Springer bleibt bei seiner Option des zweiten Standbeins

- München/Berlin - Nach dem Rekordergebnis im vergangenen Jahr ist Europas größter Zeitungskonzern Axel Springer offenkundig auf dem Sprung zu einem Medienriesen. "Der Aufbau eines zweiten Standbeins im deutschen TV-Geschäft" sei eine Option, um Umsatz und Gewinn zu steigern, erklärte Vorstandschef Mathias Döpfner vor Springer-Aktionären. Die Gläubiger der früheren Kirch-Gruppe haben den Weg für Übernahme-Verhandlungen offenbar frei gemacht.

<P class=MsoNormal>"Sie wissen, dass wir die Auffassung vertreten, die Beteiligung mittelfristig entweder aufzustocken oder zu einem attraktiven Preis zu veräußern", sagte Döpfner auf der Hauptversammlung von Springer. "Diese Aussage gilt unverändert." Die aktuellen Spekulationen wollte er "aus sehr grundsätzlichen und in jedem Fall im Interesse der Aktionäre liegenden Erwägungen" nicht kommentieren.</P><P class=MsoNormal>Nach Worten Döpfners sind Neugründungen oder Zukäufe im Ausland eine weitere Möglichkeit, den Konzern voranzubringen. Als strategisches Ziel nannte er, die Führerschaft auf dem deutschen Printmarkt zu behaupten und möglichst auszubauen. Da junge Leute immer weniger Zeitung lesen, prüft Springer die Herausgabe einer Tageszeitung für Kinder, um den Nachwuchs als Kunden zu binden. Erwogen werden zudem neue Printangebote für ältere Bürger.</P><P class=MsoNormal>Beide Möglichkeiten - Ausbau des TV-Geschäfts und mehr internationale Aktivitäten - beinhalteten Chancen und Risiken, sagte Döpfner. Generell sei der Konzern, der 2001 erstmals in seiner Geschichte einen Verlust verkraften musste, wieder "kraftvoll und kerngesund". Branchenkenner sagen Springer erhebliches Interesse an einer Aufstockung seiner Beteiligung oder gar einer Mehrheitsübernahme an der TV-Kette Pro-Sieben-Sat1 nach.</P><P class=MsoNormal>Kleinaktionäre rieten Döpfner unter Verweis auf "schlechte Erfahrungen" des Verlagshauses mit dem Fernsehen, weiter auf das erfolgreiche Kerngeschäft zu setzen. "Beide Wege sind attraktiv, wenn die Bedingungen stimmen", erwiderte der Springer-Chef.</P><P class=MsoNormal>Presseberichten zufolge sind sich der Konzern und die Pro-Sieben-Hauptaktionäre um den amerikanisch-israelischen Medienmilliardär Haim Saban prinzipiell schon einig über den Deal. Saban und seine Finanzpartner dementierten erneut Verkaufsabsichten. Es gebe keine Verhandlungen, erklärte die Holding der Senderfamilie in München. "Wir sind sehr zufrieden mit unserem Investment."</P><P class=MsoNormal>Unterdessen soll Kirch-Insolvenzverwalter Michael Jaffé´ ein Abkommen unterzeichnet haben, wonach die Kirch-Gläubiger 15 Millionen Dollar von den derzeitigen Haupteigentümern um Saban erhalten, falls diese ihre Aktienpakete an dem TV-Konzern vor dem 31. März 2006 verkaufen, wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet. Damit könnte der Axel Springer Verlag mit den Großaktionären über eine Mehrheits-Übernahme verhandeln.</P>

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