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Hohe Zinsen oft nur mit Bedingungen: Bei Tagesgeld droht manche Falle.

Tagesgeld

Spitzenzinsen mit Haken

Trotz sinkender Leitzinsen lockt nach wie vor manche Bank mit attraktiven Konditionen. Doch die sind oft an Bedingungen geknüpft. Wer nicht aufpasst, wird mit mageren Zinsen abgespeist.

Nachdem die Notenbanken weltweit die Zinsen gesenkt haben, schraubten auch die Geldinstitute in Deutschland ihre Tagesgeldzinsen drastisch herunter. Ein Beispiel: Die Comdirect-Bank zahlte für das „Tagesgeld-Plus“ ab dem 30. September 2008 vier Prozent Zinsen, inzwischen ist der Satz auf magere 2,5 Prozent gefallen. Doch mitunter wird auch mit wesentlich höheren Zinssätzen geworben. Cortal Consors etwa stellt 6 Prozent für sechs Monate in Aussicht, die DAB-Bank versprach unlängst sogar 8 Prozent. Das Accessio-Wertpapierhandelshaus aus dem schleswig-holsteinischen Itzehoe bietet Neukunden 6,5 Prozent Zinsen für drei Monate, und bei der luxemburgischen Advanzia werden weiterhin effektiv sechs Prozent offeriert.

Verbraucherschützer beobachten das Zinsfeuerwerk allerdings mit Skepsis: „Wer mit Lockofferten langfristig überdurchschnittliche Zinsen einfahren will, muss nach dem Auslaufen des Sonderzinses stets eine neue Bank mit einer solchen Kundenaktion suchen“, sagt Thomas Bieler, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Zudem sind die Hochzins-Angebote allesamt mit Haken versehen: Das Sechs-Prozent-Angebot von Cortal Consors zum Beispiel gilt nur für Guthaben bis 25 000 Euro, ist auf sechs Monate befristet und an eine Wertpapierübertragung von mindestens 6000 Euro gebunden. Und wenn nicht mindestens eine Wertpapiertransaktion pro Quartal durchgeführt wird, ist die Führung des Depots nicht mehr kostenlos, sondern wird mit 1,95 Euro pro Monat berechnet.

Bestes Beispiel für die kuriosen Geschäftsbedingungen der Tagesgeldanbieter war die vermeintliche Zinssensation von acht Prozent der DAB-Bank, die seit kurzem nicht mehr erhältlich ist: Der Sonderzins galt nicht nur allein für Neukunden, sondern war zudem an die Eröffnung eines Wertpapier-Depots bis Ende Januar gebunden. Um in den Genuss der beworbenen acht Prozent zu kommen, musste der Kunde jedoch ein Depot mit einem Gesamtwert von 100 000 Euro übertragen. Und damit nicht genug: Der Höchstzins von acht Prozent wurde nur bis Ende Juni und maximal auf ein Tagesgeld-Guthaben von 30 000 Euro gezahlt. Danach fiel der gestresste Anleger auf den Standardzins zurück – und der liegt derzeit bei mageren drei Prozent.

Vergleichsweise durchsichtig, aber immer noch mit Fallstricken versehen ist das aktuelle Tagesgeldangebot der Netbank: Der Extrazins von 3,8 Prozent gilt nur sechs Monate lang für Neukunden, wenn ein Girokonto eröffnet wird, und ist auf einen Höchstbetrag von 50 000 Euro beschränkt. Danach sinkt er wieder auf 3,3 Prozent. Die Falle: Wird nur ein Cent mehr als 50 000 Euro angelegt, ist der Extrazins für den gesamten Anlagebetrag futsch.

Verbraucherschützer raten deshalb, bei Hochzins-Angeboten genau hinzusehen. Wer den besten Zins haben möchte, muss sein Geld regelmäßig von Bank zu Bank verschieben: „Denn in der zweiten Runde wird der Neukunde zum Altkunden, und dann sind nur noch die Standardkonditionen angesagt“, erklärt Finanzexperte Bieler. Vor allem, wenn der Extrazins an den Abschluss weiterer Finanzprodukte gekoppelt ist, könne schnell der Überblick verloren gehen. Zusätzlichen Aufwand verursacht das Umschichten der Freistellungsaufträge, damit die Zinseinnahmen nicht um die Abgeltungssteuer gekürzt werden. „Sinnvoller ist es, eine Bank zu suchen, deren Standardkonditionen schon über Jahre hinweg in der Spitzengruppe vertreten sind“, empfiehlt Bieler.

von Sebastian Wieschowski

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