Das sollten Sie beachten

Spenden mit Herz und Verstand

München - Spendensammler haben in der Weihnachtszeit alle Hände voll zu tun. Denn dann sind viele Menschen besonders großzügig. Damit das Geld auch da ankommt, wo es hin soll, müssen Spender aber mitdenken.

In den Wochen vor Weihnachten hat Spenden Hochkonjunktur. Wer anderen helfen will, hat dann die Qual der Wahl. Und nicht nur das, beim Spenden gibt es auch einiges zu beachten.

Wohin mit der Spende?

Die Zahl der Hilfsorganisationen scheint unüberschaubar: Die einen kümmern sich um in Menschen in Not, andere um Natur und Umwelt, die nächsten um Tierschutz. Aus dem riesigen Angebot das richtige herauszufiltern, ist schwierig. Ein Blick auf eigene Interessen und Hobbys kann die Entscheidung erleichtern. Nicht immer muss die Zuwendung einer Organisation zugutekommen, die bundes- oder weltweit aktiv ist. Häufig tun auch Projekte direkt um die Ecke Gutes.

Wie die Seriosität des Hilfswerks testen?

Auf der Homepage der Hilfsorganisationen und im Tätigkeitsbericht sollten Einnahmen und Ausgaben nachvollziehbar offengelegt sein. „Die Bereitschaft, Auskunft zu geben, ist ein wesentliches Kriterium für Vertrauenswürdigkeit“, sagt Burkhard Wilke vom Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI). Es prüft die Seriosität von Spendenorganisationen. Sie bekommen ein Siegel, an dem sich Spender orientieren können. Derzeit stehen rund 230 Hilfswerke auf der Internet-Übersicht. Der Dachverband Deutscher Spendenrat listet ebenfalls vertrauenswürdige Helfer auf. Das DZI veröffentlicht zusätzlich eine Warnliste. Einen anderen Hinweis zur Seriosität liefert die vom Finanzamt anerkannte Gemeinnützigkeit (Paragraf 52-54 Abgabenordnung). Erst dann dürfen Vereine, Organisationen oder Kirchen Spendenquittungen ausstellen. Das ist wichtig fürs Finanzamt.

Welche Spendenorganisationen sind besonders transparent?

Die in Bonn ansässige Welthungerhilfe und das christliche Hilfswerk World Vision in Friedrichsdorf informieren potenzielle Spender am besten über Strategie, Aktivitäten und Wirkung ihrer Arbeit. Das geht aus einem aktuellen Transparenz-Ranking hervor. Im Auftrag von Spiegel Online untersuchte das Berliner Beratungsunternehmen Phineo die im Internet verfügbaren Eckdaten von 50 großen Hilfsorganisationen mit Sitz in Deutschland. Das Entwicklungshilfswerk Misereor erzielt in der Liste mit Rang zehn die beste Platzierung unter den untersuchten katholischen Hilfswerken. Es folgen das Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ (Platz 17), das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat und Caritas International (beide Rang 19), die Malteser (Platz 29) und missio (Platz 37). Das evangelische Hilfswerk „Brot für die Welt“ landete auf Rang 17.

Sind Geld- oder Sachspenden besser?

Den meisten Organisationen ist Geld lieber. „Es kann flexibler und effizienter eingesetzt werden“, sagt Burkhard Wilke. Sach- oder Lebensmittelspenden sollten nur auf ausdrücklichen Wunsch gegeben werden, denn oft gibt es Probleme beim Transport. Am falschen Ort verursachen die Spenden unnötig Aufwand und Kosten. Im Zweifelsfall gilt daher: Lieber vorher anrufen. Ob Kleidung, Möbel oder Spielsachen – wichtig ist außerdem, dass die Sachen gut erhalten sind.

Wo kann man Sachspenden abgeben?

Anlaufstellen in der Region sind unter anderem die Gebrauchtwarenmärkte und Kleiderkammern der Caritas. Standorte, Öffnungszeiten und Telefonnummern sind im Internet unter www.caritas-nah-am-naechsten.de abrufbar. Kleiderspenden nimmt auch die Heilsarmee München (Steinerstraße 20, 81369 München) gerne an. Gut erhaltene Bücher, CDs und DVDs kann man zum Beispiel bei Oxfam abgeben. Kontaktdaten gibt es unter www.oxfam.de. Über Futter- und Sachspenden freut sich auch die Tiertafel München (www.tiertafelmuenchen.de).

Wer nicht weiß, wohin mit seinen Sachspenden, kann auch über die Internet-Plattform www.wohindamit.org eine geeignete soziale Einrichtung in seiner Nähe suchen.

Auf welchem Weg lässt sich Geld spenden?

Geldspenden sollen zügig und kostengünstig ankommen. Der klassische Weg führt über Banküberweisung, Lastschrift oder Online-Banking. Online spenden geht ebenfalls: Viele Hilfswerke bieten auf ihren Websites Spendenformulare oder -buttons an. Im Internet haben sich außerdem Spendenplattformen etabliert, auf denen potenzielle Geber Projekte recherchieren und diese gezielt unterstützen können.

„Darauf achten, wer die Plattform anbietet und ob Transaktionskosten anfallen, die von der Spende abgezogen werden“, rät Wilke. Dieser Tipp gilt auch für Spenden per SMS. Moritz Wohlrab von der „Aktion Deutschland hilft“ plädiert dafür, Geldgaben nicht an einen bestimmten Zweck zu koppeln. Sogenannte ungebundene Spenden könnten flexibler eingesetzt werden.

Was ist mit der Sammelbüchse?

In den Fußgängerzonen wird oft eifrig mit der Sammelbüchse geklappert. Das nervt zwar, ist aber legal. Die meisten Kommunen haben die Sammel-Erlaubnispflicht abgeschafft. Weil somit praktisch jeder um Bares bitten kann, ist Vorsicht geboten. Bei drastischen Plakaten, aggressiver Ansprache und Mitleidsmasche raten das Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen und der Deutschen Spendenrat Verbrauchern zur Zurückhaltung.

Im ländlichen Raum ziehen häufig noch Freiwillige mit der Sammelbüchse von Tür zu Tür. Oft finden diese Haussammlungen zugunsten großer Wohlfahrtsverbände statt. Trotzdem raten Experten: Wer die Organisation nicht wirklich genau kennt, sollte sein Portemonnaie zulassen.

Wie kann man Spenden von der Steuer absetzen?

Zuwendungen an gemeinnützige Organisationen sind von der Einkommensteuer absetzbar. Allerdings braucht man dazu in der Regel eine Quittung. Bei Spenden im Wert von bis zu 200 Euro reicht ein Einzahlungsbeleg, bei Sachen zählt der reale Wert. Bekommt der Zuwender eine Gegenleistung, zum Beispiel Wohlfahrtsbriefmarken oder kostenlose Eintrittskarten, droht ihm Ärger mit dem Finanzamt, wenn er die gesamte Spendensumme absetzen will.

Bis zu welcher Höhenickt der Fiskus Spenden ab?

„Insgesamt können Spenden in Höhe von bis zu 20 Prozent der Gesamteinkünfte geltend gemacht werden“, sagte Nora Schmidt-Kesseler, Hauptgeschäftsführerin der Bundesteuerberaterkammer (BStBK). Ein Arbeitnehmer mit 50 000 Euro Einkommen kann also maximal 10 000 Euro als Sonderausgabe eintragen, entsprechende Spendenquittungen vorausgesetzt. Alternativ kann der Empfänger solche Bescheinigungen elektronisch ans Finanzamt schicken. Für Zuwendungen bis zu 200 Euro entfällt die Spendenquittung. Ein Einzahlungsbeleg reicht.

Monika Hillemacher und Manuela Dollinger

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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