Sportlich statt geräumig: Wie BMW im Golf-Revier wildern will

- Erfolg macht Mut. Nachdem BMW mit dem Mini bereits einen - in dieser Höhe nicht erwarteten - Verkaufsschlager gelandet hat, hat der Münchner Konzern ein noch schwierigeres Kapitel aufgeschlagen. Erstmals wagt sich nun die Marke BMW in direkte Konkurrenz zu Golf & Co, vor allem dessen noblen Abkömmling Audi A3.

<P>Vorsichtig schätzt Marketing-Vorstand Michael Ganal die Stückzahlen ein, die BMW vom 1er auf den Markt unterbringen will. Von zwischen 100 000 und 150 000 ist die Rede. "Neue und jüngere Zielgruppen" will Ganal ansprechen. Menschen, die über "hohe Kaufkraft verfügen". <BR><BR>Das brauchen die 1er-Käufer auch, denn mit 19 800 Euro Basispreis ist das Auto kein Schnäppchen. Stärkere Motoren, Klimaanlage oder andere Extras treiben die Einstiegskosten ganz schnell in Richtung 25 000 Euro. Die Klimaanlage und anderes, was Konkurrenten gratis zugeben, bekommt der BMW-Kunde nur gegen Aufpreis. Ungewöhnliche Dinge, wie pannensichere "Runflat-Reifen" oder Starten ohne Schlüssel, die die Gegner auch nicht gegen Zuzahlung bieten, sind beim 1er aber Serie.<BR><BR>Auch vom Grundkonzept hebt sich der kleine BMW von anderen Kompakten ab. Während Golf & Co möglichst jeden Kubikzentimeter dem Innenraum zuschlagen, und Mercedes mit seiner A-Klasse ebenfalls diesen Weg verfolgt, ging man in München mit dem knappen Gut Raum verschwenderisch um: Ein längs eingebauter Motor zehrt an Koffer- und Innenraum. Letzterer ist auch noch durch den Kardantunnel eingeengt. Denn vom Heckantrieb will BMW bei seiner Stammmarke nicht lassen. Schließlich soll der 1er betont sportlich antreten. Für hochgewachsene Beifahrer kann es auf dem Rücksitz eng werden.<BR><BR>Mehr Platz gibt's erst wieder im Dreier. So versucht BMW einer weiterverbreiteten Sorge von Automarktexperten entgegenzutreten. Diese sprechen von drohender "Kannibalisierung". Ein wenig Angst hat man in München wohl doch davor, dass man das bisher kleinste Auto aus dem eigenen Haus schwächt. Vor allem der 3er Compact fährt in der 1er-Liga. So ist es kein Wunder, dass der nächste 3er länger wird, von gut 20 Zentimetern wächst der Unterschied zum 1er auf rund 30. Und ein neuer 3er Compact gilt als unwahrscheinlich.<BR><BR>Davon aber spricht man bei BMW nicht gern. Schließlich setzt man vor allem auf ganz neue Kunden. Die werden auch auf neuen Wegen angesprochen. Wo früher Hochglanzprospekte beim Händler lagen, kann man sich nun Werbebotschaften fürs Handy oder den PDA-Kleincomputer holen. Mit erfreulichem Nebeneffekt. Man erfährt so leichter etwas von den möglichen Kunden. So weiß Marketing-Leiter Torsten Müller-Ötvös, dass von 65 000, die sich bisher beim 1er eingeklickt haben, mehr als 60 Prozent in den nächsten Monaten einen Autokauf planen. Wichtiger ist für ihn aber eine andere Zahl: "Von ihnen fahren mehr als drei Viertel ein Fremdfabrikat." Das könnte bedeuten, dass auf jeden Käufer, der vom 3er auf den 1er umsteigt, mehrere kommen, die ihren ersten BMW kaufen. Für größere Stückzahlen ist man gerüstet. Zunächst wird der 1er neben dem 3er im BMW-Werk Regensburg gebaut. Ist die Nachfrage unerwartet groß, könnte er dank flexibler Produktion in anderen Werken vom Band laufen.<BR><BR>Einem Markt aber will sich die Marke BMW mit ihrem Kleinsten vorerst nicht stellen. In den USA wird erst gestartet, wenn ein Sechszylinder-1er (auch dafür ist unter der Haube Platz) und möglichst eine Stufenheckvariante bereitstehen. Damit ist noch nicht Schluss: Der kleine BMW soll Basis für eine Modell-Familie werden. Cabrio oder Roadster sind noch Zukunftsmusik.</P><P><BR> </P>

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