung fehle dieser Hinweis jedoch häufig oder werde erst durch hartnäckiges Nachfragen zugegeben – selbst bei bekannten Hilfswerken.

-Sachspenden nur auf Nachfrage geben. Geldspenden können flexibel eingesetzt werden. Sachspenden dagegen verursachen zusätzliche Transportkosten und sollten nur gegeben werden, wenn das Hilfswerk gezielt danach fragt.

-Warenverkäufer hinterfragen. Beliebt sind auch Hausierergeschäfte, bei denen gerne Waren aus sozialen Einrichtungen zu meist überteuerten Preisen angeboten werden. Fragen Sie den Verkäufer nach seinem Ausweis und bitten Sie ihn im Zweifel in zehn Minuten noch mal zu kommen, nachdem Sie sich telefonisch bei der dort genannten Einrichtung erkundigt haben. Wird der Verkäufer sauer oder zeigt kein Verständnis, ist das ein gutes Zeichen für schlechte Absichten.

Stefanie Backs

Rubriklistenbild: © dpa

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