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Der Deutsche Weinbauverband hält eine Überarbeitung der Etiketten für notwendig. Foto: Bernd Thissen/Illustration

Qualitätsstufen

Spitzenwinzer: "Bezeichnungsdschungel" bei Wein lichten

Ist ein "Prädikatswein" besser als ein "Qualitätswein" oder hat er nur mehr Restzucker? Ist "Selection" etwas Besonderes? Die Bezeichnungen auf den Etiketten sind vielfältig. Zu vielfältig, meint ein Verbandspräsident.

Mainz (dpa) - Den "Bezeichnungsdschungel" auf den Etiketten der Weinflaschen in Deutschland möchte der Präsident des Verbandes Deutscher Prädikatsweingüter (VDP) lichten. "Ein Fass Wein kann mit 15 bis 20 verschiedenen Bezeichnungen abgefüllt werden", sagte Steffen Christmann der Deutschen Presse-Agentur. "Den Kunden ist das zu kompliziert."

Christmann hält das verästelte Weinrecht und die daraus resultierende Begriffsvielfalt für einen der Gründe, warum die Menschen im Ausland oft einen Bogen um Wein aus Deutschland machen. Der deutsche Wein insgesamt habe seit 2008 die Hälfte seines Exports verloren, während die VDP-Spitzenweine, die eine eigene vierstufige Pyramide zur Klassifizierung verwenden, kräftig zugelegt hätten. "Unsere Konzeption wird verstanden, auch international", meint Christmann.

Auf den Etiketten in Deutschland steht die Qualitätsstufe, also "Tafelwein", "Landwein", "Qualitätswein" oder "Prädikatswein" - wobei auf die beiden letztgenannten 96 Prozent des Weins entfallen. Hinzu kommt verpflichtend das Anbaugebiet sowie der Erzeuger. Doch viel mehr ist möglich: Begriffe wie "Classic" und "Selection" sowie traditionelle Begriffe wie "Riesling-Hochgewächs", "Liebfraumilch" oder "Weißherbst". Außerdem Hinweise wie "Steillage" und Verfahren wie "Barrique". 

Immer mehr Weingüter sind dazu übergegangen, selbst weitere Qualitätsstufen einzuführen, wie Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut sagt. Das könnten - angelehnt an den VDP - die Kategorien "Ortswein", "Gutswein" und "Lagenwein" sein. Andere verteilten Sterne oder Buchstaben. Wenn aber ein Kunde den Erzeuger nicht kennt, sondern im Supermarkt oder Discounter kauft? Dann könne er bei einem trockenen Wein die Qualität kaum erkennen, gibt Büscher zu. "Dann ist der Preis das wesentliche Kriterium."

Der Deutsche Weinbauverband hält eine Überarbeitung der Etiketten ebenfalls für notwendig. In diesem Jahr solle ein Vorschlag erarbeitet werden, wie die Vorgaben der Europäischen Union auf nationaler Ebene umgesetzt werden könnten, sagte Generalsekretär Rudolf Nickenig. Bislang sei das aufgrund von undurchsichtigen EU-Regelungen nicht möglich gewesen - nun aber lichte sich der Nebel. "Es gibt einen Blumenstrauß von Fragen, den wir mit unseren Mitgliedsverbänden anpacken wollen."

Die Landesregierung von Rheinland-Pfalz, wo zwei Drittel des deutschen Weins produziert werden, will auf eine Vereinfachung des Bezeichnungssystems hinwirken. Für ein erfolgreiches Marketing seien klare und schnell verständliche Botschaften von Vorteil, erklärte das Wirtschaftsministerium in Mainz. Allerdings: Die Einflussmöglichkeiten einer Landesregierung seien begrenzt.

VDP-Präsident Christmann sieht ein Vorbild in anderen Ländern. "Beim Chianti muss sich der Konsument nur ein Wort merken. Und wenn er das nächste Mal wieder einen Chianti kauft, schmeckt dieser wieder so." Österreich wiederum habe die Herkunftsgebiete DAC (Districtus Austriae Controllatus), etwa das Kamptal. In Deutschland hingegen gebe es "tausend verschiedene Varianten zum Pfalzwein".

VDP-Klassifikation

Deutsches Weingesetz

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