Mittelstand im Blickpunkt: Maloja

Sportmode aus einem Chiemgauer Stall

Rimsting – Im Sommer arbeiten und im Winter snowboarden – das war das Ziel von Peter Räuber. Es kam anders. Jetzt erobert seine Sportmodemarke Maloja die Welt.

Peter Räuber und seine Freunde wollten in diesem Urlaub nur Snowboarden. Im Pulverschnee. Und vor allem weit weg von Schicki-Micki, Massentourismus und Sehen-und-Gesehen-Werden. Sie haben etwas gesucht, das anders ist. Und haben es in dem kleinen Ort Maloja im schweizerischen Engadin gefunden. Mittlerweile ist dieses Maloja mehr als ein unbekanntes Graubündner Bergdorf. Es ist auch mehr als der Name der Sportmarke aus dem Chiemgau, die Peter Räuber (49) und Klaus Haas (46) 2004 gegründet haben. Maloja ist zu einer unternehmerischen Philosophie geworden: „Wir wollen anders und authentisch sein“, betont Räuber nicht nur einmal während des Gesprächs in den Büroräumen.

Das „Anders“ beginnt genau dort. Die Malojas sitzen in diesem 800 Quadratmeter großen, ausgebauten Stall mit offenem Dachstuhl, Holzgebälk und alten Möbeln, auf Flohmärkten zusammengesammelt. Mitten im Nirgendwo. Das heißt: Rein geografisch gehört der Stadl zum Luftkurort Rimsting (Landkreis Rosenheim) mit knapp 4000 Einwohnern. Tatsächlich ist rundherum nichts außer Wiesen und Wald. Idylle und Ruhe. Vor den Glastüren des Maloja-Stalls und der Holzterrasse grasen die Kühe.

Jedes Frühjahr passt dort das gesamte Team auf eine Herde Jungvieh auf. „Kühe müssen sich erst einmal an die Weide beziehungsweise an den Zaun drumherum gewöhnen“, erklärt Haas. „Es braucht viel Manpower, damit sie nicht einfach den Zaun durchbrechen. Klar, dass wir da alle mithelfen.“

Auch der Landwirt ist Teil der Maloja-Familie: Ihm gehören nicht nur die Kühe, sondern auch der Stall. Den Ausbau hat er mitgeplant und umgesetzt. Mittlerweile ist er, so Haas, ein Partner und auch finanziell am Unternehmen beteiligt. Davon profitieren die Mitarbeiter spätestens im Herbst. Da steht jedes Jahr eine gemeinsame Apfel-Sammel-Aktion in dem riesigen Garten an. Den Saft gibt’s wochenlang. Er steht in der offenen Küche, in der jeden Mittag eine Köchin für die Mannschaft ein Menü zaubert.

25 Malojas gibt es mittlerweile, elf davon sind unter Räubers Leitung für das Design zuständig. Als Duo haben Räuber und Haas 2004 angefangen, auf 70 Quadratmetern in einer Dachgeschoss-Wohnung. Ein ungleiches Team: Peter Räuber, der kreative Kopf mit jahrelanger Erfahrung im Sportbereich. Klaus Haas, der Finanz-Experte mit jahrelanger Erfahrung in Betriebswirtschaft. Was sie einte, war Haas zufolge die Überzeugung: „Unsere Geschäftsidee funktioniert.“ Diese lautete: Endlich einmal Klamotten für Mountainbiker und Rennradfahrer zu entwerfen, die nicht nur funktionell sind, sondern auch richtig gut ausschauen. Das Team setzt auf außergewöhnliche Muster und lässige Schnitte, die jedes Jahr einem Thema untergeordnet werden.

Die erste Kollektion kam 2005: etwa 60 Teile, in erster Linie Bikeshorts, Pants und Trikots. Damit haben die Malojas überzeugt: 2005 gewannen sie bei den Ispo Brandnew Awards, dem weltweit größten Jungunternehmer-Wettbewerb der internationalen Sport-Leitmesse Ispo. „Das hat uns definitiv geholfen“, sagen die beiden Geschäftsführer unisono. Im ersten Jahr konnten sie bereits 100 Händler als Partner gewinnen. Heute sind es rund 800, etwa 300 davon auf dem deutschen Markt.

Hinter dieser Entwicklung steht harte Arbeit. Sommers und winters. Das hatte sich Räuber ursprünglich anders vorgestellt. Er wollte im Sommer ackern, um im Winter Snowboarden zu gehen. „Im ersten Jahr hat das noch ganz gut geklappt.“ Doch schon 2007 kam die erste Winterkollektion. Und vorbei war es mit dem winterlichen Leben im Tiefschnee.

Heute liefert das Unternehmen vor allem Kollektionen für Rennradfahrer, Mountainbiker, Läufer und Kletterer, Langläufer, Skitourengeher und Freerider in 24 Länder. Pro Jahr werden laut Haas etwa 350 000 Teile produziert, vor allem in Italien, Portugal und China – aber auch in Bayern. Wollmützen nach den Entwürfen der Maloja-Designer werden im Allgäu gehäkelt, Trachten-Jancker in Garmisch-Partenkirchen genäht. Alles in Handarbeit. Die Schafwolle dafür beziehen die Modemacher direkt aus dem Chiemgau. Allerdings machen Mützen und Tracht nur einen verschwinden kleinen Teil des Sortiments aus: 250 Artikel – darunter vier Trachtenjanker.

Geld verdient Maloja mit Sportbekleidung. Der Umsatz liegt bei über zehn Millionen Euro – „und er wächst noch immer zwischen 20 und 30 Prozent pro Jahr“, sagt Haas. Das Ziel für die kommenden Jahre ist klar definiert: langsam wachsen. Das ist eine Maloja-Maxime. „Sowohl Team als auch die Lieferanten müssen mitwachsen können“, sind sich die Geschäftsführer einig. Zulieferer haben das bereits getan: Unter den über 30 Lieferanten sind ausschließlich mittelständische Unternehmen. Die meisten haben klein mit Maloja angefangen und sind dann gewachsen.

Wachsen will das Unternehmen weiter auf dem bislang wichtigsten, dem europäischen Markt. „Er bietet noch sehr viel Potenzial“, sagt Haas. Doch die Geschäftsführer setzen auch auf Übersee, insbesondere auf Kanada und die USA. „Dort sind schon erste Erfolge erkennbar.“ In Sun Valley beispielsweise gebe es sogar eine Boutique, die fast ausschließlich Maloja anbietet. „Wenn Du das tust, worin Deine Leidenschaft liegt, kannst Du nicht so falsch liegen“, meint Haas.

Von Katharina Bromberger

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