Spitze bei Teamgeist und Fairness

- Berlin - In der Vitrine, die Ulrich Schwanengel in seiner Firma Consol Software hat, wird's eng. Das Unternehmen schraubte in den vergangenen Jahren nicht nur die Umsätze hoch. Auch die Preise, die der Mathematiker mit seinen Kollegen eingefahren hat, mehren sich. Nun brauchte eine weitere Plakette Platz: Bester Arbeitgeber Deutschlands 2006 in der Klasse der Mittelständler ist das Münchner Unternehmen geworden - gekürt von den Mitarbeitern.

Bereits zum vierten Mal haben "Capital" und das Institut "Great Place to Work" diesen Wettbewerb ausgelobt, an dem sich 165 Unternehmen mit 226 000 Mitarbeitern beteiligten. 50 000 davon wurden zufällig ausgewählt und mussten einen Fragenkatalog beantworten. Im Mittelpunkt standen Respekt, Fairness gegenüber Mitarbeitern, Teamorientierung im Unternehmen und Glaubwürdigkeit.

Diese bescheinigten die Mitarbeiter von Consol dem Unternehmen mit der Note Eins plus. "Wir setzen auf eine offene Unternehmenskultur", sagt Schwanengel, der 1984 als Ein-Mann-Unternehmen begann. Jeder der inzwischen 130 Mitarbeiter kann heute an Direktoriumssitzungen teilnehmen und über die Belange der Firma abstimmen. Der Unternehmer schüttet auch am Jahresende 50 Prozent des Gewinns an sein Personal aus.

Ob ein Geschäft toppt oder floppt - dafür tragen auch die Mitarbeiter von Skytec (Oberhaching) die Verantwortung. Sie kümmern sich im Rahmen ihrer Projekte um die Koordination vor Ort beim Kunden - ohne Abstimmung mit der Chef-Etage. Die Gründer Thomas Geyer und Christian Veitl kamen auf Platz drei unter den Firmen, zwischen 50 und 150 Mitarbeitern.

Ganz oben bei den Arbeitgebern, mit über 5000 Mitarbeitern, landete das Softwarehaus SAP Deutschland; zwei Plätze dahinter liegt die Rohde & Schwarz (München).

Zwischen 501 bis 5000 Beschäftigten ist der Kunststoff-Hersteller W.L. Gore Spitze. "Make money and have fun" ist zwar ein ungewöhnliches Motto für ein High-Tech-Unternehmen, aber dem Putzbrunner Kunststoffhersteller W. L. Gore & Associates (Gore-Tex) hat die dahinter steckende Firmenkultur den Titel eingebracht. Weniger wegen des Vergnügens das dort die Arbeit bringt, als eher wegen des Respekts, den die Mitarbeiter im Unternehmen genießen. "Der erste Platz in der Kategorie Mittlere Unternehmen ist ein eindrucksvolles Zeichen dafür, wie gerne die Mitarbeiter bei Gore arbeiten", meinte am Mittwoch Eduard Klein, Geschäftsführer von Gore in Putzbrunn. Seit der Gründung 1958 durch Bill und Viewe Gore gilt im Unternehmen die Überzeugung, dass man am kreativsten in einem Team gleichberechtigter Personen arbeitet. Die Unternehmenseinheiten sind übersichtlich und persönlich, die Kommunikationswege kurz und die Führungskräfte halten ihre Türen offen.

Einen langen Atem hat Ulrich Schwanengel bewiesen. Zu Teamgeist motiviert er auch mit ausgehängten Leitsätzen. "Argumente statt Anweisungen" steht da zum Beispiel. Ob Consol auch im europäischen Vergleich zu den Besten gehört, stellt sich im Mai heraus, wenn die Ergebnisse des Wettbewerbs in der EU kommen. Vielleicht muss Schwanengel wieder Platz in seiner Vitrine schaffen.

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