Vorsicht vor schwarzen Schafen

Das müssen Sie beim Spenden beachten

Die Spendenbereitschaft der Deutschen ist groß – besonders vor Weihnachten. Doch Verbraucher sollten trotz Nächstenliebe skeptisch sein. Unter den Spendensammlern gibt es schwarze Schafe.

Rund 40 Prozent der Deutschen spenden regelmäßig für karitative Zwecke. Im vergangenen Jahr sind so sechs Milliarden Euro zusammengekommen. Allein zwei Milliarden Euro gaben die Menschen vor Weihnachten. „November und Dezember sind die spendenstärksten Monate im Jahr“, sagt Burkhard Wilke, Geschäftsführer des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI). Im Fernsehen und Radio, im Internet und in Zeitungen wird momentan wieder verstärkt zu Spenden aufgerufen. Auch auf der Straße und an der Haustür wird um eine mildtätige Gabe gebeten. Doch nicht nur die Spendenbereitschaft hat in der Vorweihnachtszeit Hochkonjunktur – auch Hochstapler. Wir geben Tipps, worauf Sie beim Spenden achten sollten.

Gemeinnützigkeit

Ob per Bankeinzug, Überweisung, bar, per Mausklick oder SMS, es gibt viele Wege zu spenden. „Es gibt keinen unsicheren Spendenweg, nur unsichere Spendenorganisationen“, sagt DZI-Geschäftsführer Wilke. Das heißt: Die Auswahl ist wichtig. Bevor man spendet, sollte man sich genau über die jeweilige Spendenorganisation informieren. Besonders wichtig ist dabei, zu überprüfen, ob die Organisation überhaupt als gemeinnützig anerkannt ist. „Eine Organisation kann sich gemeinnützig nennen oder sich den Namen ,Kinder in Not‘ geben – das heißt noch lange nicht, dass sie als gemeinnützig anerkannt ist“, erklärt Wilke. Der Begriff „gemeinnützig“ ist nicht geschützt. Ausschlaggebend ist eine Prüfung des örtlichen Finanzamts. Mit dem Verweis auf die Steuernummer der Spendenorganisation bescheinigt das Amt die Gemeinnützigkeit.

DZI-Spendensiegel

Die Gemeinnützigkeit ist laut Wilke die Grundvoraussetzung, um einer Organisation Vertrauen zu schenken. Doch reicht das? Kann man sich bei einer Spendenorganisation, die als gemeinnützig anerkannt ist, sicher sein, dass die Spende wirklich dort ankommt, wo sie gebraucht werden? Werden die Spendensammler überwacht? In Deutschland gibt es lediglich ein Institut, das Spendenorganisationen prüft – das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI).

251 deutsche Organisationen tragen das Spendensiegel des DZI. Eine kleine Gruppe, wenn man bedenkt, dass es deutschlandweit rund 600 000 als gemeinnützig anerkannte Organisationen gibt. Viele Initiativen sind allerdings klein und arbeiten lediglich regional – wie etwa die Spendenaktion gegen Altersarmut, die unsere Zeitung gemeinsam mit der Sparda-Bank veranstaltet. Für sie ist das DZI-Siegel nicht gedacht. Um das Siegel beantragen zu können, muss eine Spendenorganisation bundesweit aktiv sein und mindestens 25 000 Euro im Jahr einnehmen. Rund 2000 solche großen Organisationen gibt es in Deutschland.

Beantragt eine Organisation das DZI-Siegel, muss sie die Kosten für die detaillierte Prüfung selbst tragen – auch das schreckt einige Organisationen ab. Das DZI durchleuchtet die Organisation, die Öffentlichkeitsarbeit und die Finanzen. Es gibt Richtlinien, was Provisionen, Jahresberichte, Sparsamkeit und Transparenz angeht. „In der Summe stellen unsere Standards sicher, dass die Spenden dort ankommen, wo sie ankommen sollen“, sagt DZI-Geschäftsführer Wilke. Das Prüfnetz sei so dicht wie möglich. Das DZI-Siegel gilt für ein Jahr – danach wird die Organisation erneut geprüft. Die meisten bestehen. Anders ist das bei neuen Anträgen – bei der ersten Prüfung fallen laut Wilke rund 30 Prozent durch.

Online-Datenbank

Das DZI sammelt allerdings nicht nur Informationen über Spendenorganisationen, die ein Siegel beantragen. Wenn viele Anfragen zu ein und derselben Organisation beim Institut eingehen, stellt das DZI auf eigene Faust Ermittlungen an. Diese „Basisinformationen“ werden im Internet unter www.dzi.de veröffentlicht. Dort findet sich auch eine Liste von Spendensammlern, die das DZI als nicht vertrauenswürdig befunden hat.

Vorsicht bei Druck

Unabhängig davon, ob eine Organisation als gemeinnützig anerkannt ist, ein DZI-Siegel trägt oder nicht, gilt es beim Spenden einiges zu beachten. „Wenn im Werbegespräch Druck ausgeübt wird oder schockierende Fotos gezeigt werden, sollte man vorsichtig sein“, warnt Wilke. Seriöse Organisationen haben so etwas in der Regel nicht nötig. Wer in der Fußgängerzone ein paar Münzen in eine Sammeldose steckt, sollte sich bewusst sein, dass dort jeder sammeln kann – dahinter muss keine gemeinnützige Organisation stecken. „Früher haben Sammler eine Genehmigung des Ordnungsamtes gebraucht, das wurde im Zuge des Bürokratieabbaus abgeschafft“, erklärt Wilke.

Fördermitgliedschaft

Es gibt seriöse und unseriöse Organisationen, die Fördermitglieder anwerben. Wer seine Unterschrift unter einen Fördermitgliedschaftsvertrag setzt, sollte allerdings wissen, dass das gesetzliche Widerrufsrecht hier nicht gilt. „Das Widerrufsrecht gilt nur bei einem Kauf, nicht bei einer freiwilligen Gabe ohne Gegenleistung“, erklärt Wilke. Seriöse Organisationen räumen freiwillig ein zweiwöchiges Widerrufsrecht ein. Man sollte das Kleingedruckte gewissenhaft lesen. Manche Organisationen verpflichten ihre Unterstützer zu zwei Jahren Mitgliedschaft, der Mitgliedsbeitrag wird gleich zu Beginn für die vollen zwei Jahre vom Konto abgebucht.

Soziales Einkaufen

Ein Mausklick und schon ist die Spende unterwegs. Spenden im Internet wird immer beliebter. Die Vorteile liegen auf der Hand: Die papierlose Vermittlung von Spenden spart Zeit, Kosten und Personal. Grundsätzlich gelten hier die gleichen Regeln wie bei den traditionellen Sammelformen. „Komplizierter wird es, wenn Spendenportale im Internet als Mittler auftreten“, sagt Wilke. Betterplace.org oder HelpDirect.org sind nur zwei Beispiele. Die Portale sammeln Spenden und geben sie an Hilfsorganisationen weiter. Hier gilt: Genau darauf achten, welche Projekte und Organisationen begünstigt werden. Immer beliebter wird außerdem das „Soziale Einkaufen“ (social shopping). Einige Onlineshops kooperieren mit Plattformen, die wiederum Hilfsorganisationen unterstützen. Beim Einkauf gehen dann zum Beispiel 5 Cent an diese Plattform für einen guten Zweck. Das DZI rät bei solchen Angeboten trotz des sozialen Nebeneffekts, auf vorteilhafte Preise zu achten und darauf, dass auch ein angemessener Teil des Geldes beim Spendenempfänger ankommt.

Steuern sparen

Spenden können von der Steuer abgesetzt werden – theoretisch bis zu 20 Prozent des zu versteuernden Einkommens. Bis 200 Euro reicht sogar der Kontoauszug. Bei höheren Beträgen sollten sich Spender eine sogenannte Zuwendungsbestätigung von der Spendenorganisation ausstellen lassen.

Manuela Dollinger

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