Spitzen-Banker vor Gericht: Breuer sagt, was er nicht sagen wollte

- München - Nachdem die Fotografen von Stühlen und Tischen gestiegen waren und die Kameraleute ihre Leitern abgebaut hatten, konnte die Show beginnen im Oberlandesgericht (OLG) München. Im Blitzlichtgewitter vor dem 21. Zivilsenat war Rolf Breuer erschienen. Der ehemalige Deutsche-Bank-Chef trat an zur Video-Analyse. Gegenstand: ein Interview von ihm mit einer Aussage über Leo Kirchs Medienkonzern, die dieser für den Auslöser seiner Pleite hält.

<P>"Ich gehöre zu den Optimisten" - das war Breuers erster Satz aus dem Interview mit dem Wirtschaftskanal Bloomberg vom 4. Februar 2002, das das Gericht zum Auftakt der Verhandlung vorführte. Diese Einschätzung bezog sich auf die Konjunktur. Und sie war nicht das einzige, das für Rolf Breuer falsch gelaufen ist in den Minuten des Interviews, das er wohl am meisten bereut.</P><P>"Was alles man darüber lesen und hören kann, ist ja, dass der Finanzsektor nicht bereit ist, auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder Eigenmittel zur Verfügung zu stellen."<BR>Die umstrittene Aussage von Rolf Breuer über die Kirch-Gruppe</P><P>Denn darauf stützt sich eine Klage des gestürzten Medien-Moguls Leo Kirch, deren Streitwert von Kirchs Anwälten auf 100 Millionen Euro geschätzt wird, die aber viel größere Dimensionen für die Deutsche Bank und ihren Ex-Chef haben könnte. Als der Moderator von Breuer wissen wollte, ob Kirch mit weiteren Krediten unterstützt werde, sagte der die verhängnisvollen Sätze: "Das halte ich für relativ fraglich. Was alles man darüber lesen und hören kann, ist ja, dass der Finanzsektor nicht bereit ist, auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder Eigenmittel zur Verfügung zu stellen." Zwei Monate später meldete Kirch Insolvenz an. Das OLG soll entscheiden, ob Breuer mit seiner Aussage das Bankgeheimnis verletzt hat und Kirch Schadensersatz zusteht. Das Landgericht hatte Kirch Recht gegeben.</P><P>Breuer beteuerte, dass er sich nicht als Aufsichtsrats-Chef der Deutschen Bank und auch nicht als Präsident des Bundesverbands deutscher Banken angesprochen gefühlt habe, sondern als "Privatperson, die sich mit 35 Jahren Bankenerfahrung zu so einem Komplex äußern könnte". Er habe über keinerlei interne Kenntnisse verfügt, sondern sich allein auf Veröffentlichungen in den Medien bezogen. Zudem habe er die Kreditentscheidungen in den Banken nicht beeinflussen können. "Dass in diesem sehr komplexen und ausgefuchsten Kreditprozess ein Interview eine Rolle spielen soll, erscheint mir äußerst abwegig, das ist eine Zumutung für die Beteiligten."</P><P>Das sehen Lothar Lanz, Finanzvorstand von Pro-Sieben-Sat.1, und Kirch-Vize Dieter Hahn anders. Nach dem Interview sei die "Landschaft eine vollkommen andere" gewesen, sagte Hahn. Der damalige Chef der Bayerischen Landesbank, Werner Schmidt, habe gesagt, dass er "keine Möglichkeit sehe, ohne Verletzung seiner Sorgfaltspflicht auf die Rückführung von Krediten zu verzichten, wenn Breuer als führender Repräsentant des deutschen Kreditwesens die Kreditunwürdigkeit der Gruppe postuliert". Unter anderem mit Hinweis auf Breuers Interview habe der Chef der Landesbank Rheinland-Pfalz eine Weiterführung von Krediten abgelehnt, erklärte Lanz. Das Gericht will am 10. Dezember sein Urteil verkünden. Es wird damit gerechnet, dass der Streit anschließend vor dem Bundesgerichtshof weitergeführt wird.</P>

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