Spielgemeinschaften: Fehlschüsse auf der Jagd nach dem Glück

- Dem Traum von der Glücksmillion jagen etwa 20 Millionen Menschen Woche für Woche mit ihren Lottoscheinen nach. Immer mehr Spieler setzen dabei auf organisierte Tippgemeinschaften. Doch statt Geld einzustreichen, müssen Millionen um ein Vielfaches tiefer in die Tasche greifen als beim normalen Tippen, schlagen Verbraucherschützer Alarm.

<P>Die einen locken via Anzeigen und Internet mit höheren Gewinnchancen und System, die anderen animieren telefonisch zum Mitspielen bei angeblicher Einsatz-zurück-Garantie, wenn die Zahlen daneben liegen. "Aufschläge von 400 bis 500 Prozent auf die regulären Gebühren sind keine Ausnahme", mahnt Markus Saller, Jurist der Verbraucherzentrale Bayern, zur Vorsicht und fügt hinzu: "Da wird kräftig abgezockt." </P><P>Die Kasse klingelt in der Regel nur bei den unzähligen Tippclubs und Internet-Lottogemeinschaften. Zumindest deren Geschäft brummt: Nach Schätzungen des ARD-Ratgebermagazins "Plusminus" sahnen die gewerblichen Anbieter inzwischen schon knapp fünf Prozent vom Lotto-Umsatz in Deutschland ab.</P><P>Selbst bei seriösen Firmen sollte Spielern klar sein: Wer das Kreuzchen-Machen einem anderen überlässt, muss immer noch Geld draufzahlen, warnt Ralf Reichertz von der Verbraucherzentrale Thüringen. Was aber noch schlimmer ist: Kaum ein Kunde erfährt, was überhaupt gespielt wird. Wie viele spielen mit? Wer wacht über Einsätze und Gewinne? Wie viel Geld wird eigentlich für Zahlenreihen ausgegeben? Welcher Prozentsatz landet im Säckel des Tipp-Clubs, welcher in Verwaltungs- und Bearbeitungsposten?</P><P>"Schlimmstenfalls wird nur ein Bruchteil eingesetzt, den größeren Batzen behält die Firma für sich", beschreibt Reichertz die Arbeitsmethode "schwarzer Schafe" in der Branche. Beim Spiel mit der "Deutschen System Lotto GmbH" befürchtet "Finanztest" beispielsweise, dass Spieler jeglicher Chancen beraubt sein könnten - weil die Möglichkeit besteht, dass Lottoscheine gar nicht abgegeben werden.</P><P>Misstrauen sollte zudem angebracht sein, wenn Lotto-Clubs mit "Geld zurück"-Versprechen werben. Mal wird versichert, dass 2500 Euro zurückfließen, wenn innerhalb eines Jahres kein Gewinn erzielt wird. Ein anderes Mal soll der Spieleinsatz angeblich nach drei Monaten zurückbezahlt werden, wenn sich das Glück dann noch nicht eingestellt hat. "Damit werden Kunden nur bei der Stange gehalten", ist Saller überzeugt. Von einem Geldrückfluss habe er noch nie gehört.</P><P>Weitere Haken können sein: Gewinne unterhalb festgelegter Grenzen - 50, 30 oder elf Euro - werden nicht ausgezahlt. Andere schütten ständig nur Mini-Summen im Cent-Bereich aus. Das hält hin. Auf 5er- und 6er-Gewinne spezialisierte Anbieter zahlen wiederum nur bei Volltreffern aus. Geld aus 3er- und 4er-Serien bekommen die Spieler nie zu Gesicht, wie Saller kritisiert.<BR>Verbraucherschützer raten dringend davon ab, sich am Telefon zum Mitmachen überreden zu lassen. Diese Art der Werbung ist unseriös und unzulässig. Wer unbedingt im Team spielen will, sollte selbst Tippgemeinschaften gründen. Oder dies direkt bei den staatlichen Lotterien tun, sodass niemand mitkassieren kann.</P><P>"Je mehr die Bürger zur Kasse gebeten werden, desto stärker flüchten sie ins Glücksspiel", beschreibt Saller den Trend. Im Übrigen ist das Versprechen, dass Tippen im Kollektiv die Gewinnchancen deutlich nach oben hievt, eine reine Seifenblase, wie Reichertz vorrechnet: Die Wahrscheinlichkeit, sechs Richtige zu landen, liegt bei etwa 1:13 Millionen. Das Spielen im Club erhöht die Chance zwar etwas. Wer dann aber tatsächlich einen Volltreffer erzielt, muss den Jackpot mit vielen Mitstreitern teilen.</P>

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