Spionage-Verdacht: Moskauer Geheimdienst ermittelt bei Ölkonzern TNK-BP

Moskau - Nach der Durchsuchung der Firmenzentrale des britisch-russischen Ölkonzerns TNK-BP in Moskau hat der Geheimdienst FSB zwei Verdächtige der Industriespionage beschuldigt. Ein Mitarbeiter der Firma und dessen Bruder hätten Geschäftsgeheimnisse an ausländische Öl- und Gasunternehmen weiter gegeben, teilte der Geheimdienst laut der Agentur Interfax mit.

Durch die Weitergabe der Informationen seien russische Wettbewerber benachteiligt worden. Die Verdächtigen seien im Besitz je eines russischen und eines US-amerikanischen Passes, hieß es. TNK-BP steht seit langem im Visier russischer Behörden.

Russische Ermittler hatten am Mittwoch die Geschäftsräume des Konzerns sowie von BP Trading Ltd. durchsucht. Dabei seien erdrückende Beweise sichergestellt worden, hieß es in einer Mitteilung des Geheimdienstes FSB. Der beschuldigte Mitarbeiter und dessen Bruder, der offiziell für das britische Kulturinstitut British Council in Moskau gearbeitet habe, waren bereits am 12. März verhaftet worden.

Experten sehen in dem Vorgehen gegen TNK-BP den Versuch der russischen Führung, die Kontrolle über ausländische Investitionen im russischen Energiesektor auszuweiten. Der britische Konzern BP ist zu fast 50 Prozent am drittgrößten russischen Ölförderer TNK beteiligt. TNK-BP musste im Vorjahr seinen Mehrheitsanteil am Gasfeld Kowykta an den vom Kreml kontrollierten Konkurrenten Gazprom abtreten.

Der russische Anteil von TNK-BP wird von den Milliardären Michail Fridman und Viktor Wekselberg kontrolliert. Seit längerem spekulieren Moskauer Analysten darüber, dass die Oligarchen auf Druck von oben ihre Beteiligung an TNK-BP an einen russischen Staatskonzern abtreten werden. Der Kreml hat in den vergangenen Jahren schrittweise die Kontrolle des Staates über die Energieförderung wiederhergestellt.

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