Sponsoren im Klassenzimmer: Was in Bayern erlaubt ist und was nicht

- München - Plakate werben für den neuesten Disney-Film, Nokia preist Handy-Klingeltöne zum Runterladen an, und Balsen-Mitarbeiter verteilen kostenlose Proben ihrer neuesten Keks-Kreation. Solche Bilder sind inzwischen an einigen deutschen Schulen Alltag. Angesichts von knappen öffentlichen Kassen eröffnen Werbung und Sponsoring den Schulen neue Geldquellen.

Uneingeschränkt anzapfbar sind diese Quellen freilich nicht. Sponsoring ist zwar an allen Schulen im Bundesgebiet erlaubt, Werbung für Produkte aber lediglich in den Bundesländern Berlin, Sachsen-Anhalt und Bremen - in Bayern nicht. "Reine kommerzielle Produktwerbung und politische Werbung sind verboten", bestätigt Peter Mareis, ein Sprecher des Kultusministeriums. "Hinter dem Schulsponsoring stehen wir allerdings." Einfach deshalb, weil die Zusammenarbeit mit einem Unternehmen das Schulprofil schärfe und weitere Kooperationen ermögliche: etwa hinsichtlich der Berufsausbildung oder außerschulischer Angebote.

Allerdings sei Sponsoring in Bayern nur gestattet, wenn es nach gewissen Regeln betrieben werde. Oberste Grundsätze: Schüler und Lehrer dürfen nicht als Werbeträger dienen, und das Sponsoring muss mit dem Bildungsauftrag vereinbar sein. "Wenn eine Firma etwa neue Fernsehgeräte sponsert, darf die Schule darauf hinweisen", erklärt Mareis. Dieser Hinweis sei auf drei Arten möglich. "Das Firmenzeichen kann in einer vernünftigen Größe auf den Geräten angebracht werden, die Schule kann in ihrem Jahresbericht darauf eingehen oder sich bei passender Gelegenheit mündlich - etwa bei einer Feier - bedanken."

Die Entscheidung, ein Sponsorenangebot anzunehmen, liege beim Schulleiter. "Nach Anhörung des Schulforums oder des Elternbeirats."

Dass kommerzielle Werbung bald in bayerische Schulen einziehen und dort zum Problem werden könnte, glaubt der Geschäftsführer des Zentralverbands deutscher Werbewirtschaft (ZAW), Volker Nickel, nicht. "Unternehmer haben gar kein Interesse an Werbung, nur an Sponsoring." Außerdem sei es nicht so, dass die Unternehmen den Schulen hinterherliefen, sondern umgekehrt. Letztere würden allerdings durch schulischen Bürokratismus und eine Ideologie, welche die Firmen als profitgierig darstellt, abgeschreckt.

In einer bundesweiten Umfrage des ZAW-Werberats gaben 67,8 Prozent der Firmen an, sie wollten lediglich gesellschaftspolitisches Engagement zeigen. "Nur 3,4 Prozent wollen Produkte bewerben", berichtet Nickel. "Dass die Heuschrecken der Wirtschaft nun die armen Kinder überfallen, ist also ziemlich daneben." Allein aus betriebswirtschaftlichen Gründen sei Werbung an Schulen schlichtweg fehl am Platze. "Werbung wird dort ganz anders rezipiert als etwa im Fernsehen. Weil die Kinder ihre Konzentration auf die Lehrinhalte richten." Würde man Werbe-Plakate aufhängen, wären sie schnell voll geschmiert und beklebt, glaubt Nickel. Auch das Argument, die rund 1,8 Millionen bayerischen Schüler könnten die Kaufentscheidung der Eltern beeinflussen, lässt Nickel nicht gelten. "Zu glauben, man könne Kinder mit Hilfe von Werbung konditionieren, ist naiv." Zu früh würden sie in der Schule zu einem kritischen Verbraucherbewusstsein erzogen.

Ein werbefreier Raum sei die Schule deshalb allerdings noch lange nicht. "Die Schule steht ja nicht außerhalb der Lebensrealität. Und was die Kinder draußen wahrnehmen, tragen sich auch nach drinnen."

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