Sportliche Ziele: BMW-Tochter M GmbH stellt Mitarbeiter ein

- Lissabon - Die Zeit der Neueinstellungen ist vorbei. Selbst BMW will künftig wachsen, ohne weiter Personal aufzubauen. Doch es gibt eine Ausnahme: die M GmbH in Moosach. "Wir fertigen an der Kapazitätsgrenze", sagt Ulrich Bruhnke, Chef der exklusiven und sportlichen BMW-Tochter mit ihren 560 Beschäftigten. Das Unternehmen sucht neue Mitarbeiter.

Allerdings sind die Anforderungen noch ein Stück härter als beim Mutterkonzern. Spitzenqualifikation und "Benzin im Blut" gelten als Grundvoraussetzungen für Facharbeiter oder Ingenieure, die sich darum bemühen.

Ziel: Die Konkurrenten hinter sich lassen

Denn nicht nur die Autos sind sportlicher als die der Mutter, auch die Ziele der BMW-Tochter: Sie will die Konkurrenten AMG (Mercedes) und Quattro (Audi) überholen. Zusätzliche M-Modelle sollen dazu beitragen. Dabei reichen für Bruhnke, der von AMG nach München gewechselt ist, ein stärkerer Motor und breitere Reifen nicht, um aus den BMW einen "M" zu machen. Die M-Fitnesskur nimmt das ganze Auto unter die Lupe. Auch Bremsen, Achsen und andere Teile des Autos werden, wenn nötig, nach Sport-Maßstäben neu entwickelt.

Motorleistung allein bringt gar nicht so viel. Das haben Bruhnkes Entwickler gerade wieder belegt. Im neuen Z4 M Coupé´ schlägt ein altbekanntes Herz: der sechs Jahre alte Sechszylinder aus dem M3. Dem fehlen zwar gegenüber dem 507 PS starken, neueren Zehnzylinder aus dem M5/M6 knapp ein Drittel an Leistung. Doch in der Praxis ist dies kaum spürbar. Die Rundenzeiten auf der anspruchsvollen Nürburgring-Nordschleife sind fast gleich. Was das größere (und zweifellos komfortablere) Auto an schierer Kraft auf der Geraden voraus hat, holt das andere durch Leichtigkeit und das kompromisslos sportliche Fahrwerk in Kurven wieder auf.

Außerdem konnte der Sechszylinder sechsmal in Folge den teureren Konkurrenten von Porsche und Ferrari den als Motoren-Oscar geltenden "Engine of the Year-Award" wegschnappen. Für die sportliche Kundschaft, die das 343-PS-Coupé´ ansprechen soll, ist das ein Kaufargument.

Der normale Fahrbetrieb spielt sich allerdings weit unterhalb der technischen Grenzen ab. Straßen, Staus und Tempolimits sorgen dafür. Dennoch werden nirgendwo so viele M-Fahrzeuge verkauft wie in den USA (wo schon im zweiten von sechs Gängen der Temposünderbereich beginnt). 42 Prozent der 17 000 M-Fahrzeuge im Jahr 2005 gingen über den Atlantik, nur 13 Prozent blieben in Deutschland, wo auf den Autobahnen kein generelles Limit gilt.

"Viele gehen dort am Wochenende damit auf die Rennstrecke", sagt Bruhnke. Ein Trend, der auch im zunehmend regulierten Deutschland kommen könnte. Zu den Geschäftsfeldern der M GmbH gehört auch die BMW-Fahrerausbildung, deren Spektrum vom Sicherheitstraining für Alltagsfahrer bis zu Rennstrecken-Programmen für sportlich Ambitionierte reicht. Immerhin ist die M GmbH aus der ehemaligen BMW-Motorsport hervorgegangen.

Wasserspender für den mitreisenden Hund

Immer wichtiger wird auch ein dritter Bereich der M GmbH: BMW-Individual. Dabei geht es nicht nur um Sportlichkeit, sondern darum, Autos individuell zu gestalten. Was über die Sonderausstattungslisten hinausgeht, wird von Bruhnkes Mitarbeitern übernommen. "Nahezu jeder Ausstattungswunsch wird erfüllt", sagt Bruhnke. Forderungen müssten schon das Image der Marke beschädigen, um abgelehnt zu werden. Ein Wasserspender für den mitreisenden Hund gehört zu den bereits verwirklichten Möglichkeiten. Allerdings können Wünsche dann sehr teuer werden, wenn die Sonderausstattungen nicht ans Band in den Produktionsprozess der BMW-Werke eingeschleust werden können. Dann wird ein Auto von den M-Spezialisten in Garching auseinander genommen und nach Kundenwünschen wieder zusammengebaut.

Eine neue Modelloffensive?

Selbstbeschränkung war lange Zeit angesagt. Nur ein exklusiv-sportliches M-Modell begleitete jeweils das BMW-Serienprogramm. So schien es auch, als sollte der M5 einen auslaufenden M3 ablösen. Doch dann kam ein M6-Coupé´, ein Z4 M-Roadster und nun auch ein Z4 M Coupé´. Ein neuer M3 und ein M-6-Cabrio kommen noch. Darauf, dass er über weitere Modelle nachdenkt, macht Ulrich Bruhnke, Chef der M GmbH, keinen Hehl. Theoretisch könnte damit jedes Modell eine sportliche Schwester bekommen. Allerdings gebe es keine Entscheidung in diese Richtung. Auch eine zweite Einschräkung macht Bruhnke: Eine Chance auf Verwirklichung hat nur, was ins Programm passt und sich auch rechnet.

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