Spenden mit gesunder Skepsis

- Zur Adventszeit klingen nicht nur die Glocken, auch die Büchsen der Spendensammler scheppern lauter als sonst. Vorweihnachtszeit ist Spendenzeit, doch nicht immer sind die angeblich wohltätigen Verbände so sozial, wie sie sich geben.

Unseriöse Organisationen nutzen gerne eine "Rechtslücke", wie Bernhard Wilke, Geschäftsführer des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) weiß. Sie schmücken sich mit dem Begriff "gemeinnützig" oder der Abkürzung "e.V." (eingetragener Verein) - beides ist jedoch rechtlich nicht geschützt und "sagt überhaupt nichts aus", betont Wilke. Und auch wenn das Finanzamt die "Gemeinnützigkeit" bestätigt hat und die Organisation eine Steuernummer aufweist, sei das noch nicht ausreichend.

Ob eine Organisation tatsächlich gemeinnützig handelt, also ausschließlich darauf abzielt, das allgemeine Wohl zu fördern, und dabei keine eigenen Interessen in materieller und wirtschaftlicher Hinsicht verfolgt, werde erst klar, wenn beispielsweise auch der Verwaltungsaufwand geprüft ist. "Das macht das Finanzamt nicht", sagt Wilke, "aber wir." Denn sein Institut vergibt ein Siegel - das DZI-Siegel - woran Verbraucher seriöse Organisationen erkennen können. Auf dieses Erkennungszeichen verweisen auch Verbraucherschützer. "Es gibt aber auch absolut seriöse Firmen, die dieses Siegel nicht haben", erklärt Juristin Petra von Rhein von der Verbraucherzentrale Bayern. Vor allem regionale Verbände oder Aktionen sind beim DZI nicht gemeldet - wie auch die Weihnachtsaktion unserer Zeitung "Der Merkur hilft Kindern", die ab 1. Dezember startet.

Besondere Vorsicht ist geboten, wenn es an der Haustür klingelt. Sind die Spendensammler allzu offensiv und kaum dass die Tür aufgemacht wird schon halb in der Wohnung, "dann sind sie auf keinen Fall seriös", sagt die Juristin Petra von Rhein. "Sofort wegschicken" sei da das einzig richtige Verhalten. "Spenden ist eine freiwillige Gabe ohne Gegenleistung", erklärt von Rhein, "ich darf nicht eingeschüchtert, gezwungen oder genötigt werden".

Der zweite Rat der Juristin: "Lassen Sie sich einen Ausweis zeigen." Auf dem sollte der Name der sozialen Organisation samt Adresse und Telefonnummer stehen. Und dann sei es am besten, sich diese Daten zu notieren und dann näher zu informieren, bevor man spendet.

Wer in diesem Fall an der Haustür vorschnell seine Unterschrift oder Geld gibt, kann davon nicht zurücktreten. Zwar sieht das Bürgerliche Gesetzbuch ein Widerrufsrecht bei Haustürgeschäften (§ 312) vor, aber nur wenn es sich um "entgeltliche Leistungen" handelt - "und genau das sind Spenden nicht", betont der Jurist der Verbraucherzentrale Bayern, Markus Saller.

Eine neue Regelung gibt es beim Absetzen von Spenden von der Steuer: Rückwirkend zum 1. Januar 2007 trat im Sommer ein Gesetz in Kraft, das die Höchstgrenzen für den steuerlichen Abzug von Spenden einheitlich auf 20 Prozent anhob. Für Spenden bis zu 200 Euro reicht künftig ein einfacher Bareinzahlungsbeleg oder eine Buchungsbestätigung als Nachweis. 

Sieben Goldene Spenden-Regeln

Das DZI, das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (www.dzi.de), gibt Spendenden folgende Tipps:

Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen ­ weder durch Werbende an der Haustür oder auf der Straße, noch durch gedruckte Spendenwerbung. Stark Mitleid erweckende und gefühlsbetonte Werbung ist ein Kennzeichen unseriöser Organisationen.

Konzentrieren Sie Ihre Spenden auf wenige Organisationen. Das erleichtert die Seriositätsprüfung und mindert den Verwaltungsaufwand. Wer vielen Hilfswerken spendet, wird von allen Organisationen als "aktiver Spender" registriert und bekommt noch mehr Werbung.

Misstrauen Sie übertrieben dringlichen Spendenaufrufen. Seriöse Hilfswerke haben vorgesorgt und können die erste Hilfe ohne Rücksicht auf den Spendeneingang starten.

Spenden Sie überlegt, nicht impulsiv. Informieren Sie sich per Internet, fragen Sie nach Jahresberichten und Projektbeschreibungen. Die sollten verständlich, sachlich und informativ sein.

Bei Fördermitgliedschaften gibt es in der Regel kein gesetzliches Rücktrittsrecht. Verpflichten Sie sich deshalb nicht leichtfertig zur Zahlung eines monatlichen Förderbeitrags.

Geldmittel können von den Hilfswerken flexibler und effizienter eingesetzt werden als Sachspenden. Transportkosten entfallen, viele Produkte können billiger vor Ort gekauft werden und stärken außerdem die Wirtschaft am Zielort.

Zweckgebundene Spenden sollten ebenso die Ausnahme bleiben. Sie engen den Entscheidungsspielraum der Hilfswerke ein und verursachen zusätzlichen Verwaltungsaufwand.  sba

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